Kinder bepflanzen unter Anleitung eines Erwachsenen.
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Sie organisieren die Touren der Spielmobile, begleiten die Arbeit des Jugendzentrums vor Ort oder bringen sich als Helfer beim Abenteuerspielplatz ein: Jedes zweite Angebot in der offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) verlässt sich auf die Unterstützung von freiwillig Engagierten. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Geschäftsstelle Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ), die von uns in Auftrag gegeben worden ist.

Damit sind freiwillige Helfer unverzichtbar für dieses Tätigkeitsfeld, das für Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Mündigkeit von großer Bedeutung ist: Die offene Kinder- und Jugendarbeit mit ihren Angeboten ermöglicht jungen Menschen, ihr Umfeld mitzugestalten und wertvolle Sozialkompetenzen für das Erwachsenwerden weiterzuentwickeln. Besonders für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche bieten die vielfältigen Angebote der OKJA eine große Chance: Indem sie sich gemeinsam mit anderen Kindern und Jugendlichen engagieren, integrieren sie sich in ihr Umfeld. 

Mehr als die Hälfte dieser Angebote und Leistungen wird durch sogenannte freie Träger erbracht, das heißt von gemeinnützigen Vereinen, Gesellschaften (gGmbH), Stiftungen, den Wohlfahrtsverbänden oder Kirchen. Vier von fünf freien Trägern beteiligen dabei in irgendeiner Form freiwillig Engagierte. Das heißt, diese Frauen und Männer übernehmen eine Aufgabe ohne Bezahlung oder für eine geringe Aufwandsentschädigung.

Die Daten für NRW weisen zudem aus, dass im bevölkerungsstärksten Bundesland auf einen hauptamtlich Beschäftigten gar fünf freiwillig Engagierte kommen.

Freiwillige werden bei Entscheidungen nicht berücksichtigt

Die Zahlen zeigen, dass Freiwillige in der offenen Kinder- und Jugendarbeit vielfältige operative Aufgaben übernehmen, sie engagieren sich vor allem in einrichtungsbezogenen Angeboten  – zum Beispiel in Jugendclubs, -treffs oder -zentren. Auf der Steuerungsebene wird die nicht unerhebliche Mitwirkung freiwilliger Helfer bislang jedoch noch kaum berücksichtigt. So ist das Feld der OKJA mit seinen Entscheidungsprozessen und Handlungsweisen bislang auf hauptamtliche Akteure ausgelegt. Das heißt, dass für freiwillig Engagierte zum Beispiel oft wenig transparent ist, inwieweit sie mitentscheiden können.

"Die vielfältigen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland wären ohne die zahlreichen freiwillig Engagierten nicht aufrechtzuhalten", stellt unsere Engagement-Expertin Andrea Walter fest: "In der aktuellen Situation besteht jedoch die Gefahr, dass die freien Träger das hohe geleistete Engagement in diesem Feld für selbstverständlich nehmen." Dass es gelinge, dass Engagierte im Verlauf ihrer Tätigkeit motiviert bleiben, habe im Alltag viel damit zu tun, wie aktiv sie in Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden würden. Daher gelte es zu prüfen, welche Möglichkeiten der Mitwirkung sich für sie böten.

Grafische Darstellung der Feldvermessung Grafische Darstellung der Feldvermessung: Die Grafik können Sie in hoher Auflösung rechts (bzw. in der mobilen Ansicht unten) herunterladen.

Was jetzt zu tun ist für die Verantwortlichen in den Kommunen

  • Rollenverständnisse klären: Hauptamtliche und Freiwillige empfinden ihre Zusammenarbeit vorwiegend dann als gut, wenn für beide Seiten klar ist, wer welche Rolle hat und wer die damit verbundenen Aufgaben übernimmt. Auch Grenzen des freiwilligen Engagements gilt es klar zu kommunizieren, zum Beispiel wenn Tätigkeiten aufgrund von Fragen des Datenschutzes nicht von Engagierten übernommen werden können.
  • Mitgestaltungsmöglichkeiten prüfen: Freiwillige sind besonders dann motiviert, wenn sie Planungs- und Umsetzungsprozesse mitgestalten und bei Entscheidungen, die ihre Tätigkeit betreffen, miteinbezogen werden.

  • Freiwilliges Engagement wertschätzen und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen: Wertschätzung ist die Währung freiwilligen Engagements. Sie drückt sich in der Kultur des Umgangs untereinander aus und auch in den Möglichkeiten, die Freiwillige erhalten, um sich auf ihre Tätigkeit angemessen vorzubereiten beziehungsweise Erlebtes zu reflektieren. Zu solchen Angeboten zählen etwa Fortbildungen oder Beratungsangebote.

Hintergrund zur Studie – Unser Projekt "Synergien vor Ort"

Die Studie ist im Rahmen unseres Projekts "Synergien vor Ort" entstanden. Ausgangspunkt für die Studie war, dass es derzeit an Wissen über die Beiträge der einzelnen Sektoren Staat, Markt, Non-Profit-Sektor und Familie in der offenen Kinder- und Jugendarbeit fehlt. Die Annahme war, dass der Non-Profit-Sektor – und hier insbesondere das freiwillige Engagement – eine weit größere Bedeutung hat, als ihm in Strukturen, Abstimmungsprozessen und in der Wahrnehmung verantwortlicher Akteure gegeben wird. Die Studie trägt existierende Studien und Daten zur offenen Kinder- und Jugendarbeit zusammen und "vermisst" dieses Feld somit erstmalig.