WerkZwei

Ein wesentlicher Grund ist aus Sicht der Initiativen, dass sie Bedingungen für die Antragstellung nicht erfüllen (58%) und folglich keine Aussicht auf Erfolg sehen. So geben die Fördermittelgeber etwa vor, dass Projekte zum Förderzeitpunkt noch nicht begonnen haben dürfen. Wiederkehrende Ausgaben werden nur selten gefördert. Knapp 38 Prozent gaben an, unabhängig bleiben zu wollen. Ein Motiv dafür ist oft, dass Engagierte befürchten, als Lückenfüller für eigentlich staatliche Aufgaben instrumentalisiert zu werden. Als weitere Herausforderungen bei der Antragstellung nannten die Be-fragten den zu hohen zeitlichen Aufwand (70 %), sowie fehlenden Zugang zu Informationen (48 %).

Die Studie zeigt dabei, dass kleine Initiativen ihre Kosten vor allem durch private Spenden abdecken, die 57% ihrer Einnahmequellen ausmachen. Obwohl die Spendenbereitschaft weiterhin als hoch angesehen wird, nehmen viele Initiativen an, dass diese in Zukunft sinken und damit die Finanzierung ihrer Ausgaben erschweren wird. Kosten fallen dabei unter anderem an für Praktische Hilfen, wie Fahrtkosten, direkte Unterstützungsleistungen für die Geflüchteten (17%), für Unterricht (17%) und gemeinschaftliche Aktivitäten.

Damit Fördermittel besser ankommen, schlagen die Autoren der Studie folgende Lösungsansätze vor: 

  • lokale Bedarfe besser zu identifizieren, 
  • die Unabhängigkeit anzuerkennen und geringere Vorgaben für die Vergabe von Fördermitteln anzusetzen, 
  • für die Förderung geringerer Beträge weniger bürokratische Verfahren zu wählen, 
  • die Verfahren insgesamt zu vereinfachen 
  • und Fördermittel auch für bereits laufende Aktivitäten bereitzustellen.

Die Studie „Fördermittel in der Flüchtlingshilfe. Was gebraucht wird – was ankommt“ wurde vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) an der Humboldt-Universität zu Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführt. Dabei sind in vier Bundesländern 34 qualitative Interviews mit Initiativen, Trägern und Fördermittelgebern geführt worden, die durch eine Online-Befragung unter 556 Organisationen ergänzt wurde. Die Erhebung fand zwischen Februar und April 2017 statt.