Fussgängerzone mit vielen Personen, leicht verschwommen
Shutterstock / Iakov Kalinin

Kommunale Demographietypen

Jede Kommune ist anders - und doch gibt es Gemeinsamkeiten: in der demographischen Entwicklung, in der sozialen und wirtschaftlichen Ausgangslage oder im regionalen Umfeld. Neun Demographietypen führen Städte und Gemeinden auf der Basis von ähnlichen Kennzahlenausprägungen in Gruppen zusammen. Je Typ werden Herausforderungen, Potenziale und konkrete Handlungsansätze beschrieben als Basis für die weitere individuelle Stadtentwicklung.

Unterschiedliche Entwicklung 

Die Entwicklung der Kommunen in Deutschland verläuft sehr unterschiedlich - demographisch wie sozioökonomisch. Abhängig ist diese Entwicklung von ebenso verschiedenen Einflussfaktoren, die in ihrer Gesamtheit zu vielen konkreten Veränderungs- und Handlungserfordernissen führen. Diese Faktoren betreffen stark die demographischen Trends und Strukturen, reichen aber weiter über die soziale Struktur oder die finanzielle Ausstattung bis hin zur räumlichen Lage der Kommunen - etwa in unmittelbarer Umgebung großer Metropolen oder auch in der ländlichen Peripherie. 

Die aktuellen Herausforderungen sind für alle Kommunen die gleichen: ob Digitalisierung oder  demographischer Wandel, ob steigende Flüchtlingszahlen oder die zunehmende regionale und soziale Spaltung unserer Gesellschaft. Was sich zwangsläufig unterscheiden muss, sind die Strategien zum Umgang mit diesen Herausforderungen sowie die Priorisierung der verschiedenen  Handlungsansätze und Maßnahmen, wie beispielsweise:

 

  •        strategische Zukunftsvorsorge treffen
  •        Profil als attraktiver Wohnstandort sichern
  •        demographiefeste Siedlungsflächen entwickeln
  •        zukünftige Infrastrukturversorgung sichern
  •        digitale Infrastruktur ausbauen
  •        Eigenständige Lebensführung älterer Menschen unterstützen
  •        bürgerschaftliches Engagement fördern und Netzwerke ausbauen
  •        Flüchtlinge und Zuwanderer integrieren
  •        Wirtschaftliche Potenziale aktivieren
  •        kommunale Handlungsfähigkeit sichern
  •        regionale und interkommunale Kooperation ausbauen. 

Warum macht man eine Gemeindetypisierung?

Indem Kommunen typisiert werden, reduziert man Komplexität: Die Typisierung ermöglicht die analytische Betrachtung einer großen Zahl von Kommunen (hier rund 3.000) entlang von Merkmalen, in dem die Kommunen zu Typen gruppiert werden. Aus der Zuordnung einer Kommune zu einem bestimmten Typ können dann weiterführende spezifische Rückschlüsse für die jeweilige Stadt oder Gemeinde gezogen werden. Gleichzeitig schafft eine Gemeindetypisierung Transparenz.

Demographietypen

Im Folgenden finden Sie Typisierungen für einzelne Kommunen:

Demographietyp 1 - Stabile ländliche Städte und Gemeinden

Demographietyp 2 - Zentren der Wissensgesellschaft

Demographietyp 3 - Prosperierende Kommunen im Umfeld dynamischer Wirtschaftszentren

Demographietyp 4 - Wohlhabende Kommunen in ländlichen Räumen

Demographietyp 5 - Städte und Gemeinden im strukturschwachen ländlichen Raum

Demographietyp 6 - Stabile Mittelstädte

Demographietyp 7 - Wirtschaftszentren mit geringerer Dynamik

Demographietyp 8 - Stark alternde Kommunen

Demographietyp 9 - Stark schrumpfende Kommunen mit besonderem Anpassungsdruck 

Methodik

Die Typisierung wurde mit Daten des Wegweisers Kommune auf Grundlage der 2013er Daten durchgeführt. Mit Hilfe der Faktorenanalyse wurden in einem ersten Schritt charakteristische Ausprägungen ausgewählter sozio-ökonomischer und demographischer Indikatoren analysiert und zu  zwei Faktoren – „soziodemographischer Status“ sowie „Urbanität/Wirtschaftsstandort“ – aggregiert. Anschließend wurden mit Hilfe dieser Faktoren und unter Einsatz eines Typisierungsverfahrens rund 3.000 mit mehr als 5.000 Einwohnern zu insgesamt 9 Demographietypen zusammengefasst.

Ziele 

Ziel des Verfahrens ist es, Kommunen so zu Gruppen zusammenzufügen, dass Unterschiede zwischen den Kommunen eines Typs möglichst gering sind, die Unterschiede zwischen den Typen aber möglichst groß.

Die Beschreibung der Handlungsansätze für jeden Typ stellt lediglich einen ersten Orientierungsrahmen für Kommunen dar. Die entstandene Typisierung ersetzt daher nicht die individuelle Betrachtung jeder einzelnen Kommune. Spezifische Strategien müssen vor Ort entwickelt werden.