Jürgen Siegmann

Nicht nur in Deutschland zeichnen sich die Folgen des demographischen Wandels immer deutlicher ab. In den meisten Staaten der EU führen geringe Geburtenraten und eine steigende Lebenserwartung dazu, dass die Zahl Erwerbstätigen langfristig abnimmt, während gleichzeitig das Durchschnittsalter der Bevölkerung ansteigt. Diese Entwicklung schlägt sich nicht zuletzt in der Arbeitsmarktsituation Älterer nieder. Während noch vor wenigen Jahren Arbeitnehmer über 50 durch Frühverrentungsprogramme aus dem Arbeitsmarkt gedrängt wurden, zielen Maßnahmen wie die Rente mit 67 heute auf eine Verlängerung des Erwerbslebens.

Ältere Arbeitnehmer sollen länger arbeiten, weil dadurch der demographische Druck auf soziale Sicherungssysteme gemildert wird. Sie können, weil Gesundheit und Lebenserwartung auf breiter Front zugenommen haben. Und schließlich wollen sie häufig auch, weil Erwerbsarbeit weniger als Belastung, sondern mehr als Bereicherung der individuellen Lebensqualität gesehen wird.

Zentrale Voraussetzung für ein Ineinandergreifen von Sollen, Können und Wollen ist allerdings die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer. Diese hängt neben individuellen Faktoren (Qualifikation, Gesundheit) auch von staatlichen Rahmenbedingungen und dem Arbeitsplatzumfeld ab.

Zahlreiche Hürden verhindern Beschäftigung im Alter

Zwar ist die Beschäftigung der Älteren in Deutschland im letzten Jahrzehnt kontinuierlich gestiegen. Sie liegt aber immer noch deutlich unter der Beschäftigungsquote der Erwerbsbevölkerung insgesamt. Denn zahlreiche Hürden stehen weiterhin einem längeren Verbleib im Erwerbsleben entgegen. Dazu zählen neben starren Regeln im Arbeits- und Sozialrecht, zu wenig Investitionen in Weiterbildung und lebenslanges Lernen, nicht-alter(n)sgerechte Arbeitsorganisation in Betrieben, auch gesellschaftliche Vorurteile gegenüber älteren Beschäftigten als weniger produktiv und unflexibel.

Vor diesem Hintergrund werden im diesem Projektstrang auf der europäischen Ebene Gestaltungskonzepte entwickelt, wie Unternehmen mit der Neugestaltung ihrer Arbeitsorganisation zum Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit beitragen können und welche Unterstützung dabei von staatlicher Seite erfolgen kann. Besonderes Augenmerk wird dabei auf kleine und mittlere Unternehmen gelegt, die in ihrer internen Flexibilität eingeschränkt sind. Im Rahmen von Roundtables wird mit Unternehmens- und Arbeitnehmervertretern diskutiert werden, welche Konzepte bereits entwickelt und erfolgreich erprobt wurden und wie sich diese skalieren lassen.

Leitfragen

  • Wie lässt sich die Beschäftigungsfähigkeit bis ins Alter erhalten?
  • Wie lässt sich die Arbeitsorganisation alters- und alternsgerecht gestalten?
  • Welche Verantwortung tragen Unternehmen, Politik, Sozialpartner und ältere Arbeitnehmer selbst?

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