8F7T0053 Nachbarschaftstreffen 2006
Veit Mette

Kommunen stehen vor Herausforderungen

Im Rahmen eines Kongresses mit 250 Teilnehmern wurde die neue Studie „Kommunale Gestaltungsmöglichkeiten bedürfnisorientierter Altenpflegestrukturen“ des Programms „LebensWerte Kommunen“ diskutiert. Der Kongress wurde veranstaltet in Kooperation mit dem „Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge“.

Die Ausgangssituation ist vielerorts ähnlich: In den Kommunen steigt mit Alterung der Gesellschaft die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen. Gleichzeitig sinkt das familiale Pflegepotenzial stark. Ziel im Kontext Pflege ist umso mehr eine primäre Stärkung des ambulanten Sektors, also die Pflege außerhalb stationärer Einrichtungen. Hier sind viele Kommunen bereits sehr aktiv und wünschen sich mehr Unterstützung sowie Gestaltungs- und Entscheidungskompetenzen. 

Steuerungsgruppe

Wie verschiedene Angebote der Altenpflege und der Pflegeversicherung enger miteinander verzahnt werden können und wie die Planungs- und Steuerungskompetenz der Kommunen in der Pflege gestärkt werden kann, diskutiert deshalb aktuell auch eine Bund-Länder Arbeitsgruppe zur Stärkung der Rolle der Kommunen in der Pflege. Sie wird im Laufe des Monats Mai ihre Ergebnisse präsentieren.

Ausbau ambulanter Sektor

Eine vorausgehende Datenanalyse zeigte, dass es trotz der Zielsetzung, den ambulanten Sektor im Bereich der Pflege weiter auszubauen, bundesweit sehr große Unterschiede bei den jeweiligen Versorgungsanteilen in den Kommunen zwischen ambulanter und stationärer Pflege gibt. Die Studie folgte der These, dass die Wahl der Pflegearrangements durch Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auf kommunaler Ebene beeinflusst werden kann, z.B. durch eine

  • Steigerung der Attraktivität des ambulanten Angebotes
  • Steuerung der Wahl des Pflegearrangements
  • Stützung des familialen Angebotes
  • Stärkung integrierter Versorgungsstrukturen.

Dazu wurden Fallstudien in deutschlandweit 16 Kommunen auf der Grundlage von 300 Experteninterviews mit zentralen lokalen Pflegeakteuren durchgeführt. So konnten erfolgreiche Steuerungsansätze und korrespondierende Erfolgsfaktoren und Praxisbeispiele identifiziert werden. Im Ergebnis wurde deutlich, dass es für Kommunen auch schon heute Steuerungsmöglichkeiten zur Stärkung der ambulanten Pflegestrukturen gibt: 

  • Aktive Akteursnetzwerke
  • Partizipative Pflegeplanung
  • Investoren- und Trägerberatung
  • Bedarfsgerechter und wirtschaftlicher Betrieb von Tagespflegeeinrichtungen
  • Aufbau kompletter Versorgungsketten vor Ort

Kommunen spielen eine Rolle

Im Rahmen des Kongresses wurden die Ergebnisse der Studie intensiv diskutiert. In mehreren Workshop-Runden konnten dazu gute und anregende kommunale Beispiele gegeben und vertieft werden, die bereits heute vorbildlich sind. Klar und durch die Kongressteilnehmer bestätigt wurde, dass den Kommunen in der Steuerung des Handlungsfelds Pflege eine entscheidende Rolle zukommt. Sie sind Initiator, Moderator und geben Netzwerken und strategischen Ausrichtungsprozessen Struktur. 

Die Studie kann aktuell über den Verlag der Bertelsmann Stiftung  als e-book  und als Print Publikation  bestellt werden.

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