Mobiles Arbeiten
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Auch in diesem Jahr hat sich die Bertelsmann Stiftung an der Bestandsaufnahme um digitales Arbeiten in Deutschland mit dem D21 beteiligt. Seit mehreren Jahren wird in der frisch erschienenen Studie der Grad der Digitalisierung der Befragten und ihres (Arbeits-) Alltags betrachtet. In der diesjährigen Studie wurde dem Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Schwerpunkt "Arbeiten 4.0" ein besonderes Augenmerk geschenkt.

Die aufgestellte These der Studie behauptet, dass gerade die Möglichkeiten einer digitalen Arbeitswelt (z.B. mobiles orts- und zeitunabhängiges Arbeiten) die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt fördert.

Merkmale, die für ein Arbeiten in familienfreundlicher Umgebung vonnöten sind - Vertrauen der Teammitglieder untereinander und dem Untergebenen gegenüber, Transparenz der eigenen Arbeit, Agilität in der Projektarbeit, gute Ausstattung mit digitalen Endgeräten - all dies sind auch gleichzeitig Kennzeichen mobilen Arbeitens per se.

Wir haben uns dieses Jahr zusammen mit der Initiative D21 die Fakten insbesondere mit diesem Schwerpunkt angeschaut: Nach wie vor arbeiten nur 24% der Beschäftigten in Deutschland mobil, obgleich dies bei mindestens 50% der Beschäftigten möglich wäre. Nur 20% der Befragten geben an, dass ein mobiles Arbeiten aufgrund ihres Berufes nicht in Frage kommt. Schaut man sich die Zahl der Beschäftigten in Deutschland insgesamt an (43 Millionen), so wird das gewaltige Potenzial für mobiles und wohnortnahes Arbeiten deutlich; in einem Land, in dem seit Jahren der Trend zu umfangreicher täglicher Pendeltätigkeit widersinniger Weise gleichzeitig zunimmt.

Der Grund dafür, dass dieses Potenzial bisher durch die Firmen in Deutschland nicht ausreichend genutzt wird, dürfte in der mangelnden Ausstattung mit Soft- und Hardware liegen. So stehen gerade einmal 40% der Befragten Werkzeuge wie Kollaborationstools, Videokonferenzen oder Fernzugänge (VPN et al.) für die Arbeit überhaupt zur Verfügung. Der Mehrheit der Beschäftigten ist eine private Nutzung dienstlicher Geräte verboten. Hierbei ist jedoch auffällig, dass es eine starke Unterscheidung nach Geschlechtern gibt. Männern stehen diese Werkzeuge im Schnitt doppelt so häufig zur Verfügung wie Frauen. Bei dienstlichen Smartphones ist der Unterschied noch deutlicher: Der Anteil der Männer, denen Smartphones dienstlich zur Verfügung gestellt werden, liegt um den Faktor 3 (!) über denen der Frauen.

Wenn Frauen sich Kenntnisse über die Nutzung des Internets und der Hardware aneignen, geschieht dies mehrheitlich über Familienmitglieder (69%), während Männer sich diese Kompetenz durch eigenständiges Ausprobieren aneignen (87%).

Hier deutet sich ein Gender-Gap an, der erklären könnte, warum deutsche Firmen auf dem Gebiet des mobilen Arbeitens und der Vereinbarkeit von Leben und Arbeit noch nicht weiter sind. So betrachten zwar 73% der Befragten Flexibilität der Arbeitszeiten als Bestandteil modernen Arbeitens. Jedoch nur 38% der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ihr Arbeitgeber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördere. Nur 14% der Befragten arbeiten schon mit virtuellen Teams.

Schaut man sich die übergeordneten Zahlen an, so fällt folgendes auf: Das einzige Feld, in dem Frauen im digitalen Leben aktiver sind als Männer, ist die Nutzung von Instant Messaging, also im Bereich des dialogischen Kommunizierens. Wenn man dazu berücksichtigt, dass der Anteil der Frauen, die regelmäßig Smartphones nutzen, gegenüber dem letzten jahr um 12%-Punkte in die Höhe geschossen ist, während der entsprechende Anteil bei den Männern sogar geschrumpft ist, ergibt sich ein kohärentes Bild.

Frauen sind in der mobilen Kommunikation stärker als Männer. Mobile Kommunikation aber ist eine der wesentlichen Bedingungen für mobiles Arbeiten. Mobiles Arbeiten scheint also deshalb noch nicht der breite Durchbruch gelungen zu sein, da insbesondere Frauen wie oben gezeigt der Zugang zu dienstlichen mobilen Endgeräten, zu Videokonferenztools, zu Fernzugangswerkzeugen versperrt wird. Hätten Frauen denselben Anteil bei der Überlassung dienstlicher Smartphones, wäre ihnen und damit den Firmen sehr geholfen. Wie ist es beispielsweise zu erklären, dass der Anteil der Männer, die Tablets nutzen können, nahezu viermal höher ist als der Anteil bei den Frauen?

Ein weiterer Faktor, der sowohl Männer wie auch Frauen betrifft, und die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben erschwert, ist die weit verbreitete Weigerung der Arbeitgeber, die dienstlichen Geräte auch für die private Nutzung freizugeben. Dieses Verbot und der geringe Anteil von 38% der Beschäftigten, die Unterstützung durch die Arbeitgeber bei der Aneignung digitaler Kompetenzen erfahren, unterstützen den Eindruck einer Verbotskultur in deutschen Firmen, wenn es um die Digitalisierung geht.

Einfache Maßnahmen zur Umsetzung von mobilem Arbeiten:


 

Die Bereitstellung von den Arbeitsmitteln nach funktions- und hierarchiebezogenen Grundsätzen führt zu weniger Effizienz beim Arbeiten. 

Durch Schulungen von Anwendungen und Kommunikation im Netz steigern sie Innovation! Sind Ihre Mitarbeiter erst geschult, können sie ihre mobilen Endgeräte auch für die private Nutzung freigeben.

Greifen Sie dabei auf die Erfahrungen aus dem Bereich Vereinbarkeit von Familie und Arbeit zurück.

Mehr als eine Human Ressource

Diejenigen Betriebe, die bisher erfolgreiche Beispiele für die Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewesen sind, haben dies durch individuelle Gestaltung der Situation - immer gemessen an den Rahmenbedingungen des Betriebes und dem Bedarf des Mitarbeiters - erreicht.

Die Mitarbeiter sollten nicht mehr als “human ressource” gesehen werden, sondern als Individuen mit Fähigkeiten und Potenzialen - und privatem Umfeld. Gewährt man ihnen ideale digitale Arbeitsbedingungen, kann ein Betrieb sicher sein: Diese einzelne Person wird mit allen anderen ein besseres, großes Ganzes für die Firma leisten können.

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