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Schluss mit lustig: Kunst als Qualifikation für politische Führung
Liebe Leserinnen und Leser,
willkommen zur ersten Sommerausgabe des Briefings Demokratiepolitik. Während der parlamentarische Betrieb weitestgehend ruht, schalten wir um und liefern Ihnen ein sommerliches Sammelsurium aus demokratiepolitischen Neuigkeiten aus Politik und Gesellschaft, vor allem aber einen Einblick in das, was unsere Kolleginnen und Kollegen lesen, hören und sehen. Möge es zur Inspiration dienen!
Apropos sehen und hören: Sehen Sie gerne politische Comedy? Hören Sie gerne Infotainment? Seit einigen Wochen wabert durch politische Gespräche ein Vorschlag, der Unterhaltung und Politik auf eine Weise zusammenführt, die aufhorchen lässt: Hape Kerkeling als nächster Bundespräsident. Der höchste Mann im Staat ein Künstler?
International gibt es einige Beispiele für prominente Wechsel von der Unterhaltungsbranche in die Spitzenpolitik. Wolodymyr Selenskyj war Comedian, bevor er Präsident der Ukraine wurde. Beppe Grillo wechselte von der Comedybühne an die Spitze einer der erfolgreichsten Parteien Italiens. Jimmy Morales schaffte den Sprung vom Fernsehkomiker ins Präsidentenamt Guatemalas. Jón Gnarr war Comedian, Schauspieler und Punkmusiker, bevor er Bürgermeister von Islands Hauptstadt Reykjavík wurde. In den USA waren Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger aus Hollywood bekannt, bevor sie politische Verantwortung trugen. Und Donald Trump? Zwar kein Comedian, aber als Entertainer brachte er die Logik des Reality-TV bis ins Weiße Haus.
Ganz überraschend ist das alles nicht. Humor und Satire sind nie unpolitisch. Sie machen Macht sichtbar, stellen Autoritäten infrage, spielen mit Stereotypen und Widersprüchen, können Gemeinschaft schaffen... oder extrem ausgrenzen, wenn sie sich mit Populismus mischen.
Wer Menschen zum Lachen bringt, verfügt oft auch über eine besondere Fähigkeit, gesellschaftliche Stimmungen zu erkennen und das dann im Guten oder Schlechten zu nutzen. Komplexe Zusammenhänge können verständlich gemacht und öffentliche Aufmerksamkeit gewonnen werden. Damit stellt sich eine demokratiepolitisch spannende Frage: Sind genau diese künstlerischen Fähigkeiten auch politische Qualifikationen?
Hape Kerkeling hielt im April eine vielbeachtete Rede im ehemaligen KZ Buchenwald. Er äußert sich seit längerer Zeit schon besorgt über die demokratische Zukunft unseres Landes und appelliert an Menschlichkeit, Kompromiss und aktive Teilhabe an der Demokratie. Auch auf dem Deutschen Stiftungstag hat er sich dafür eingesetzt. Klingt präsidial, oder? Eine Petition ist im Umlauf, die Herrn Kerkeling als Präsident vorschlagen möchte. Er selbst äußerte sich im Podcast „Inside CSD Leipzig“ positiv: „Ja, das traue ich mir zu“. Kritikerinnen und Kritiker dieser Idee führen an: Wäre es nicht Zeit für eine Frau? Verlangt das Amt nicht dezidiert politische und diplomatische Erfahrung, auch gegenüber dem Ausland? Darüber hinaus politische Kontakte, um in brenzligen Situationen im Inland besser schlichten zu können. Fehlt Menschen wie Hape Kerkeling nicht institutionelle Autorität?
Eine Persönlichkeit aus Kunst und Kultur als Bundespräsident:in, anstelle einer Person aus der Politik, Wissenschaft oder Theologie? Dies wirft einige demokratiepolitische Fragen auf, wie zum Beispiel: - Welche Auswirkungen hätte das auf das Vertrauen in politische Institutionen?
- Könnte die Person die Integrationsfunktion des Amtes erfüllen?
- Welches Verständnis politischer Repräsentation brächte das zum Ausdruck?
Ich finde, in einer Zeit, in der positive Gefühle gegenüber Demokratie, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Zukunft vielerorts brüchig geworden sind, spricht demokratiepolitisch einiges dafür, den Kreis möglicher Repräsentant:innen nicht vorschnell auf Berufspolitiker:innen zu beschränken. Künstler:innen arbeiten mit Sprache, Bildern, Humor und Emotionen. Sie können Menschen berühren, gemeinsame Vorstellungen entwickeln und Identifikation stiften. Fähigkeiten, die gerade ein integratives Staatsoberhaupt ebenfalls benötigt.
Vielleicht lese ich diesen Sommerurlaub „Laughter as Politics: Critical Theory in an Age of Hilarity“ von Patrick T. Giamario. Der sagt: Humor ist Macht. Er kann bestehende Machtverhältnisse stabilisieren, unterlaufen oder verändern. Deshalb muss politische Theorie Humor genauso ernst nehmen wie Sprache, Medien oder Protest.
Insofern keinesfalls Schluss mit lustig. Vielleicht ist dies erst der Anfang. Nun aber zu dem, was meine Kolleg:innen bei der Bertelsmann Stiftung lesen, hören und sehen. Und Achtung, wir beginnen mit einer Inspiration unseres neuen Vorstandsmitglieds Andreas Pinkwart!
Ich wünsche eine anregende Lektüre
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Zwischen den Zeilen – Demokratiepolitischer Medienkoffer
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Andreas Pinkwart liest:
Der Lärm der Zeit
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Der legendäre Roman des britischen Schriftstellers Julian Barnes, „Der Lärm der Zeit“, zeichnet das Porträt des Komponisten Dmitri Schostakowitsch, der mit seiner Kunst im stalinistischen Russland der 1930er Jahre in Ungnade fällt. Nacht für Nacht wartet er neben dem Fahrstuhl seiner Wohnung in Leningrad darauf, von den Schergen des Systems verhaftet zu werden.
Man spürt förmlich die Angst des von willkürlicher Herrschaft heimgesuchten Künstlers und leidet mit ihm. Gleichzeitig zieht einen das Buch in seinen Bann. Es zeigt eindringlich, welch verheerende Auswirkungen autokratisch-totalitäre Systeme auf die Freiheit des Einzelnen haben, insbesondere auf Künstler:innen und Wissenschaftler:innen. Zugleich macht es den unschätzbaren Wert bürgerlicher Freiheitsrechte deutlich, die zu den Grundpfeilern liberaler Demokratien gehören und erst die freie Entfaltung von Kunst ermöglichen.
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Rebekka Vollmer schaut:
Pørni
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„Pørni“ ist der Spitzname von Pernille – und der Titel einer norwegischen Serie über eine alleinerziehende Sozialarbeiterin im Osloer Jugendamt. Pørni ist warmherzig, schlagfertig, erschöpft und fast immer für andere da. Wer Demokratiepolitik nicht nur in Parlamenten sucht, wird hier fündig: Die Serie zeigt, warum eine starke Demokratie kluge politische Gestaltung sozialer Infrastrukturen braucht, die Familien in Krisen zur Seite stehen und Care-Arbeit anerkennen. Behörden zeigen sich hier nicht als anonymer Aktenapparat, sondern als Ort, an dem politische Schutzversprechen im direkten Kontakt eingelöst werden müssen: menschlich, widersprüchlich, manchmal überfordert, aber unverzichtbar.
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Kai Unzicker liest:
Freie Geister
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„Wir haben euch nichts zu geben als die eigene Freiheit. Wir haben kein Gesetz als das Prinzip der gegenseitigen Hilfe von Einzelnen für Einzelne. Wir haben keine andere Regierung als das eine Prinzip freier Bindung. Wir haben keine Staaten, keine Nationen, keine Präsidenten ... Und auch sonst haben wir nicht viel. Wir sind Teilende, nicht Besitzende.“ Ursula K. Le Guins zwiespältige Utopie „The Dispossessed. An Ambiguous Utopia“ (deutsch: „Freie Geister. Eine zwiespältige Utopie“) gilt als einer der wichtigsten Science-Fiction Romane des 20. Jahrhunderts. Sie kontrastiert darin das anarchistische Anarres, ohne Gott, ohne Staat und ohne Patriachat, mit dem nicht zufällig sehr erdähnlichen Urras. Wer nach eindeutigen Antworten sucht, wird aber enttäuscht. Le Guin legt stattdessen Widersprüche frei. In einer Zeit, arm an Utopien, lohnt die Lektüre auch mehr als 50 Jahre nach dem Erscheinen.
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Carlo Greß liest:
Die Enkelin
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„Die Enkelin“ von Bernhard Schlink handelt von der bewegenden deutsch-deutschen Familiengeschichte des Protagonisten Kaspar, der nach dem Tod seiner Frau Birgit mit einem bislang unbekannten Teil seiner erweiterten Familie konfrontiert ist. Schlinks Roman erzählt auf eindrucksvolle Weise von einem Mann, der Verantwortung übernehmen möchte, sich dafür aber mit Menschen, Orten und Wertesystemen auseinandersetzen muss, die ihm gänzlich fremd sind. Auch wenn das Buch mehr Familiengeschichte als Gesellschaftsroman ist, berührt es sensible Fragestellungen rund um die (demokratische) Identität der Deutschen und das Erodieren eines gesamtgesellschaftlichen Wertekonsens.
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Stefan Roch hört:
Past Present Future
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Zukunft: früher offen, heute Zumutung. Im ersten Teil einer zweiteiligen Podcastreihe mit dem Titel „Where Are We Going? The Idea of the Future“ diskutieren David Runciman und Ivan Krastev über ein Thema, das Demokratien seit jeher umtreibt: die Zukunft.
Ihre Kernthese: Demokratie braucht die Vorstellung einer offenen Zukunft. Genau diese Offenheit scheint verloren zu gehen. Ob Klimakrise von Mitte-links oder Migration von rechts: Politische Probleme werden immer häufiger als endgültig verhandelt. Entweder sie werden JETZT gelöst, oder es ist zu spät. Wenn Zukunft aber nur noch „jetzt oder nie“ heißt, wird demokratisches Aushandeln schwierig. Wahlen erscheinen dann nicht mehr als Willensbildung auf Zeit, sondern als ultimative, schicksalhafte Weichenstellung.
Was heißt das für demokratische Zukunftspolitik? Vielleicht geht es darum, aufzuzeigen, dass demokratische Entscheidungen korrigierbar sind. Und um die Einladung, über konkurrierende Zukünfte zu streiten.
Ob Krastev und Runciman eine Idee haben, wie die Zukunft etwas von ihrer verlorenen Offenheit zurückgewinnen kann, erfahren wir eventuell im zweiten Teil.
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Angela Jain hört:
Podcast mit Luca Piwodda
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Demokratie wird nicht allein in Berlin oder Brüssel bestimmt, sondern ganz besonders dort, wo Menschen ihren Alltag gestalten. Genau das zeigt ein hörenswerter Beitrag von T-Online mit dem Titel „Bürgermeister in AfD-Hochburg: So geht es gut“ über den jungen Bürgermeister Luca Piwodda aus Gartz (Oder). Sein Anspruch: Demokratie kann auch unter schwierigen Bedingungen funktionieren – mit Zuhören, Pragmatismus und konkreten Lösungen statt Symboldebatten. Mir macht der Beitrag Mut, denn er zeichnet ein positives Bild von Gegenwart und Zukunft und zeigt, wie Demokratie im Alltag gelebt und gestärkt werden kann.
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Finn Heinrich liest:
Das Ministerium für die Zukunft
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„Das Ministerium für die Zukunft“ (Kim Stanley Robinson): Ein unangenehmer Roman – und zugleich von bedrückender Aktualität angesichts des sich abzeichnenden Hitzesommers 2026. Am Anfang der Handlung steht eine beispiellose Hitzewelle in Indien, die Millionen Menschenleben fordert. Sie führt bei den Vereinten Nationen zur Gründung eines „Ministeriums für die Zukunft“ und zugleich zur Radikalisierung eines der wenigen Überlebenden.
Wie kann die Weltgemeinschaft einer globalen, systemischen Krise begegnen? Was macht eine solche Krise mit den politischen Akteuren und den Institutionen, die handeln sollen? Kim Stanley Robinson entwirft keine Dystopie, sondern ein ebenso realistisches wie provokantes Gedankenexperiment. Seine Antworten erscheinen plausibel – verlangen jedoch tiefgreifende Veränderungen unserer Gesellschaften, unserer Wirtschaft und unserer politischen Systeme.
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Sabine Donner schaut:
Years and Years
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Großbritannien wird von einer rechtspopulistischen Premierministerin regiert, die Ukraine ist von Russland besetzt, Donald Trump löst in seiner zweiten Amtszeit eine nukleare Krise aus – was „Years and Years“ aus dem Jahr 2019 als Zukunft entwirft, wirkt heute beklemmend nah. Doch die dystopische Kraft der TV-Miniserie entsteht nicht durch spektakuläre Katastrophen, sondern durch die Logik des Alltäglichen. Über anderthalb Jahrzehnte (2019-2034) begleitet sie die Lyons, eine britische Familie, im Sog politischer, technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche. Familiendrama trifft Science-Fiction: spannende Unterhaltung und eindrückliche Warnung zugleich. Nicht das Unvorstellbare bedroht die Demokratie, sondern das, woran sich Menschen gewöhnen.
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Sommersammelsurium Demokratiepolitik
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- Reform des Informationsfreiheitsgesetzes – Etwas unerwartet hat der Koalitionsausschuss am 1. Juli 2026 als Teil seines umfassenden Reformpaketes auch Eckpunkte für eine Reform des Informationsfreiheitsgesetzes beschlossen. Kern der geplanten Änderungen: Anfragen sollen künftig nur noch möglich sein, wenn ein „berechtigtes Interesse" nachgewiesen wird – eine Umkehr der seit 20 Jahren geltenden Praxis vorbehaltlosen Zugangs zu Behördeninformationen. Organisationen wie NGOs könnten in Zukunft keine Auskünfte mehr gewährt werden. Hinzu könnten höhere Gebühren kommen, die unter Umständen die Kosten der Anfrage decken müssten; Namen von Mitarbeitenden in Behörden würden geschwärzt werden.
Die Regierung führt Sicherheitsbedenken und Bürokratieabbau als Gründe für ihren Änderungsansatz an. Nachdem anfänglich andere Aspekte des Reformpaketes im Vordergrund medialer Berichterstattung standen, formiert sich nun Widerstand aus Opposition, Zivilgesellschaft, Medien und auch von einigen SPD-Abgeordneten – die Novelle schränke Transparenz und Pressefreiheit zu stark ein. - Wahlkreiskommission: Mehr als nur neue Grenzen? – In jeder Legislaturperiode werden die Bundestagswahlkreise geprüft. Wichtig ist, dass die Bevölkerungszahl eines Wahlkreises nicht zu sehr vom Bundesdurchschnitt abweicht, denn dadurch würden einige Stimmen in Hinblick auf die Mehrheitswahl im Wahlkreis mehr zählen als andere. Im Ende Juni erschienenen Bericht der unabhängigen Wahlkreiskommission ist diese erlaubte Abweichung erstmals auf 15 % festgelegt. Nicht weniger als 78 Wahlkreise müssen demzufolge angepasst werden.
In einer Zeit, in der international die parteipolitisch motivierte Grenzziehung von Wahlkreisen (Stichwort: Gerrymandering) unrühmliche Aufmerksamkeit erlangt hat, ist diese Anpassung mehr als eine technische Frage. Es gilt, das kontinuierlich hohe Vertrauen der Bevölkerung in Wahlen zu erhalten. Insbesondere, wenn im Zuge des Zuschnitts „Durchschneidungen […] historisch gewachsener Gebiets- und Bevölkerungsstrukturen“ bevorstehen, sollte auch nur der Eindruck, einzelne politische Akteure würden bevorzugt, vermieden werden. Ein Vorschlag dafür: Die Abgeordneten sollten transparent kommunizieren, aus welchen Gründen sie einzelne Kommissionsvorschläge für den Neuzuschnitt nicht übernehmen. - Interesse an „Demokratie leben!“ bekunden – Ende Juni 2026 hat das BMBFSFJ die Förderaufrufe für sein neu konzipiertes Bundesprogramm „Demokratie leben!" ab 2027 veröffentlicht. Interessierte Organisationen können mit ihren Projektvorschlägen vom 3. August bis zum 4. September 2026 über das Förderportal am Interessenbekundungsverfahren teilnehmen. Das Programm gliedert sich jetzt in drei Programmebenen: „Bund“ mit den Handlungsfeldern „Demokratiebildung“ und „Extremismusprävention“, „Digitaler Raum“ und „Land“; sowie ein Sondervorhaben „Integration und Teilhabe“. Bis zum 6. August können sich zudem unabhängige Sachverständige bewerben, die die Projektideen begutachten sollen.
Die Veröffentlichung der Förderaufrufe markiert damit den nächsten Schritt in einem Prozess, der die Zivilgesellschaft seit Monaten beschäftigt: Die Neuausrichtung unter Bildungsministerin Prien wurde kontrovers aufgenommen, begleitet von Kürzungsdebatten und anhaltender Kritik aus Trägerprojekten. Nun liegt erstmals konkret auf dem Tisch, mit welchen Schwerpunkten das Programm ab 2027 weitergeführt wird. Laut Programmdarstellung soll die neue Struktur „eine größere Breitenwirkung in die Mitte der Gesellschaft erreichen“. - Demokratiepolitische Prioritäten aus Unternehmenssicht – Wie blicken Unternehmen in Deutschland auf die Demokratie? Die neue Studie der Bertelsmann Stiftung „Unternehmen in der Demokratie: besorgt, willens, gefordert“ zeigt: 93 Prozent bewerten Demokratie als wichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen finden jedoch, dass demokratische Entscheidungsprozesse zu lange dauern. Zugleich befürworten fast ebenso viele die kritische Kontrolle der Regierung durch Opposition und Medien; rund 70 Prozent halten eine breite gesellschaftliche Beteiligung an politischen Entscheidungen für wichtig.
Damit beleuchtet die Analyse ein zentrales Spannungsfeld: Wie kann staatliche Problemlösungsfähigkeit verbessert werden, ohne demokratische Aushandlung hintenanzustellen? Für die Politik, die das Thema Staatsmodernisierung zunehmend priorisiert, bedeutet das: Staatliche Handlungsfähigkeit zu sichern muss auch als demokratiepolitische Aufgabe gedacht und angegangen werden.
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Sacramento/Kalifornien: Julie Watts ist eine investigative Journalistin in der Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien, Sacramento. Unterstützt durch eine neue Support-Plattform für Medienschaffende mit der Bezeichnung „Digital Democracy“ recherchiert sie preisgekrönte Polit-Geschichten und trägt zu mehr Transparenz über parlamentarische Prozesse bei. Dazu bietet neuerdings das von der NGO CalMatters gemeinsam mit der Universität Cal Poly entwickelte AI-Instrument einzigartige Einblicke in politische Reden, Abstimmungsverhalten und Finanzflüsse im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat – und damit einen wichtigen Beitrag zur Demokratie.
In dieser Rubrik blickt für uns Bruno Kaufmann, globaler Demokratiekorrespondent der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR), über den Tellerrand. Mit einem Foto von seinen Reisen zeigt er uns monatlich persönliche Eindrücke von Demokratien weltweit.
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Mitwirkung und Dank
Ich danke meinen Kolleg:innen Leander Berner und Gaelle Beckmann für die gemeinsame Konzeption und Umsetzung und Jonathan Koch für die inhaltliche Unterstützung. Ein großer Dank vom Briefing-Team geht an unser neues Vorstandsmitglied Andreas Pinkwart sowie an unsere Kolleginnen und Kollegen, die an dieser Ausgabe mitgewirkt und berichtet haben, was sie lesen, hören und sehen. Unserem Kollegen Hauke Hartmann danken wir für seine Mitwirkung bei der Aufnahme der Hörfassung.
Die Bertelsmann Stiftung hat die polisphere GmbH mit Recherchen für die einzelnen Rubriken beauftragt.
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