Die Vielfalt in deutschen Klassenzimmern stellt Lehrkräfte und Schulen vor große Herausforderungen. Der Ausbau von qualitativ hochwertigen Ganztagsschulen spielt eine zentrale Rolle, um einer zunehmend heterogenen Schülerschaft faire Bildungschancen zu bieten und die Leistungsfähigkeit des Schulsystems zu steigern. Die Bertelsmann Stiftung begleitet den vor einigen Jahren begonnenen Ausbau mit Studien zum aktuellen Ausbaustand, zu geeigneten Modellen der Ganztagsorganisation und zu den Wirkungen und Kosten dieser Schulform.

Trotz aller Anstrengungen kommt der quantitative Ausbau der Ganztagsschulen nur im Schneckentempo voran. Zwar hat sich der Anteil der Ganztagsschüler in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Dennoch gehen mehr als die Hälfte aller Kinder, deren Eltern sich einen Ganztagsplatz für ihr Schulkind wünschen, nach wie vor leer aus.

Im Zuge der Ausweitung des Ganztagsschulangebots ist seit Anfang der 2000er Jahre eine sehr unübersichtliche „Ganztagsschullandschaft“ entstanden. Dabei wurde der überwiegende Teil der vorhandenen Mittel zum Ausbau offener Formen der Ganztagsschulen eingesetzt. Voll gebundene Ganztagsschulen sind teurer, bieten aber prinzipiell bessere Bedingungen für eine individuelle Förderung, wie eine Studie des Deutschen Jugendinstituts für die Bertelsmann Stiftung belegt.

Ein verlässliches Ganztagsangebot hat das Potenzial, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern und unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung
Ganztagsschülerinnen beim Mittagessen Guter Ganztag ist mehr als ein warmes Mittagessen und längere Betreuungszeiten an drei Schultagen in der Woche

Damit künftig alle Kinder und Jugendlichen von einem qualitativ hochwertigen Ganztagsangebot profitieren können, muss das System flächendeckend ausgebaut werden. Das ist auch finanziell eine Herausforderung. Der deutschlandweite Betrieb von gebundenen Ganztagsschulen kostet einer Schätzung der Bertelsmann Stiftung zufolge bis zu zehn Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr.