Straßenszene in Raval, Barcelona
Bertelsmann Stiftung

Schmale Straßen, hohe Häuser, der Himmel ist kaum zu sehen. Raval ist ein Labyrinth, durch das Motorroller knattern und wo bunte Wäschestücke an Balkongeländern flattern. Der kleine Stadtteil liegt im Herzen von Barcelona, in der Mitte der Ciutat Vella, der Altstadt. Seit über einem Jahrhundert ist er mit seinen günstigen Mieten erster Anlaufpunkt für immer neue Gruppen von Einwanderern. Heute ist Raval eng bebaut und dicht besiedelt. Auf rund einem Quadratkilometer leben fast 50.000 Menschen zusammen. Gut die Hälfte stammt aus Ländern außerhalb Europas. 40 unterschiedliche Nationalitäten sind im Stadtteil vertreten. Die größte Gruppe kommt aus Pakistan.

Die Stiftung Tot Raval

In Raval war das Leben nicht immer einfach: Armut, Drogenhandel, Prostitution und schlechte Aufstiegschancen gehörten dazu. Inzwischen bemühen sich zahlreiche Organisationen und Einrichtungen darum, die Teilhabemöglichkeiten der Menschen zu verbessern. Im Jahr 2001 wurde die Stiftung Tot Raval gegründet. Tot Raval ist Katalanisch und bedeutet so viel wie "das ganze Raval" oder "Alle in Raval". Die Stiftung wird von über 60 Organisationen im Stadtteil getragen und hat den Auftrag, deren Arbeit zu koordinieren und zu fördern. Durch ihre vielfältigen Aktivitäten, die unterschiedlichen Akteure und die zahlreichen Maßnahmen ist die Stiftung genauso bunt und dynamisch, wie der Stadtteil, in dem sie aktiv ist.

Tot Raval bringt Menschen zusammen, bietet Räume und Gelegenheiten für Zusammenarbeit, knüpft Netzwerke und fördert so das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen in Raval. Der Stadtteil ist außerdem geprägt von zahlreichen kleinen Geschäften und Unternehmen. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, die Zusammenarbeit der Unternehmer untereinander, aber auch mit Kultureinrichtungen und anderen Initiativen zu fördern.

Gemeinsames Feiern verbindet

Eine interreligiöse Gruppe arbeitet in Raval daran, Vorurteile und Stereotype zwischen den im Stadtteil lebenden Gemeinschaften abzubauen und ihnen kreativ zu begegnen – mit gemeinsamen Festen, durch einen interkulturellen Veranstaltungskalender, aber auch, indem Gebetsplätze in ganz Raval eingerichtet werden. Ziel ist dabei immer, gegenseitiges Verständnis zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu schaffen und so den sozialen Zusammenhalt im Viertel nachhaltig zu stärken.

Ein jährlicher Höhepunkt ist das "Festival de Cultura Raval(s)", das Kulturfestival von Raval. Es entstand vor 15 Jahren aus einem Projekt der Stiftung und lässt seitdem immer wieder aufs Neue den ganzen künstlerischen, musikalischen und kulinarischen Reichtum des Stadtteils lebendig werden. Von interkulturellen Kochabenden, Chorauftritten, Konzerten und Kinovorstellungen über Kunstworkshops, Sportveranstaltungen und Angeboten für Kinder – hier ist für jeden etwas dabei.

Ein Zuhause für alle

Für die Stiftung Tot Raval zählt nicht allein der Erfolg des Festivals, etwa in Form von Besucherzahlen. Vielmehr stärkt schon das gemeinsame Vorbereiten des Festes das Miteinander und ermutigt Menschen dazu, sich auszutauschen und anderen Kulturen näher zu kommen. Nicht selten entstehen aus dieser gemeinsamen Arbeit kulturübergreifende Freundschaften. Genau das und die vielfältigen Beziehungen seiner Bewohner machen Raval zu einem unverwechselbaren Teil der Stadt, in dem Optimismus und Vertrauen in die Nachbarschaft gelebt werden.

Das ebenso simple wie kraftvolle Motto, das dieser dynamischen Atmosphäre Ravals als Triebfeder dient, hat die Stiftung mit dem Namen, den sie sich gegeben hat, auf den Punkt gebracht: Tot Raval – Alle sind Raval! Es spielt nämlich keine Rolle, woher jemand kommt oder zu welchem Gott er betet – in Raval gehören einfach alle dazu.

Recherchen zum Reinhard Mohn Preis 2018: Wie geht es weiter?

„Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten“ ist das Motto unseres Reinhard Mohn Preises 2018. Dazu recherchiert das Projektteam weltweit nach guten Praxisbeispielen. 

Die vielfältigen Infos und Erfahrungen, die das Team bei seinen internationalen Recherchen sammelt, fließen in unterschiedlicher Form in die weitere Projektarbeit ein. In Kürze berichten wir hier von weiteren Beispielen für gutes Zusammenleben in Vielfalt - diesmal aus Belgien und dem Vereinigten Königreich.

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