Eine junge Frau mit zwei Kindern auf dem Spielplatz
Jan Voth

Kinder sind an der Gestaltung ihrer Welt und der Interaktion mit Erwachsenen aktiv beteiligt. Ihre Perspektiven, Orientierungen und Handlungsweisen auch in die Qualitätsentwicklung von Kindertageseinrichtungen einzubeziehen, knüpft an dieses ressourcenorientierte Bild vom Kind an.

Immer mehr Einrichtungen und Träger entscheiden sich dafür, Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention und § 8 Abs. 1 im SGBVIII konsequent umzusetzen und Kinder als gleichwürdige Akteure an der Qualitätsentwicklung von KiTas zu beteiligen.

Wie aber kann es gelingen, die Perspektiven und Relevanzen von Kindern systematisch nachzuvollziehen, sichtbar bzw. hörbar zu machen und in Qualitätsentwicklungsprozesse einzuspeisen?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich im Auftrag der Bertelsmann Stiftung das Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI) in dem Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekt "Kinder als Akteure der Qualitätsentwicklung in KiTas". Durchgeführt wird das Projekt von Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann (wissenschaftliche Leitung) und ihren wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen, Bastian Walther und Elena Bakels.

Das zweijährige Projekt umfasst drei Arbeitsstränge, deren methodisches Fundament im Sinne eines rekonstruktiven Vorgehens die Dokumentarische Methode bildet. Der mit der Methode verbundene Forscherblick ermöglicht, sprachliche Äußerungen, Handlungs- und Interaktionspraktiken sowie Bilder von Kindern auf die sich in ihnen dokumentierenden Relevanzen und ihren impliziten Sinn zu befragen. Die Fachkräfte werden in dieser Forschungshaltung und damit verbunden in der Reflexion der eigenen beruflichen Praxis geschult.

Das Projekt gliedert sich in drei Arbeitsstränge.

Der Forschungs- und Methodenentwicklungsteil knüpft an die Ergebnisse der QuaKi Studie an, die im Auftrag der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann durchgeführt wurde.
Die in der QuaKi-Studie entwickelten Qualitätsdimensionen aus Kindersicht werden in unserem Projekt durch eine Vergrößerung der Stichprobe überprüft, ausdifferenziert und erweitert.

Zudem werden im Forschungs- und Methodenentwicklungsteil "methodische Schlüssel" zur

  • Erhebung,
  • Auswertung,
  • Dokumentation der Kinderperspektiven und
  • deren Einbeziehung in Teamreflexions- und Qualitätsentwicklungsprozessen entwickelt.

Im zweiten Arbeitsstrang des Projektes wird die zertifizierungsfähige Weiterbildung "Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln: Fachkraft für Kinderperspektiven" entwickelt und in zwei Weiterbildungszyklen erprobt.

Mit der Weiterbildung werden insgesamt 32 pädagogische Fachkräfte dazu befähigt, Kinderperspektiven kontinuierlich im KiTa-Alltag zu erheben, zu analysieren und zu dokumentieren sowie Reflexionsprozesse im Team und mit Eltern anzuregen. Geschult werden die Fachkräfte nicht nur in ihrem methodischen Können und ihrem professionellen Selbstverständnis, sondern auch im Ansatz einer interperspektivischen Qualitätsentwicklung, die alle Beteiligten – ob Kinder, Fachkräfte, Eltern oder Trägervertreter*innen – in den KiTa-Qualitätsentwicklungsprozess einbezieht.

Nach Abschluss der sechs Weiterbildungstage werden die Fachkräfte vom wissenschaftlichen Projektteam sowohl telefonisch als auch direkt in der KiTa beraten. Die Beratungseinheiten sollen sicherstellen, dass die in der Weiterbildung bearbeiteten Inhalte und Methoden ihren Weg in die KiTa-Praxis finden.
Auf einem verpflichtenden Abschlusscolloquium werden die weitergebildeten Fachkräfte ihre Praxiserfahrungen und -entwicklungen vorstellen.

Weitere Informationen zur Weiterbildung finden Sie in unserem Blog.

Im dritten Arbeitsstrang wird der Verlauf des zweiten Projektteils (Weiterbildung und Beratung) prozessbegleitend evaluiert.

So werden sowohl mit den weitergebildeten Fachkräften, als auch mit den KiTa-Teams, Eltern und Kindern Gruppendiskussionen geführt. Darüber hinaus wird die Dokumentationspraxis der Fachkräfte in den KiTas erfasst und jede Weiterbildungseinheit mit einem standardisierten Fragebogen evaluiert.

Die Evaluationsergebnisse dienen zum einen dazu, die Wirkung der Weiterbildung auf der Fachkraft-, Team-, Eltern- und Kinderebene darzustellen. Zum anderen werden die Ergebnisse zur Weiterentwicklung des erarbeiteten Weiterbildungscurriculums "Mit Kindern KiTa-Qualität entwickeln: Fachkraft für Kinderperspektiven" genutzt.

Über die Forschungsergebnisse und Praxismaterialien, die im Verlauf der Projektlaufzeit entstehen, werden Sie auf dieser Seite informiert.