1. edition 2018 (PDF)

DOI 10.11586/2018001

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Die berufliche Bildung steht vor zwei Herausforderungen: Einerseits mehr Ausbildungsressourcen zu schaffen, sodass jeder junge Mensch in Deutschland die Chance auf einen Ausbildungsplatz hat. Andererseits müssen diese erweiterten Ausbildungsressourcen geeignet sein, der zunehmenden Heterogenität der Ausbildungsbewerber – vom Jugendlichen mit Behinderungen über Neuzugewanderte bis hin zum Studienabbrecher – gerecht zu werden. Doch trotz guter Konjunkturlage und wachsender Beschäftigung sinkt in Deutschland seit einigen Jahren die Beteiligung von Betrieben an Ausbildung. Während das Ausbildungsstellenangebot im Jahr 2000 noch bei etwa 622.000 lag, ist es bis 2017 auf rund 572.200 gefallen. Zudem konnten über 40.000 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Gleichzeitig gingen bundesweit rund 80.000 Ausbildungsbewerber (13,4 %) leer aus.

Die duale Ausbildung droht in Deutschland an Bedeutung zu verlieren und gefährdet so eine wesentliche Voraussetzung für die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte sowie der sozialen Integration zahlreicher junger Menschen. Insbesondere sind es leistungsschwächere Jugendliche, die selten einen Ausbildungsplatz finden: 2015 gelang es nur 49 Prozent der Schulabgänger mit Hauptschul- oder ohne Abschluss, direkt eine Ausbildung im dualen oder im Schulberufssystem aufzunehmen. 51 Prozent fanden sich dagegen zunächst in einer der zahlreichen Maßnahmen des sogenannten Übergangssystems wieder, in denen kein Berufsabschluss erworben werden kann. Aktuell haben rund 1,4 Millionen (ca.13,9%) der 25- bis 34-Jährigen hierzulande keinen Berufsabschluss und damit schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Wie kann der Umfang an Ausbildungsressourcen insgesamt gesteigert werden, sodass jeder junge Mensch in Deutschland die Chance auf einen Ausbildungsplatz erhält? Welche betrieblichen Ausbildungsressourcen gibt es und aus welchen Gründen ziehen sich Ausbildungsbetriebe zurück? Warum werden immer mehr Ausbildungsstellen nicht besetzt? Welche staatlichen Maßnahmen zur Förderung betrieblicher Ausbildungsbeteiligung werden bereits angeboten?

Die Autoren Prof. Dr. Dieter Euler und Prof. Dr. Eckart Severing geben in der vorliegenden Studie Antworten auf diese Fragen. Die beiden folgern, dass trotz zahlreicher Förderprogramme ein hoher Bedarf an zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsressourcen besteht. Zudem sind unter den Ausbildungsbewerbern viele Jugendliche mit Startschwierigkeiten, deren Bedürfnisse in der bisherigen Gestaltung von Ausbildung bislang nicht ausreichend berücksichtigt werden. Es brauche für die unterschiedlichen Zielgruppen des Ausbildungsmarkts ein quantitativ ausreichendes wie auch qualitativ hochwertiges Angebot, um allen Jugendlichen die Chance auf einen beruflichen Abschluss zu ermöglichen.