Geldstapel
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Für verschiedene Musterhaushalte wurde die Höhe der sogenannten effektiven Grenzbelastung untersucht. Dieser Wert gibt an, welcher Anteil eines zusätzlich verdienten Euros, aufgrund von Beiträgen zur Sozialversicherung, Einkommensteuern oder durch den Entzug von Sozialleistungen, wie Wohngeld oder Kinderzuschlag, wieder abgegeben werden müsste. Darauf aufbauend wurden Reformszenarien analysiert, die das Steuer-, Abgaben- und Transfersystem zum einen anreizkompatibler gestalten und zum anderen einen Beitrag zu inklusivem Wachstum leisten sollen.

Das Hauptergebnis der Studie: Im Gegensatz zum Grenzsteuersatz der Einkommensteuer verläuft die effektive Grenzbelastung nicht progressiv. Dadurch werden Mehrarbeit und Lohnzuwächse bei höheren Einkommen tendenziell weniger belastet als bei niedrigen. Laut Studienautoren müssen Reformen sicherstellen, dass diese Fehlanreize abgebaut werden. Dazu muss das Gesamtsystem aus Einkommensteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen besser aufeinander abgestimmt werden.

Eine konstante Transferentzugsrate von 60 Prozent auf Arbeitslosengeld II, Kinderzuschlag und Wohngeld könnte zu positiven Beschäftigungseffekten und weniger Einkommensungleichheit führen. Die Umstellung des Ehegattensplittings auf ein Realsplitting würde diese positiven Effekte verstärken. Die häufig geforderte Abschaffung des „Mittelstandsbauches“ ist aus Sicht der Autoren hingegen nur bedingt geeignet, da von der Entlastung insbesondere hohe Einkommen profitieren würden. Mit knapp 38 Milliarden Euro würde eine solche Reform zudem erhebliche Einnahmeverluste für die öffentlichen Haushalte bedeuten.