Liebe Leserinnen und Leser,
wie gelingt die Transformation zu einer wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Sozialen Marktwirtschaft? Unsere Beiträge und Lösungsvorschläge zu dieser Frage finden Sie ab sofort in unserem neuen Format „Zukunftsstandort Deutschland“, mit dem wir unsere bisherigen Blogs zu Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit in einer Plattform bündeln. Folgende Themen stehen im Fokus unserer ersten Ausgabe:
Das Fundament unseres Wohlstands bröckelt, wenn die Industrie nicht ausreichend investiert. Unsere jüngste Studie auf Basis des IW-Zukunftspanels zeigt: Nur noch rund die Hälfte der Industrieunternehmen plant bis Ende 2026 Erhalt- oder Ersatzinvestitionen, und gerade einmal ein Viertel will in Erweiterung, Forschung oder Innovation investieren. Diese Zurückhaltung ist kein Zufall, sondern Ausdruck struktureller Standortprobleme: Hohe Bürokratie- und Energiekosten, Fachkräftemangel, Abgabenlast und politische Unsicherheiten lassen Unternehmen bei Investitionen zögern.
Konsequenz: Die Innovationskraft sinkt. Lediglich 13 Prozent der Unternehmen zählen 2026 zur innovationsstarken Spitze. 2019 waren es noch rund ein Viertel. Gleichzeitig ist der Anteil innovationsschwacher Unternehmen auf fast 40 Prozent gestiegen. Diese brandaktuellen Daten zu den so genannten „Innovativen Milieus“ weisen auf eine schleichende Entkopplung von Innovationselite und industrieller Basis hin. In unseren Studien machen wir deutlich, welche Maßnahmen nun gefragt sind, um die Rahmenbedingungen für Investitionen zu verbessern und gleichzeitig die Diffusion von Innovation zu beschleunigen.
Dass Deutschland auch weiterhin Weltspitze sein kann, unterstreicht unsere jüngste Innovationsanalyse zur Kreislaufwirtschaft. Deutschland zählt bei Technologien für die Circular Economy zu den führenden Patentstandorten – etwa im zirkulären Bauen, bei Werkstoffinnovationen oder beim Batterierecycling. Zugleich zeigt sich eine starke Innovationsdynamik in Asien, die Deutschland unter Druck setzt. Entsprechend gilt es, nachhaltige Technologien als internationalen Wettbewerbsvorteil zu stärken, etwa durch eine zügige Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie und mehr politische Planungssicherheit.
Letztere hat aus Sicht der Unternehmen zuletzt nachgelassen, so dass sich die Dynamik der Nachhaltigkeitstransformation auf Unternehmensebene im Vorjahresvergleich verringert hat. Unser „Sustainability Transformation Monitor 2026“ zeigt differenziert, wie die Wirtschaft aktuell auf Treiber und Hemmnisse der Nachhaltigkeitstransformation schaut und was es braucht, damit Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit im Einklang gestärkt werden können.
Neben Investitionen und Innovation markieren soziale Akzeptanz und Resilienz die strategischen Achsen der Transformation. Unsere Analyse zu den Verteilungswirkungen steigender Heizkosten durch das neue ETS2-System macht deutlich, dass Transformation politisch nur tragfähig ist, wenn sie sozial flankiert wird. Die Ausweitung der CO₂-Bepreisung auf Gebäude und Verkehr ist klimapolitisch konsequent – sie trifft Haushalte jedoch unterschiedlich stark. Klimapolitik bleibt deshalb auf Akzeptanz angewiesen – und diese entsteht nur, wenn soziale Risiken systematisch adressiert werden.
Die zentrale Herausforderung bleibt, Transformation so zu gestalten, dass sie ökonomisch tragfähig, technologisch ambitioniert und gesellschaftlich akzeptiert ist. Als Bertelsmann Stiftung möchten wir in diesem Prozess evidenzbasierte Orientierung geben. In diesem Sinne wünschen wir eine anregende Lektüre und freuen uns über Feedback.
Mit besten Grüßen
Dr. Daniel Schraad-Tischler
Director, Programm Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft