Pressemitteilung, , Gütersloh: Bertelsmann Stiftung will sich stärker mit den Methoden nachhaltiger Politikgestaltung befassen

Thielen: Politik darf Generationengerechtigkeit nicht aus den Augen verlieren

  • PDF

Die Bertelsmann Stiftung wird sich künftig stärker mit den Methoden nachhaltiger Politikgestaltung befassen und die Internationalisierung ihrer Arbeit weiter vorantreiben. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Gunter Thielen bei der Vorlage des Jahresberichtes 2011 an. Im Frühsommer 2013 wird die Bertelsmann Stiftung ihren Reinhard Mohn Preis zum Thema "Politik nachhaltig gestalten" verleihen. Derzeit sucht sie weltweit nach Ländern, denen es gelungen ist, Strategien für ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit zu entwickeln und als übergeordnetes Ziel in Politik und Gesellschaft zu verankern.

"Die Kurzatmigkeit in der Politik ist ein Kernproblem", sagte Thielen. "Die Konzepte sind heute im besten Fall für die Dauer von Legislaturperioden angelegt – im schlimmsten Fall reichen sie von Talkshow zu Talkshow." Es bestehe weitgehend Einigkeit darüber, dass die vorherrschende Art des Wirtschaftens und das traditionelle Verständnis von Wohlstand und Wachstum nicht auf Dauer tragen. Die ökonomischen Grenzen würden sehr deutlich von der Schuldenkrise in Europa aufgezeigt. "Politik muss daher die Themen Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit ins Zentrum ihrer Strategien rücken", sagte Thielen.

Die Bertelsmann Stiftung will sich künftig noch internationaler ausrichten und positionieren. Derzeit ist sie mit ihren Büros in Brüssel, Barcelona und Washington vor allem in Europa und den USA aktiv. "Im Rahmen unserer Internationalisierungsstrategie nehmen wir nun China, Indien und Brasilien in den Blick", kündigte Thielen an. Dort wolle man keine eigenen Auslandsbüros eröffnen sondern mit strategischen Partnern zusammen arbeiten. Schwerpunktthemen sollen Bildung sowie nachhaltige soziale und gesellschaftliche Entwicklung sein.

Als ein Beispiel für die internationale Wirkung der Stiftungsarbeit nannte Thielen das Konzept der Bertelsmann Stiftung für eine internationale Non-Profit-Ratingagentur. Angesichts der fragwürdigen Beurteilung der Bonität von Staaten durch die drei kommerziellen US-Ratingagenturen benötige man eine unabhängige Institution für die Bewertung von Länderrisiken. Die angewandten Kriterien dürften nicht nur die finanz- und wirtschaftspolitischen Realitäten abbilden, sondern auch das politische Management eines Landes und seine Durchsetzungsfähigkeit bei Reformprozessen. Mit ihrem Vorschlag habe die Bertelsmann Stiftung große Zustimmung bei Wirtschafts- und Finanzexperten gefunden. Aus der Politik habe man Signale erhalten, dass das Konzept auch beim kommenden G20-Gipfel diskutiert werden solle.

Auch in Deutschland arbeitet die Bertelsmann Stiftung an den zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen. Zusammen mit der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sie Anfang des Jahres das Projekt "Kein Kind zurücklassen! Kommunen in NRW beugen vor" aufgenommen. Zudem arbeitet die Bertelsmann Stiftung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem Stab zusammen bei der Organisation des Bürgerdialogs über die Zukunft Deutschlands. Gemeinsam mit dem Deutschen Volkshochschulverband hat sie in den letzten Wochen in über 50 deutschen Städten dezentrale Bürgerdialoge organisiert. Am 6. Juni wird die Bundeskanzlerin in Berlin mit rund 150 Teilnehmern aus diesen lokalen Diskussionsforen über die Ergebnisse diskutieren.

Einer der kulturellen Höhepunkte wird am 1. Dezember ein Festkonzert anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Internationalen Gesangswettbewerbs "Neue Stimmen" sein. Unter der Leitung des deutsch-brasilianischen Dirigenten Marcus Bosch begleiten die Bochumer Symphoniker Preisträgerinnen und Preisträger aus den bisherigen Wettbewerben. Insgesamt haben in den vergangenen 25 Jahren mehr als 10.000 junge Talente aus über 70 Ländern an dem Wettbewerb teilgenommen.

Über die Bertelsmann Stiftung:

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinander der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung ist unabhängig vom Unternehmen und parteipolitisch neutral. Im laufenden Geschäftsjahr verfügt die Bertelsmann Stiftung mit ihren 314 Mitarbeitern über einen Etat von rund 62 Millionen Euro. Seit ihrer Gründung hat sie bisher 990 Millionen Euro in ihre gemeinnützigen Projekte investiert.