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Beschleunigte Veränderungsdynamiken in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Umwelt stellen die Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Doch etablierte Steuerungs- und Problemlösungsroutinen scheinen immer weniger geeignet, diese Veränderungen positiv zu gestalten. Megatrends wie die wachsende soziale Ungleichheit, die Digitalisierung der Arbeits- und Lebenswelten oder akut die Flüchtlingssituation in Europa zeigen: Einerseits wird von Unternehmen immer mehr gesellschaftliches Engagement erwartet. Andererseits wird die Problemlösungskompetenz von allen Partnern im Verbund – Staat, Unternehmen und Zivilgesellschaft – immer wichtiger.

Dieser Notwendigkeit kann aber nur entsprochen werden, wenn sich Unternehmen bewusst sind, dass sie über ihr Kerngeschäft hinaus auch das gesellschaftliche Umfeld und die Rahmenbedingungen positiv mitgestalten können. Die folgenden drei Beispiele illustrieren diesen Ansatz.

Neue Standards setzen

Aufgrund der weltweiten Vernetzung der Zulieferketten in der chemischen Industrie sind Produktionsverfahren, die Umwelt- und Sozialstandards berücksichtigen, bislang in der Lieferkette nicht oder nur ungenügend vorhanden gewesen. Darüber hinaus hatte jedes Unternehmen eigene Audit- und Assessmentverfahren für seine global verteilten Zulieferer. Um diesen ineffizienten Status quo zu beheben, schlossen sich 2011 sechs große Chemieunternehmen zur "Together for Sustainability–Initiative" zusammen, um neue auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Audit- und Assessmentverfahren auszuarbeiten und diese einheitlich anzuwenden. Dafür wurden eigens auf die chemische Industrie zugeschnittene Prüfkriterien in den Bereichen Umwelt- und Gesundheitsschutz,  Sicherheit am Arbeitsplatz sowie Arbeits- und Menschenrechte entwickelt. Diese werden nun in einheitlichen und transparenten Auditverfahren auf die Zulieferer angewendet. Die Ergebnisse der Audits stehen den jeweils anderen Mitgliedsunternehmen zur Verfügung. Somit konnten neben Effizienzsteigerungen auch Nachhaltigkeitskriterien für die Zulieferkette einheitlich festgelegt und ein neuer Standard für die chemische Industrie geschaffen werden.

Vielfalt fördern

Der französische Versicherungskonzern AXA hat im Jahr 2004 eine Initiative zur Förderung von Diversität in Unternehmen auf den Weg gebracht. Die Charte de la Diversité ist eine schriftliche Selbstverpflichtung, die von jedem Unternehmen ungeachtet seiner Größe unterzeichnet werden kann. Sie soll der Diskriminierung am Arbeitsplatz entgegenwirken und die Vorteile einer vielfältigen Mitarbeiterschaft für das jeweilige Unternehmen hervorheben. Europaweit gibt es mittlerweile 7.100 Unterzeichner der Charte, die repräsentativ für mehr als 13,6 Millionen Mitarbeiter sind. An diesem Beispiel wird deutlich, wie branchenübergreifende freiwillige Selbstverpflichtungen durch Innovation und Verantwortungsübernahme von Unternehmen entstehen und skaliert werden können. 

Wissenstransfer

Der Softwarekonzern SAP fördert seit 2011 im Rahmen der Initiative"Social Impact Start" Sozialunternehmer durch ein Stipendium. Die meist jungen Leute haben sich zum Ziel gesetzt, gesellschaftliche Herausforderungen unternehmerisch zu bewältigen. Vom Stipendium profitieren sie in vielfältiger Art und Weise: So werden ein Mentoring, Work-Spaces und ein Transfer von Kompetenzen geboten. Seit 2011 wurden mithilfe der SAP-Initiative 120 Sozialunternehmen gegründet und mehr als 500 Arbeitsplätze geschaffen. Die Wirkung dieser neuen Unternehmen lässt sich allerdings nicht an den geschaffenen Arbeitsplätzen messen, sondern über die konkreten Tätigkeiten.

Gestaltung von Rahmenbedingungen

Die Beispiele zeigen: Unternehmen können bei der positiven Gestaltung der Gesellschaft eine große Rolle spielen. Vor allem neue Arten von Partnerschaften zwischen Unternehmen sowie Allianzen mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren bieten erhebliches Innovations- und Lösungspotenzial.

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