Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Predictive Policing – Mit Algorithmen vor die Lage kommen

Policy Brief

  • 1. Auflage 2018, 46 Seiten (PDF)
  • kostenlos

Seit etwa drei Jahren wird Predictive Policing in Deutschland praktiziert. Sechs Bundesländer nutzen entsprechende Software meist, um städtische Gebiete, in denen am wahrscheinlichsten Wohnungseinbrüche, Gewerbeeinbrüche oder Kfz-Diebstähle stattfinden werden, zu identifizieren. Die Erfahrungen zeigen erstens, dass Predictive Policing, wie es derzeit in Deutschland praktiziert wird, keinen Eingriff in die Bürgerrechte darstellt. Zweitens wird deutlich, dass Predictive Policing abseits der Verhinderung von Verbrechen, was sich als Wirkung kaum nachweisen lässt, so viel positives Potential entfaltet, das es sich durchaus lohnt, diesen Ansatz mit Bedacht weiter zu verfolgen.

 

Predictive-Policing-Systeme gelten überall als Erweiterung des Instrumentenkastens polizeilicher Präventionsarbeit zur Unterstützung kriminalistischer Methoden. Es gehe letztlich darum, unter Ausnutzung des technisch Möglichen „vor die Lage zu kommen“, wie einer der Beteiligten sagte, also den Kriminellen gewissermaßen einen Schritt voraus zu sein. Das bestätigt auf der Ebene des professionellen polizeilichen Selbstverständnisses die These, dass Predictive-Policing-Systeme – jedenfalls bis auf Weiteres – keine Substitution und keinen Paradigmenwechsel, sondern eine Ergänzung polizeilicher Praxis bedeuten.

 

Das starke mediale und politische Interesse am Thema Predictive Policing scheint angesichts dessen beinahe überzogen zu sein. Das liegt sicher auch daran, dass die Nutzung von prädiktiven Algorithmen im Zuge der allgemein großen Aufmerksamkeit für alles, was mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu tun hat, derzeit noch zu häuig vor dem Spiegel popkultureller Erzeugnisse diskutiert wird, statt nüchtern im Verhältnis zu den tatsächlichen Gegebenheiten behördlicher Praxis. Aber auch die allzu passive Außenkommunikation der Polizeibehörden mag dazu beitragen, dass häuig mehr dahinter vermutet wird als tatsächlich dahintersteckt. Dieses Papier soll zu einer Versachlichung der Debatte beitragen und den Einsatz algorithmischer Systeme in der Polizeiarbeit ein Stück weit demystiizieren. Wir möchten politischen Entscheidungsträgern eine Orientierungshilfe bieten, bereits umsetzenden Behörden Verbesserungsvorschläge unterbreiten und in die Umsetzung neu einsteigenden Behörden ein Hilfsmittel für ihre Planungen an die Hand geben.