Eingestellt für ST-IFT, Titelmotiv Monitor Digitale Bildung; Weiterbildung; Change-magazin; senioren und computer heiner und martina weychardt und enkel sander / Gluecksburg ostsee 7 17
Arne Weychardt

Pressemeldung, , : Google läuft traditionellen Weiterbildungsanbietern den Rang ab

Nach der Schule hört das Lernen noch lange nicht auf. Wer sich als Erwachsener beruflich und persönlich weiterbilden möchte, dem bleiben nicht nur klassische Fortbildungen oder Volkshochschulen. Das Internet eröffnet dem lebenslangen Lernen neue Möglichkeiten. Für jeden Zweiten gehört Weiterbildung per Internet schon zum Alltag – vor allem bei denen, die beruflich erfolgreich sind und deren Bildungsstand ohnehin schon höher ist.

Gütersloh, 16. Februar 2018. Knapp jeder zweite Erwachsene in Deutschland nutzt regelmäßig digitale Medien zur persönlichen oder beruflichen Weiterbildung. Laut dem "Monitor Digitale Bildung" der Bertelsmann Stiftung steigt die Vielfalt an Möglichkeiten, eigenständig über das Internet zu lernen. Während das informelle Lernen sich bereits zu großen Teilen digitalisiert hat, steht der Umbruch der Lerngewohnheiten bei den meisten etablierten Anbietern von Fort- und Weiterbildung noch bevor. Vor allem in Volkshochschulen und bei öffentlich geförderten Angebote dominieren bislang noch klassische Präsenzkurse.

In der Regel gilt: Wer online lernt, der lernt zu Hause. 80 Prozent der Befragten, die sich mittels digitaler Medien weiterbilden, tun das während ihrer Freizeit. Sie treiben ihre Karriere voran, recherchieren zu ihrem Hobby oder suchen nach Technik- und Haushaltstipps. Mit Abstand meistgenanntes Lernmotiv ist die fachbezogene, berufliche Qualifizierung. Es folgen Kultur und Kreativität, Sprachen und EDV-Themen. Das ersetzt nicht die klassische Fortbildung, sondern ergänzt die traditionellen Angebote. Allerdings: Menschen mit geringerer formaler Bildung und Nicht-Berufstätige lernen deutlich seltener digital.

Freiheit und Eigenständigkeit beim Lernen als größtes Plus

Je nachdem, ob es eher um berufliche oder private Kompetenzerweiterung geht, verwenden Nutzer unterschiedliche Medien. Im beruflichen Kontext dominieren Webinare, Power Point Präsentationen genauso wie traditionelle Fachzeitschriften oder Fachtexte. Privates Lernen findet hingegen eher auf YouTube und in sozialen Medien wie Facebook oder bei Wikipedia statt. Die umfangreicheren Massive Open Online Courses (MOOCs) nutzt nur ein Prozent der Online-Lerner.

Wer digitale Möglichkeiten für das lebenslange Lernen erschlossen hat, möchte sie nicht mehr missen. Drei von vier Befragten dieser Gruppe können sich nicht mehr vorstellen, wie Weiterbildung ohne den Einsatz digitaler Medien funktionieren soll. Freiheit und Eigenständigkeit beim Lernen werden als größtes Plus angeführt. Den Anlass zu einer Netz-Recherche liefert meist ein konkretes Problem. Woher die Lösung kommt, ist nebensächlich. "Suchmaschinen laufen traditionellen Bildungsanbietern im Internet den Rang ab. Den Nutzern bleiben als Quelle meist nur Gatekeeper wie Google und YouTube in Erinnerung", sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Traditionelle Bildungsanbieter im Internet haben es schwer

Folglich konkurrieren Anbieter von Weiterbildung, ob gemeinnützig oder kommerziell, im Netz mit einer Fülle ungeprüfter Inhalte. Welche Inhalte wissenschaftlich-didaktischen Ansprüchen genügen, ist derzeit kaum erkennbar. Dräger regt deshalb eine Definition von Qualitätsstandards an und fordert die Einführung eines freiwilligen Gütesiegels für digitale Lerninhalte.

Auch die etablierten Kursangebote von Einrichtungen der Erwachsenenbildung stehen vor einem Wandel. Derzeit setzen die Bildungsanbieter digitale Medien noch eher zurückhaltend ein, doch Trainer, Kursleiter und Geschäftsführung sind sich mehrheitlich einig: Digitalen Angeboten gehört die Zukunft. Drei von vier Leitungsverantwortlichen sind davon überzeugt, digitales Lernen erhöhe die Attraktivität ihrer Bildungseinrichtung. Sie setzen auf leichteren Zugang in dünner besiedelten Regionen, höhere Motivation, mehr individuelle Förderung und bessere Lernergebnisse.

Vor allem die privat-kommerziellen Institute treiben die Neuausrichtung ihrer Angebote voran. Zwei Drittel der dortigen Leitungskräfte messen dem Thema strategisch hohe Bedeutung bei. Bei den öffentlich geförderten Einrichtungen sehen das nur 50 Prozent so. Privat-kommerzielle Anbieter sind auch mit der technischen Ausstattung zufriedener (67 Prozent der Einrichtungsleitenden). Bei öffentlich geförderten Einrichtungen sind es nur 36 Prozent. Immerhin 40 Prozent der Trainer und Kursleiter bei privat-kommerziellen Anbietern setzen digitale Medien wie Videos und PowerPoint regelmäßig ein. Von deren Kollegen in Volkshochschulen und im öffentlich geförderten Weiterbildungsbereich tun das nicht einmal halb so viele.

Das volle didaktische Potenzial des digitalen Lernens, etwa für mehr individualisiertes oder selbstgesteuertes Lernen, nutzen die Lehrenden bisher allerdings nicht aus. Dies scheitert am fehlenden Know-how und unzureichenden Fortbildungsmöglichkeiten. Ebenso wie ihre Kollegen an den Schulen und Hochschulen sind die Dozenten in der Erwachsenenpädagogik weitgehend auf sich gestellt, wenn sie neue Medien in ihre Kurse einbauen möchten. 40 Prozent von ihnen haben noch nie an einer Fortbildung zu diesem Thema teilgenommen. Wichtigste Lernquelle bleiben das Selbststudium und der Austausch unter Kollegen.

Zusatzinformationen

Mit dem "Monitor Digitale Bildung" hat die Bertelsmann Stiftung eine umfassende und repräsentative empirische Datenbasis zur Digitalisierung der verschiedenen Bildungssektoren in Deutschland geschaffen. Vor dem Bericht zur Weiterbildung erschienen bereits Studien zur Schule, Hochschule und Berufsausbildung. Für den Bericht zur Weiterbildung hat das "mmb Institut – Gesellschaft für Medien- und Kompetenzforschung mbh" (Essen) rund 1000 repräsentativ ausgewählte Personen aus der Bevölkerung befragt, die älter als 18 Jahre sind und nicht mehr zur Schule gehen, studieren oder eine Berufsausbildung absolvieren. Zudem wurden knapp 500 in der Weiterbildung Tätige (260 Lehrende und 224 Vertreter aus der Leitungsebene) befragt. Ergänzt wurde die Erhebung durch Interviews mit 30 Entscheidern aus Politik, Verwaltung und Verbänden.