Eine Frau mit Broschpren in der Hand steht im Vordergrund. Im Hintergrund sind im Halbkreis 4 weitere Personen und eine Bibliothek von innen schemenhaft zuerkennen.
Arne weychardt / Bertelsmann-Sti

Wir sind überzeugt, dass eine Reform des Weiterbildungssystems notwendig ist, wenn wir der zunehmenden sozialen Spreizung entgegen wirken wollen. Das System, wie es sich derzeit gestaltet, verringert nicht die in den vorgelagerten Bildungssektoren entstandenen Bildungsungerechtigkeiten sondern verstärkt sie weiter. Drei Ansätze stellen wir hierbei ins Zentrum. Erstens, die Verbesserung der Bildungsberatung, speziell für bildungsbenachteiligte Menschen, um so den Zugang zu Weiterbildung zu erleichtern. Zweitens die Veränderung der Weiterbildungspraxis hin zu einer stärkeren Zielgruppenorientierung, so dass negative Schulerfahrungen nicht zu Verunmöglichern von Lernprozessen werden. Und drittens die Anerkennung von informell und non-formal erworbenen Kompetenzen. Damit Lerner an bestehendes anknüpfen können und sich lebenslanges Lernen auch beruflich und finanziell lohnt. Für den einzelnen wie für die Gesellschaft.

Weiterbildungschancen aufzeigen

Um auf die bestehenden Probleme aufmerksam zu machen, veröffentlichen wir Studien, die die Weiterbildungsbenachteiligung in Deutschland transparent machen. Dabei zeigen wir die Benachteiligung bestimmter Gruppen, z.B. Geringqualifizierter und atypisch Beschäftigter, auf und machen die Entwicklung der Finanzierung der Weiterbildung in den letzten Jahrzehnten transparent. Zusätzlich zeigen wir, dass die Weiterbildungschancen und Weiterbildungsinfrastruktur in Deutschlands Regionen ungleich verteilt sind und durch die lokale Wirtschafts- und Infrastruktur sowie Weiterbildungsangebote bestimmt werden. Wir beschreiben dabei auch strukturell benachteiligte Regionen, die trotz schlechter Ausgangsbedingungen eine hohe Weiterbildungsbeteiligung aufweisen, was sie mit einer geschickten Weiterbildungspolitik erreichen, wie z.B. über Bildungsbüros, die Unternehmen, Sozial- und Arbeitsämter koordinieren, über gezieltes Marketing von Weiterbildung, oder einfache Zugänge und Beratung zu Weiterbildung auch für bildungsbenachteiligte Gruppen.
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Menschen beraten

 Ein erfolgreicher Bildungsweg startet bei den eigenen Stärken und Interessen. Um diese leicht verständlich transparent zu machen und dabei auch Sprachbarrieren zu überwinden hat die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit den sieben Wohlfahrtsverbänden einen Baukasten für die Bildungsberatung von erwachsenen Migranten entwickelt. Die mehrsprachigen illustrierten Kompetenzkarten helfen den Bildungsberatern (weiterbildungs-)benachteiligten Migranten ihre Potentiale, Jobchancen und Möglichkeiten zur Weiterbildung interaktiv aufzuzeigen. Durch eine Verbindung zum Kompetenzmodell der Agenturen für Arbeit wird dabei sowohl dem Migranten als auch der Gesellschaft deutlich gemacht: jeder Mensch kann einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leisten – wenn man ihn lässt!
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Lehrkräfte stärken

Weiterbildner in Deutschland sind eine heterogene Gruppe. Was die meisten verbindet, ist ihr hoher Einsatz für das eigene Arbeitsfeld bei gleichzeitig prekärem Beschäftigungsstatus und semiprofessioneller Ausbildung für die pädagogischen Aufgaben. Die Qualität von Weiterbildungsangeboten ebenso wie der Lernerfolg von Teilnehmern hängt aber von der Professionalität des Weiterbildungspersonals ab. Aus diesem Grund stellt das von der Stiftung zusammen mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) im November 2015 veröffentlichte Portal www.wb-web.de ein offenes Qualifizierungsangebot für Weiterbildner bereit. Handlungsanleitungen, Checklisten und Hintergrundinformationen helfen Lehrkräften in der Weiterbildung zum Beispiel beim Einsatz digitaler und personalisierter Lernangebote, durch die sich Bildung eng an den Bedürfnissen verschiedenster Zielgruppen ausrichten lässt. Einen weiterer inhaltlicher Schwerpunkt bildet die Arbeit mit Bildungsbenachteiligte. Das Portal wächst kontinuierlich und Weiterbildner sind eingeladen sich mit Gleichgesinnten auf wb-web zu vernetzen und auch selbst inhaltliche Beiträge zu erstellen. Mit der Übergabe des Portals an das DIE steigt das BMBF als neuer Partner für den Ausbau des Portals ein.
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Fähigkeiten anerkennen

 Was in Finnland, Frankreich und Schweden schon lange Tradition hat, soll laut EU-Rats-Beschluss ab 2018 in allen EU-Staaten möglich sein: die formale Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen. Nicht mehr wo jemand etwas gelernt hat, sondern was er wirklich kann wird wichtig. So soll auch denjenigen eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt gegeben werden, die über einen anderen als den Standardweg Kompetenzen aufgebaut haben, welche aber in Ermangelung eines Berufsabschlusses bisher nicht sichtbar sind.

Wie wird sich Deutschland mit seiner jahrhundertealten Tradition der formalisierten Berufsabschlüsse dieser Herausforderung stellen? Wir stellen dar, welche erfolgreichen Ansätze zur Anerkennung von informell und non-formal erworbenen Kompetenzen aus dem europäischen Ausland wie auf Deutschland übertragbar wären und erarbeiten gemeinsam mit Partnern Konzepte und Verfahren für ein deutsches Anerkennungssystem.
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