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Ein Steuerungsinstrument für die Leitungsebene

Die Gestaltung der Hilfen zur Erziehung ist insbesondere seit 2011 ein wichtiges Thema in allen kommunalen Debatten. Die stetig steigenden Kosten auf inzwischen 8,1 Milliarden Euro im Jahr (Stand 2014, akj stat) stellen die fachlichen Akteure vor große Herausforderungen. Was verursacht den steigenden Hilfebedarf? Wie sieht die richtige Unterstützung aus, um gelingendes Aufwachsen zu fördern?

Seit Bekanntwerden des tragischen Schicksals von Kevin im Jahr 2006 ist das (öffentliche) Bewusstsein für das Thema Kindeswohlgefährdung deutlich gestiegen. Mehr Hilfe wird Kindern und Familien nun proaktiv zur Verfügung gestellt. Doch viele andere Fragen zu den Ursachen des steigenden Bedarfs zur erzieherischen Unterstützung sind nicht eindeutig zu beantworten. Ein einflussnehmender Faktor ist Armut. Der Bedarf nach erzieherischer Unterstützung geht oft mit materieller Armut aber auch Bildungsarmut einher. Gesamtgesellschaftlich lässt sich mehr Instabilität konstatieren, wie der 14. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung zeigt. Auch hier ist die Jugendhilfe zunehmend gefordert, entstehende Lücken in den Themenfeldern Bindung, Beziehung und Erziehung zu füllen.

In den Kommunen selbst zeigen sich große Unterschiede bei der Entwicklung der Fallzahlen in den Hilfen zur Erziehung. Das kann zum Teil über die sozio-ökonomische Lage begründet werden, aber nicht umfassend.

Vor diesem Hintergrund befasst sich die Bertelsmann Stiftung in der zweiten Phase von „kein Kind zurücklassen“ mit der kommunalen Steuerung der Hilfen zur Erziehung. Grundlage dieses Moduls ist die Erprobung der Strategiekarte Hilfen zur Erziehung, kurz HzE-Strategiekarte, mit acht Pilotkommunen.

Ziele der Strategiekarte

 1. Das Jugendamt erhält belastbare Informationen zur Zusammensetzung der örtlichen HzE und zur Qualität der Hilfe im Einzelfall. Die HzE-Strategiekarte unterstützt Reflexion und Planung, ermöglicht einen evidenzbasierten und qualitätsorientierten Dialog mit den (freien) Trägern und öffnet den Blick für sozialräumliche Bedarfe.

2. Verwaltungsvorstand, politische Ebene aber auch der Jugendhilfeausschuss einer Kommune können sich auf Basis von Strategiecheck und aggregierter Information einen Überblick über Entwicklung und Struktur der örtlichen HzE verschaffen und strategisch fundierte Entscheidungen treffen.

3.    Die Auswertung der kommunalen Daten aus den Pilotkommunen liefert Hinweise auf Optimierungsbedarfe bei der zentralen Bereitstellung und Aufbereitung der Daten zu den Hilfen zur Erziehung. Diese Informationen werden zusammengefasst und adressatengenau kommuniziert.   

Pilotkommunen

Augsburg, Gelsenkirchen, Hamm, Ingolstadt, Ludwigshafen, Magdeburg, Moers, Osnabrück.

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