Drei Geschäftsleute, eine junge Frau, ein junger Mann und ein älterer Herr unterhalten sich auf dem Aussichtsbalkon eines Konzerngebäudes
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Der demographische Wandel setzt sich fort. Doch anders als viele Jahre diskutiert und erwartet. Manche der Modellrechnungen und Annahmen früherer Jahre sind in der Realität nur teilweise eingetreten. Höhere Geburtenraten und eine wachsende Zahl an Zuwanderern etwa haben den Bevölkerungsrückgang in Deutschland vorerst eingedämmt. Gleichzeitig wächst die Lebenserwartung ungebremst weiter und setzt sich die Alterung der Bevölkerung fort. Auch viele der schon länger erkennbaren Folgen werden jetzt in wenigen Jahren ihre volle Dynamik entfalten. Dazu gehört der starke Rückgang der Erwerbsbevölkerung oder eine steigende Belastung für die sozialen Sicherungssysteme und Staatsfinanzen.

In den zurückliegenden Jahren sind manche Reformen auf den Weg gebracht worden, um sich auf die Veränderungen einzustellen. Doch viele Antworten - etwa bei den Themen Fachkräftemangel, Pflege oder Rente - stehen weiterhin aus. Die anhaltende ökonomische Hochphase in Deutschland überdeckt gegenwärtig die strukturellen Gefahren. So verführen die aktuellen Daten dazu, weitere notwendige Reformen zu vertagen.  An die Stelle eines überzogenen Alarmismus zur Jahrtausendwende ist jetzt zuweilen Sorglosigkeit getreten.  

Auch wenn das Thema weniger Schlagzeilen erzeugt als früher, so bleibt der demographische Wandel ein beherrschender Megatrend. Er verändert strukturell und nachhaltig die unterschiedlichsten Lebensbereiche von der Arbeitswelt bis zum Gesundheitswesen, von der Gestaltung der Lebenszeit bis zur Bevölkerungsverteilung in den Regionen. Da notwendige Reformen und Anpassungen naturgemäß langwierig sind und die Bürger Zeit zur Umstellung brauchen, besteht jetzt die Notwendigkeit der neuen Weichenstellung.

Chancen für eine positive Gestaltung des Wandels

Das Projekt „Demographischer Wandel auf dem Prüfstand“ will dazu auf der Basis wissenschaftlicher Expertisen zunächst eine Neubewertung der aktuellen Situation vornehmen. Ein Augenmerk gilt dabei der Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme, des zukünftigen Arbeitskräftepotenzials und der Arbeitsmärkte sowie der Neugestaltung des Altersübergangs in den beruflichen Ruhestand. Gleichzeitig wird erhoben, wie sich die deutsche Bevölkerung auch im langfristigen Vergleich auf den demographischen Wandel einstellt und mit welchen Sorgen, Hoffnungen, Plänen oder politischen Forderungen sie den Trend begleitet.

Mit der Befragung zahlreicher Experten zum Thema wird zusätzlich ermittelt, wo aus fachlicher Sicht jetzt die wichtigsten Prioritäten erkennbar sind und bei welchen Fragen besonders in den nächsten Jahren der größte Handlungsdruck besteht. Diese Bestandsaufnahme dient dazu, besonders das Bewusstsein für kurz- und mittelfristige Handlungsnotwendigkeiten zu schärfen und auch mögliche Entscheidungsoptionen aufzuzeigen. Dabei wird das Projekt auch Konsequenzen und soziale Folgen möglicher Politikentscheidungen sichtbar machen.

Gleichzeitig gilt es, einen Fehler der Vergangenheit zu vermeiden: Für viele war und ist der demographische Wandel mit Verunsicherung und Ängsten besetzt. Sie verhindern die kreative Beschäftigung und die Suche nach positiven Lösungsansätzen. Denn nach wie vor gilt: Der demographische Wandel ist nicht zuletzt ein enormer Gewinn an zumeist gesunden Lebensjahren für Millionen von Menschen. Daraus können weiterer Wohlstand, Teilhabechancen und Lebensglück entstehen. Um diese Chancen realisieren zu können, müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft neue und weiterhin notwendige Anpassungen leisten.