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Pressemeldung, , : Für bessere Personalschlüssel in Brandenburger Kitas fehlen 33,5 Millionen Euro

Heute präsentiert die Bertelsmann Stiftung in der Staatskanzlei Brandenburg Ergebnisse und Handlungsempfehlungen des dreijährigen Projektes "KiTa ZOOM: Ressourcen wirksam einsetzen". Kernergebnisse sind, dass für eine zielorientierte KiTa-Finanzierung mehr Finanzmittel und eine bessere Steuerung erforderlich sind.

Potsdam/Gütersloh, 14. April 2016. Die Mehrzahl der Kinder besucht in Brandenburg eine Kindertageseinrichtung (Kita): Von den unter Dreijährigen sind es 56,8 Prozent und von den ab Dreijährigen 97,2 Prozent. Damit diese Kinder in Brandenburger Kitas gute Bildungs- und Betreuungsbedingungen erfahren können, müssen die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Kitas weiter verbessert werden. Welche Reformen zielführend sein können, hat die Bertelsmann Stiftung im ihrem Projekt in Kooperation mit der Liga der Freien Wohlfahrtsverpflege in Brandenburg untersucht.

Repräsentative Analysen in drei Modellregionen in Brandenburg

"KiTa ZOOM" zeigt, dass die bestehende öffentliche Regelfinanzierung bei Betreuungszeiten von über 8 Stunden täglich zu einer weiteren Verschlechterung der ohnehin unzureichenden Personalausstattung führt. Denn nach dem brandenburgischen Kita-Gesetz wird bei der Bemessung und Finanzierung des pädagogischen Personals pauschal nur zwischen den Mindestbetreuungszeiten bis zu 6 Stunden oder mehr als 6 Stunden täglich unterschieden. Darüber hinaus werden längere Betreuungszeiten nicht mit zusätzlichen Ressourcen gefördert.

Für drei repräsentative Modellregionen zeigt "KiTa ZOOM", dass längere Betreuungszeiten in den Kitas zu besonders ungünstigen Personalschlüsseln führen. Leitet man einen Personalschlüssel vom Brandenburger Kita-Gesetz ab, liegt dieser bei 1:6 für Kinder unter 3 Jahren. Tatsächlich fällt in Potsdam der rechnerische Personalschlüssel aufgrund von längeren Betreuungszeiten beispielsweise für Gruppen mit unter Dreijährigen mit 1:7,2 ungünstiger aus. Auch in Märkisch-Oderland liegt der rechnerisch ermittelte Personalschlüssel für unter Dreijährige in Krippengruppen bei 1:6,9. In Brandenburg a. d. Havel ist hingegen eine vollzeitbeschäftigte Erzieherin rechnerisch für 6 Kinder unter 3 Jahren zuständig. Die gesetzlichen Regelungen zur Kita-Finanzierung führen demnach zu ungleichen Bildungsbedingungen für die Kita-Kinder in Brandenburg.

Personalschlüssel schlechter als Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung

Auch wenn die rechnerischen Personalschlüssel zumindest in Brandenburg a. d. Havel der Bemessungsgrundlage gemäß Kita-Gesetz entsprechen, so sind sie in allen drei Modellregionen doch erheblich schlechter als die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung. So werden bei einem Personalschlüssel von 1:6 für die unter Dreijährigen doppelt so viele Kinder betreut wie empfohlen (1:3).

Die Landesregierung in Brandenburg hat inzwischen einen verbesserten Personalschlüssel von 1:5 für Kinder unter 3 Jahren auf den Weg gebracht (ab August 2016). "KiTa ZOOM" zeigt allerdings, dass die gesetzlichen Regelungen darüber hinaus verändert werden müssen, damit auch bei Betreuungszeiten über 8 Stunden die zugrunde liegende Personalbemessung durch eine öffentliche Regelfinanzierung realisiert werden kann. Dies gilt auch für die Personalausstattung bei der Betreuung von Kindern ab 3 Jahren.

Nach Berechnungen von "KiTa ZOOM" müssen für die Finanzierung von Personalschlüsseln von 1:5 und 1:12 (für Kinder ab 3 Jahre) ab August jährlich insgesamt fast 513 Millionen Euro aufgewendet werde. Dies entspricht 10.670 pädagogischen Vollzeitkräften. Damit diese Personalschlüssel für jede vertraglich vereinbarte Betreuungsstunde (Stand 1.3.2015) realisiert werden können, sind zusätzlich 33,5 Millionen Euro (1.245 pädagogische Vollzeitkräfte) erforderlich.

Die repräsentativen Untersuchungen in den drei Modellregionen zeigen darüber hinaus weitere Reformbedarfe für die Kita-Finanzierung in Brandenburg: Beispielsweise sind die verfügbaren Personalkapazitäten für Leitungskräfte gemessen an ihren Aufgaben und Funktionen unzureichend. Dies trifft auch auf das Wirtschaftspersonal zu, das den Verpflegungsauftrag der Kitas gewährleisten muss. Zudem verfügen die Kitas nur über sehr unzureichende Ressourcen für die kontinuierliche Qualitätsentwicklung.

Neben dem Abbau dieser Unterfinanzierung des Kita-Systems durch Land und Kommunen hat "KiTa ZOOM" deshalb weitere Handlungsbedarfe für eine wirksamere und auch zielgenauere Kita-Finanzierung im Dialog mit den verantwortlichen Akteuren identifiziert. Für eine verbesserte Finanzsteuerung und -planung ist beispielsweise eine Betriebskostensystematik entwickelt worden. In Verhandlungen zwischen Land, Kommunen und Trägern können so die tatsächlichen Betriebskosten von Kitas und ihre Finanzierungsbedarfe transparent gemacht werden. Eine Verständigung über Investitionsschwerpunkte kann so faktenbasiert erfolgen.

Kita-Finanzierung muss sich dynamisch den kontinuierlich verändernden Anforderungen an die Bildung und Betreuung anpassen. Neben der Nutzung von Steuerungsinstrumenten, wie der Betriebskostensystematik, empfiehlt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung deshalb auch, den initiierten Landesdialog zwischen Vertretern des zuständigen Ministeriums, den Trägern und ihren Verbänden, den Kommunen sowie Fachkräften aus dem Kita-System strukturell zu verankern und fortzusetzen. Zwar brauche das Brandenburger Kita-System zusätzliche Finanzmittel, gleichzeitig benötige es auch neue Strukturen und Instrumente für eine zielorientierte Steuerung dieser Investitionen.

Zusatzinformationen

Berechnungsgrundlage sind die Kita-Daten von repräsentativen Stichproben aus den Modellregionen Potsdam, Brandenburg a. d. H. und Märkisch-Oderland. Zudem sind Daten aus der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik (Stichtag 1.3.2015) genutzt worden. Die Berechnungen hat Prof. Dr. Heinz-Günter Micheel am Kompetenzzentrum Soziale Dienste der Universität Bielefeld durchgeführt.