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Liz Mohn: „Rund 90% der Unternehmer bekennen sich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung“

Auf Einladung des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der Bertelsmann Stiftung haben sich in Berlin Vertreter mittelständischer Unternehmen und Familienunternehmer getroffen, um über ihre Rolle als Unternehmer, der Verantwortung für die Gesellschaft lebt, zu diskutieren. 

Als Gastgeberin verwies Liz Mohn in ihrer Begrüßung auf eine aktuelle Studie der Bertelmann Stiftung, in der sich fast 90% der Unternehmer zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bekennen. Ebenso stimmen sie, so Mohn, der Aussage zu, dass sie gebraucht würden, um lokale und regionale Herausforderungen zu bewältigen.

Mario Ohoven, Präsident des BVMW hebt hervor, „dass es insbesondere die mittelständisch geprägten und familiengeführten Unternehmen sind, die sich dem Vorbild des „ehrbaren Kaufmanns“ verpflichtet wissen und Verantwortung für die Region und ihr Umfeld leben.“ Den inhaltlichen Impuls für die Diskussion gab Herr Professor Andreas Suchanek vom Dr. Werner Jackstädt–Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensethik Leipzig Graduate School of Management.

In seinem Vortrag verwies Suchanek auf die große Bedeutung von Unternehmensverantwortung. Das Thema sei zwar nicht neu, aber es müsse immer wieder auf die Tagesordnung gehoben werden, damit es die notwendige Wirkung entfaltet. Für ihn steht Unternehmensverantwortung auf drei Säulen: Eigenverantwortung, gesellschaftliche Wertschöpfung und die Nicht-Schädigung Dritter. Nur dann, wenn alle drei Säulen vorhanden sind, kann aus seiner Sicht von verantwortungsvollem Unternehmertum die Rede sein. 

Aus der Sicht von Professor Michael Otto, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Otto Group, tragen Unternehmen selbstverständlich Verantwortung für ihre Mitarbeiter und für die Region, in der sie beheimatet sind. Aber insbesondere geht es um die Produktionsbedingungen, unter denen Produkte gefertigt werden. Hier erhält der Aspekt der Nicht-Schädigung seine besondere Bedeutung. „Man muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachten und Sozial- und Umweltstandards müssen an jeder Stelle der Wertschöpfungskette eingehalten werden, damit es zu keiner Schädigung kommt“, so Otto.

In der weiteren Diskussion wurde von den Teilnehmern die Frage nach der Anerkennung des Engagements von Unternehmern durch die Politik und die Gesellschaft aufgeworfen. Wie auch repräsentative Befragungen zeigen, fehlt es daran häufig, so die Wahrnehmung der Unternehmer. Und nicht zuletzt gehört auch der respektvolle Umgang mit den Mitarbeitern dazu, wenn man über soziale Verantwortung von Unternehmen spricht: Ein Aspekt, der zur Sprache kam: Man sollte Mitarbeiter unterstützen, damit sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren können.

Fazit: Die gesellschaftlichen Herausforderungen sind, nicht zuletzt durch die Globalisierung, komplexer geworden und werden durch Megatrends wie den demografischen Wandel und vor allem durch die Digitalisierung grundlegend beeinflusst.

Alle gesellschaftlichen Akteure sind gefordert, zur Sicherung der Trag- und Leistungsfähigkeit unserer ökonomischen, sozialen und ökologischen Systeme beizutragen – die Politik ebenso wie die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. Unternehmen können und müssen vor diesem Hintergrund bei der Gestaltung einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung eine aktive Rolle übernehmen. 

Im Rahmen der Veranstaltung erhielt Professor Jürgen Flimm (ehem. Intendant der Staatoper, Berlin) von Mario Ohoven die Ehrensenatorenwürde des BVMW verliehen. Die Laudation hielt Liz Mohn, der im vergangenen Jahr ebenfalls diese Ehre zuteil wurde.