Ein Paar verschlissene Kinderschuhe als Symbol für Kinderarmut.

Armut ist meist keine Episode

Für mehr als die Hälfte der Kinder ist Armut keine Episode in ihrem Leben, sondern ein anhaltender Normal- und Dauerzustand.  Arme Kinder sind bei der Einschulung häufiger auffällig in ihrer Visuomotorik, also der Koordination von Auge und Hand, und der Körperkoordination, sie können sich schlechter konzentrieren, sprechen schlechter Deutsch und können schlechter zählen als nicht-armutsgefährdete Kinder.  Diese und weitere Folgen von Armut auf die Entwicklung von Kindern werden im vorliegenden Bericht aufgezeigt.

Nur wenige arme Kinder werden von präventiven Angeboten, wie zum Beispiel Früherkennungsuntersuchungen, einem frühen Kita-Beginn, Sport im Verein oder musischer Bildung, erreicht. Darüber hinaus wachsen arme Kinder häufig in einer Umgebung mit hoher Armutskonzentration auf. Oft gehen sie in sozial segregierte Kitas und wohnen in sozial segregierten Quartieren. Dies verstärkt den negativen Einfluss individueller Armut auf die Entwicklung von Kindern zusätzlich.

Dauer des SGB II-Leistungsbezugs von 6 und 7-Jährigen

Mehr Prävention in armen Quartieren

Dennoch ist ein Umsteuern möglich. Im Bericht werden mehrere Ansatzpunkte für präventives Handeln aufgezeigt. Der erste Ansatzpunkt ist eine Sport-Förderung. Der leichtere Zugang zum Sport hilft, frühkindliche Entwicklung und Sprachkompetenz zu verbessern. Der zweite Ansatzpunkt ist die Kita. Sowohl der frühe Besuch einer Kita und die besondere Förderung in der Kita wirken positiv auf die Entwicklung von Kindern.

Es wird gezeigt, dass die bessere Ressourcenausstattung von "sozialen Brennpunkt-Kitas" positiv auf die Entwicklung von Kindern wirkt und in Familienzentren arme Kinder über deutlich bessere Sprachkompetenzen verfügen. Darüber hinaus lassen sich mit Auswertungen der Schuleingangsuntersuchung Kitas und Schulen identifizieren, in denen Kinder mit Förderbedarf überproportional vertreten sind und die deshalb besonderer Förderung bedürfen. Solche Analysen können ein Umsteuern auf Ebene der Kommunen möglich machen. Alle Befunde unterstreichen die Notwendigkeit einer vom Kind her gedachten vernetzten Präventionsstrategie, die das Kind und seine dauerhafte Umgebung ganzheitlich in den Blick nimmt.

"Kitas in sozialen Brennpunkten brauchen mehr Geld, mehr Personal und andere Förderangebote."

Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Die Studie können Sie sich unten als PDF-Datei herunterladen.

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