Bst_L2A9144.jpg
Veit Mette

Vorab: Was ist Ihnen und Ihrem Kind wichtig?
Bevor Sie sich um Einzelheiten kümmern, überlegen Sie, auch gemeinsam mit Ihrem Kind, was Ihnen jeweils wichtig ist, z.B.:

  • Wie soll Ihr Kind zur Schule kommen? Zu Fuß, mit dem Rad, alleine, zusammen mit anderen, im Auto, oder kommt ein öffentliches Verkehrsmittel in Frage?
  • Wo gehen die Freunde Ihres Kindes hin? Wie wichtig ist das für Ihr Kind?
  • Welche Angebote braucht Ihr Kind außerhalb des Unterrichts (verlässliche Betreuung vor bzw. nach dem Unterricht; Mittagessen, Freizeit- und Bildungsangebote)? Bietet die Schule das an?
  • Was ist Ihrem Kind wichtig? Z.B.: Bewegt es sich gerne und hätte gerne ein großes Außengelände? Braucht es eher Ruhe und Geborgenheit oder viel Aktivität? Wie beschäftigt es sich am liebsten, alleine oder in der Gruppe? Wie geht es mit neuen Situationen um? Sucht es sich gerne selber aus, was es tun will, oder schätzt es klare Ansagen?

Je besser Sie und Ihr Kind einschätzen können, was ihm besonders hilft, gut zu lernen und sich dabei wohlzufühlen, umso besser können Sie gemeinsam entscheiden, welche Schule gut für Ihr Kind ist. Verwechseln Sie dabei nicht Ihre eigenen Vorstellungen mit denen Ihres Kindes – das kann sich durchaus unterscheiden.

Was sind Ihre ersten Eindrücke von der Schule?
Schon bevor Sie sich eine Schule genauer ansehen, können Sie sich erste Eindrücke verschaffen:
Schauen Sie, ob die Schule eine Website hat. Wenn ja:

  • Wie gefällt sie Ihnen?
  • Bekommen Sie ein gutes Bild von der Schule und von denen, die dort arbeiten?
  • Sind die Informationen auf aktuellem Stand?
  • Enthält die Seite Antworten auf Ihre Fragen? Die Gedanken, die Sie sich zuvor darüber gemacht haben, was Ihnen und Ihrem Kind wichtig ist, können Ihnen dabei als Leitfaden dienen.

Wenn Sie denken, eine Schule könnte für Ihr Kind in Frage kommen
Schauen Sie sich die Schule an. Sammeln Sie dazu einige Eindrücke, z.B. bei einem Rundgang über das Schulgelände – am besten melden Sie sich vorher im Schulsekretariat an oder gehen Sie zu einem „Tag der offenen Tür“, den die meisten Schulen regelmäßig anbieten. Finden Sie Gebäude und Gelände einladend?

  • Haben Sie das Gefühl, dass die Atmosphäre an der Schule offen und freundlich ist?
  • Wenn Sie in der Pause über den Schulhof gehen – wie fühlt sich das an?
  • Wenn Sie Streitigkeiten beobachten – wie werden sie geklärt?
  • Wenn Sie Schüler, Lehrer und Erzieher beobachten – wie gehen sie miteinander um? Ist der Umgangston freundlich, höflich, respektvoll?
  • Wenn Sie Fragen stellen – z.B. an Lehrer und Schulleiter – bekommen Sie Antworten, die Ihnen helfen? Wie ernst werden Ihre Fragen genommen?
  • Bekommen Sie im Gebäude einen Eindruck davon, was Schüler geleistet haben, z.B. durch Schülerarbeiten, die ausgestellt oder aufgehängt sind. Falls es solche Ausstellungen gibt: Wie aktuell sind sie?
  • Wie gefallen Ihnen Gebäude und Gelände? Gibt es genügend Raum für verschiedene Aktivitäten und Phasen – also z.B. ruhigere Bereiche und welche, in denen Bewegung und Action möglich sind? Denken Sie dabei daran: eine gute Ausstattung bedeutet noch nicht, dass die Schule gut ist, und guter Unterricht kann auch in einem Gebäude stattfinden, das schöner sein könnte.

Am „Tag der offenen Tür“ erhalten Sie einen guten ersten Überblick über das, was die Schule ausmacht. Fragen Sie außerdem in der Schule nach, ob Sie sich – eventuell auch gemeinsam mit Ihrem Kind – den Unterricht anschauen können, denn hier können Sie den eigentlichen Schulalltag erleben.

Manchmal mag ein Unterrichtsbesuch aus organisatorischen Gründen nicht gehen. Aber schon daran, wie Schulleiter oder Lehrer auf die Frage reagieren, können Sie eine Menge erkennen: Wie offen sind sie? Oder haben sie Angst davor, jemanden zusehen zu lassen?
Wenn Sie den Unterricht anschauen dürfen: Bitten Sie darum, möglichst verschiedene Klassen und Lehrer beobachten zu dürfen, um einen guten Einblick in die Schule zu bekommen. Suchen Sie Kontakt mit Eltern, deren Kinder die Schule besuchen, und mit Schülern selbst. Fragen Sie sie nach ihren Erfahrungen und Einschätzungen. Wenn möglich: Holen Sie verschiedene Meinungen ein. Verschiedene Menschen beurteilen dieselbe Situation – und z.B. auch dieselben Lehrer – oft unterschiedlich.

Welche Fragen sollten Sie stellen, um zu erfahren, ob eine Schule gut ist?
Die nachfolgenden Fragen können Sie als Anregung benutzen, um mit Schulleitung, Lehrkräften und auch Schülern ins Gespräch zu kommen. Wenn Sie dazu noch Genaueres wissen wollen, finden Sie im Anhang kurze Erläuterungen, welche Gedanken und Ideen hinter diesen Fragen stehen.

  • Können sie in ihrem eigenen Tempo lernen?
  • Achten die Lehrer darauf, wo die einzelnen Kinder stehen, was ihre Stärken sind, wo sie noch mehr Unterstützung benötigen, oder wo sie sich mehr anstrengen müssen?
  • Wie lernen die Kinder, sich selbst einzuschätzen?
  • Welche Rückmeldungen bekommen sie für ihre Leistungen?
  • Gibt es Zeiten, in denen die Kinder selbständig lernen, alleine oder in Gruppen? Wie sind diese Zeiten organisiert?

  • Gibt es gemeinsame Konzepte und Materialien für den Unterricht, auf den sich alle Lehrkräfte (z.B. eines Jahrgangs oder Fachs) geeinigt haben? Welche sind das?
  • Wie tauschen sich die Lehrkräfte über geeignete Materialien und Methoden aus?
  • Wie sorgen Lehrkräfte dafür, dass Kinder die Unterstützung und Anregung bekommen, die sie brauchen?
  • Wie sprechen sich die Lehrkräfte mit den weiteren in der Schule Tätigen ab? Verstehen sie sich als ein Team?
  • Bilden sie sich gemeinsam fort?

  • Was lernen Schüler neben Mathe, Deutsch und Englisch noch? Macht die Schule die Kinder auch zu starken Persönlichkeiten?
  • Welche Rolle spielen gemeinsame Erfahrungen und der bewusste Umgang mit Werten, Unterschiedlichkeiten, Streit und Schwierigkeiten?
  • Was tut die Schule, damit Schüler die Grundlagen von Demokratie und Mitbestimmung lernen und anwenden (z.B. Schülerparlament, Klassenrat)?
  • Wie geht die Schule mit besonderen Problemen um (wie z.B. Gewalterfahrungen, Suchtproblemen, Essstörungen)?
  • Wenn die Schule ein ausgewiesenes (inklusives, musisches, naturwissen-schaftliches, sportliches…) Profil hat, was bedeutet das für die Schüler?

  • Wie ist der Ganztag organisiert (freiwillige Teilnahme am Ganztag/Hort; verbindlicher Ganztag, etc.)?
  • Welche Angebote neben dem Unterricht gibt es aktuell?
  • Werden die Hausaufgaben immer im Rahmen des Ganztags erledigt, so dass
    Ihr Kind frei hat, wenn die Schule aus ist?
  • Sind auch Lehrkräfte in der Gestaltung außerunterrichtlicher Angebote aktiv?
  • Wie gut schätzen Lehrer und Erzieher die Zusammenarbeit ein?
  • Wenn die außerunterrichtlichen Angebote durch einen anderen Träger als die Schule organisiert werden:  Wie funktioniert die Zusammenarbeit hier?

  • Fühlen Sie sich als Eltern als Experten für Ihr Kind ernst genommen?
  • Wie beziehen die Lehrkräfte Sie als Eltern in die Lernentwicklung Ihres Kindes
    mit ein?



  • Wie geht die Schule – wenn es so etwas in Ihrem Bundesland gibt – mit Inspektionsberichten oder Evaluationen um?
  • Wie sind die Ergebnisse aus Lernstandserhebungen der letzten Jahre, und
    wie ist die Schule damit umgegangen?
  • Wie arbeitet die Schule mit Einrichtungen zusammen, aus denen die Kinder kommen und an die sie Kinder abgibt?
  • Inwieweit versteht sich Schule als Teil des Stadtteils oder der Gegend, in
    der sie liegt?

 

 

Insgesamt gilt: Eine gute Schule ist eine, in die Ihr Kind (meistens) gerne geht, die ihm die Lust am Lernen erhält und in der es sich als Mensch ernstgenommen fühlt und sich weiterentwickeln kann.

Bei der Auswahl der richtigen Schule für Ihr Kind wünschen wir Ihnen viel Erfolg!

 Ihr „In Vielfalt besser lernen“-Team

PS: Den vollständigen Leitfaden mit weiteren Erläuterungen finden Sie in der rechten Randspalte als pdf-Datei zum Herunterladen.