Eine Kita-Leiterin sitzt an ihrem Schreibtisch und telefoniert.
Jan Voth

Mehr Plätze, längere Öffnungszeiten und höhere pädagogische Qualität – die Erwartungen an Kindertageseinrichtungen (KiTas) wachsen bundesweit. Das fordert die Leitungskräfte in allen KiTas. Doch wie viel Arbeitszeit für Leitungsaufgaben überhaupt vorhanden ist, unterscheidet sich im Bundesländervergleich erheblich. In Bremen haben 32 Prozent der KiTas überhaupt keine Zeitkontingente für Leitungsaufgaben. In Sachsen-Anhalt ist das nur bei 2 Prozent der KiTas der Fall.

Die Grafik zeigt, wie hoch in den einzelnen Bundesländern der Anteil jener KiTas ausfällt, in denen keine Arbeitszeit für Leitungsaufgaben eingeplant ist. In Bremen ist der Anteil der KiTas, in denen keine Arbeitszeit für Leitungsaufgaben eingeplant ist, besonders hoch.

Keine geregelte Zeit für Leitungsaufgaben ist nicht nur ein Problem kleiner KiTas. Über 10 Prozent der mittelgroßen KiTas (8 bis 12 pädagogische Fachkräfte) müssen ohne finanzierte Personalressourcen für die Einrichtungsleitung auskommen. Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern: In Hessen arbeiten über 21 Prozent der mittelgroßen KiTas ohne vertraglich festgelegte Leitungsressourcen, in Thüringen ist es nur 1 Prozent.

Einerseits sind die Rahmenbedingungen für das Leiten deutscher KiTas von Land zu Land sehr unterschiedlich, andererseits steigen bundesweit die Anforderungen seit Jahren. „Leitungskräfte in KiTas sind verantwortlich für die pädagogische Qualität, aber auch für Personal, Budget und Öffentlichkeitsarbeit. Führung ist nötig und braucht Zeit. KiTa-Leitungskräfte haben für Führungsaufgaben zu wenig Zeit“, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Arbeitsbedingungen für Führungsaufgaben sind regional sehr unterschiedlich

KiTas, die über Personalressourcen für Leitungsaufgaben verfügen, sind von Land zu Land sehr unterschiedlich ausgestattet: In etwas mehr als der Hälfte dieser KiTas (54 Prozent) sind die Leitungskräfte auch als pädagogische Fachkraft tätig. In 37 Prozent der KiTas mit Personalressourcen für die Leitung arbeiten die Leitungskräfte ausschließlich in dieser Funktion. In 9 Prozent der Einrichtungen gibt es ein Leitungsteam, mindestens 2 Personen haben also einen Leitungsanteil oder führen ausschließlich.

Die Grafik zeigt, wie viele Stunden im Durchschnitt die Kita-Leitungen in den einzelnen Bundesländern für ihre Leitungsaufgaben zur Verfügung haben. In Bayern haben die KiTa-Leitungen durchschnittlich die wenigste Zeit für ihre Leitungsaufgaben zur Verfügung.

Im bundesweiten Durchschnitt verfügen KiTa-Leitungen über 2 Wochenstunden pro KiTa-Beschäftigte für die Aufgaben als Leitungskraft. Diese zeitlichen Ressourcen variieren zwischen den Bundesländern sehr stark: Während den Leitungskräften in Bayern nur 1,3 Wochenstunden pro tätiger Person in der KiTa für die Führungsarbeit zur Verfügung stehen, gibt es dafür in Hamburg deutlich mehr Kapazitäten (3,3 Wochenstunden).

Leitungskräfte spüren Belastung

Die aktuelle Studie zu Arbeitssituation und Erfahrungen von KiTa-Leitungskräften belegt deren hohe Belastungen in allen Bundesländern. Die Aufgaben- und Anforderungsprofile der Leitungen sind oftmals unbestimmt und damit Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in der einzelnen KiTa nicht geklärt. Die bundesweite Befragung führten Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann von der Alice Salomon Hochschule Berlin zusammen mit Katharina Nicolai und Luisa Köhler im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durch.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Leitungskräfte sich permanent als Verwalterinnen des Mangels erleben. Sie arbeiten im Spannungsfeld zwischen ungenügenden strukturellen Rahmenbedingungen und steigendem Aufgabenspektrum. Aussagen der KiTa-Leiterinnen belegen, dass diese Zerrissenheit stärker wirkt, wenn unterstützende Strukturen insbesondere von KiTa-Trägern, wie beispielsweise Coaching und klare Stellenprofile, fehlen.

Die Studie zeigt, dass die Kernaufgaben der KiTa-Leitungen klarer definiert werden müssen. Auf dieser Basis können die nötigen Zeitkontingente für Führungsaufgaben bestimmt werden, um daraus bundeseinheitliche Standards ableiten zu können. Daraus ergäben sich auch klare Anforderungen für die Aus- und Weiterbildung von KiTa-Leitungen.

Die enormen Unterschiede bei den strukturellen KiTa-Rahmenbedingungen machen deutlich, dass bundesweit geltende Standards immer dringlicher werden.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Im Rahmen der Schwerpunktreihe "KiTa-Leitung" im Projekt Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme werden Grundlagen für die politische Ausgestaltung der finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen für Leitungskräfte in KiTas geschaffen. Diese können als Basis für eine Formulierung bundeseinheitlicher Standards für eine angemessene (Arbeitszeit-)Ausstattung von KiTa-Leitungen genutzt werden.