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Ogando/laif

Durch die gestiegene Zahl an Flüchtlingen aus muslimisch geprägten Ländern seit dem Sommer 2015 sind gesellschaftliche Konflikte mit Bezug zum Islam sichtbarer geworden. Dabei wird häufig übersehen, welchen Beitrag muslimische Gemeinden zu unserem Zusammenleben leisten. Zahlreiche muslimische Gemeinden engagieren sich in der Flüchtlingshilfe und tragen damit zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland bei. Dieses ehrenamtliche Engagement ist von herausragender Bedeutung, um Flüchtlingen den Aufbau von sozialen Beziehungen und Freundschaften zu ermöglichen.

Muslime sind besonders engagiert

Die Ende März erschienene Publikation "Engagement für Geflüchtete – eine Sache des Glaubens?" des Religionsmonitors 2017 der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass sich Muslime in Deutschland noch stärker in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe einbringen als Mitglieder anderer Konfessionen oder Atheisten. Die Analysen verdeutlichen auch, dass die große Mehrheit der Muslime eine offene Haltung gegenüber anderen Religionen zeigt. Mit ihren kulturellen Kompetenzen und durch ihre Integrationserfahrungen sind Muslime wichtige Brückenbauer in unsere Gesellschaft.

Den muslimischen Gemeinden kommt deshalb eine bedeutsame Rolle zu: Erstens können sie insbesondere muslimischen Flüchtlingen eine vertraute Umgebung in der Fremde bieten, weshalb sie auch häufig aufgesucht werden. Zweitens verfügen die Akteure über Integrationserfahrungen, die sie an die Neuangekommenen weiter geben können.

Notwendige Maßnahmen für die Zukunft

Wie sie sich für Flüchtlinge engagieren und welchen Beitrag sie damit zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts leisten, zeigen exemplarisch die zehn Beispiele guter Praxis in der Broschüre "Hilfsbereite Partner".  Damit möchten wir auch das Engagement der muslimischen Gemeinden und deren Beitrag zu einem gelingenden Zusammenleben in Vielfalt sichtbarer machen.  Die Praxisbeispiele zeigen aber auch, wo es zusätzlicher Maßnahmen bedarf. Diese haben wir in fünf Handlungsfeldern benannt:

1. Kooperationen mit anderen Migrantenorganisationen, freien Trägern der Wohlfahrtspflege und weiteren Akteuren, insbesondere auf der kommunalen Ebene und aus Kirchengemeinden, sind erforderlich. Es ist noch ein weiter Weg, bis eine flächendeckende Kooperationslandschaft entsteht.

2. Der Aufbau von hauptamtlichen Strukturen in muslimischen Gemeinden ist notwendig, um den Anforderungen gerecht werden zu können. Es mangelt vielerorts an personellen Ressourcen, da die Aktivitäten weitgehend auf ehrenamtlicher Arbeit basieren.

3. Mehr Sensibilität im Umgang mit den Schwierigkeiten, unter denen die Hilfe für Flüchtlinge geleistet wird, ist entscheidend. Diese werden häufig durch potenzielle Kooperationspartner noch zu wenig berücksichtigt.

4. Antragstellungen für öffentliche Fördergelder sollten deutlich ausgebaut werden. Allerdings müssen auch zusätzliche Programme aufgesetzt werden, die gezielt Fördermöglichkeiten für muslimische Gemeinden bereitstellen. Erste Schritte in diese Richtung sind unter anderem mit der Förderung von Projekten zur Hilfe für Flüchtlinge durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gemacht.

5. Muslimische Gemeinden, die Hilfe für Flüchtlinge anbieten und damit einen Beitrag zur Wohlfahrtspflege leisten, sollten sich untereinander stärker vernetzen. Dies ist hilfreich, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen sowie das Handeln zu verstetigen.

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