Zeitrafferaufnahmen von einer Autobahnbrücke auf die Autobahn. Es ist dunkel. Zu sehen sind nur die Scheinwerfer in langen rot und gelben Linien.
Bertelsmann Stiftung

Flexiblere und mobilere Arbeit als Chance für ländliche Räume

Die fortschreitende Digitalisierung sorgt dafür, dass unsere Arbeit immer weniger an einen bestimmten Arbeitsort gebunden ist. Vieles lässt sich auch online erledigen und eine zwingende Präsenz an einem bestimmten Ort geht in immer mehr Bereichen zurück. Vielfältige Formen flexibler und mobiler Arbeit entstehen. Für Kommunen in ländlichen Räumen können sich so ganz neue Chancen und Möglichkeiten ergeben, denn die voranschreitende Digitalisierung verändert hier die Standortfaktoren massiv.

Voraussetzung für attraktive digitale Arbeitsplätze im Grünen ist, dass die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Neben neuen Möglichkeiten, auch auf dem Land mit dem Büro vernetzt zu sein und seine Arbeit zu erledigen, gilt es, auch die Mobilität und Logistik zu stärken. Digital lassen sich etwa Verkehrsmittel des ÖPNV optimieren und bedarfsgerechter gestalten. Intelligente Mobilitätsketten können die Pendler entlasten, mitunter den Individualverkehr reduzieren und den Standort stärken. Besonders profitieren können hier die Gemeinden, die heute "Schlafstädte" sind, also reine Wohnorte für Arbeitnehmer, die in den umliegenden Zentren tätig sind. Um "smarte" Lösungen entwickeln zu können, braucht es aber erst einmal gute Kenntnisse des Status quo in Gemeinde und Region und damit verlässliche Daten.

Das Beispiel Wennigsen

Dies veranschaulicht gut ein Blick auf das Beispiel Wennigsen bei Hannover. Die Gemeinde mit rund 14.000 Einwohnern liegt knapp 20 Kilometer südwestlich der niedersächsischen Landeshauptstadt mitten in der schönen Landschaft des waldreichen Höhenzuges Deister. Die Verkehrsanbindung an Hannover ist dank direkter S-Bahn Verbindung und gut ausgebauter Straßen hervorragend. So verwundert es nicht, dass Wennigsen ein besonders attraktiver Wohnort ist.

Die  vorrangige Funktion der Gemeinde als reiner Wohnort  verdeutlichen auch Daten aus dem Wegweiser Kommune: 4.795 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben Wennigsen als ihren Wohnort angegeben. Von diesen pendeln 4.060 zur Arbeit in andere Gemeinden. 2.492  Beschäftigte arbeiten in Wennigsen selbst, von denen 1.758 aus anderen Gemeinden kommen. Es überwiegt deutlich die Funktion als Wohnstandort, insbesondere für in Hannover Beschäftigte. Auch liegen der Akademikeranteil sowie das verfügbare Haushaltseinkommen in Wennigsen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig stellt die Gemeinde aber einen der kleinsten Arbeitsmarktstandorte in der Region Hannover dar. Die Arbeitsmarktzentralität, also wie viele Arbeitsplätze pro Einwohner zur Verfügung stehen, liegt bei 0,5.

Im Vergleich zu den in der Bundesrepublik durchschnittlich zurückgelegten Strecken fahren die  Pendler in Wennigsen größtenteils über sehr kurze Entfernungen: 85 Prozent pendeln zu Arbeitsplätzen innerhalb der Region Hannover. Die Mehrzahl der Arbeitnehmer fährt dabei in die Landeshauptstadt (18,6 Km) und in die umliegenden Gemeinden Barsinghausen (Entfernung 9,8 Km), Gehrden (6,3 Km), Springe (15,5 Km) und Ronnenberg (9,1 km). Trotz guter ÖPNV-Anbindungen nutzen über 60 Prozent für diese Strecken das Auto.

Nach Wennigsen pendeln 1.758 Arbeitnehmer, die zumeist ebenfalls aus den umliegenden Gemeinden stammen. Nur 694 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte wohnen in Wennigsen und arbeiten auch dort.

Visualisierung

Die animierte Grafik zeigt anschaulich das Verhältnis zwischen Ein- und Auspendlern in Wennigsen und in welch starkem Maß Gemeinden im direkten Umland größerer Zentren auf eine gute Infrastrukturanbindung angewiesen sind. Die Grafik verdeutlicht aber auch, welch enormes Potenzial in neuen Konzepten zu Mobilität und Logistik sowie in der Loslösung der Arbeit von festen Orten liegt.

In Wennigsen wird der Breitbandausbau stark vorangetrieben und schnelles Internet ist sehr gut verfügbar. So bestehen bereits beste Voraussetzungen für die Digitalisierung und um neue Arbeits- und Mobilitätskonzepte zu nutzen. Wennigsen ist hier sehr gut aufgestellt und bereits heute Vorreiter digitaler Projekte. So können etwa Bürger digital das Wohnumfeld mitgestalten. Bürgermeister Christoph Meineke gilt als einer der "digitalen Köpfe" Deutschlands.

Wennigsen ist damit freilich kein typisches Beispiel für den ländlichen Raum, bietet aber hervorragende Ausgangsbedingungen für neue digitale Lösungsansätze. Die Gemeinde ist eine Modellgemeine der 11. Initiative des Co:Lab, die sich unter dem Thema "#DigitaleRegion" mit Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation für den außerstädtischen Raum befasst und zu deren Expertennetzwerk auch die Bertelsmann Stiftung zählt.

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