Männlicher Auszubildender
Veit Mette

Seit einigen Jahren herrscht eine paradoxe Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Auf der einen Seite fällt es mehr und mehr Betrieben schwer, passende Auszubildende zu finden. So blieben im Jahr 2016 ca. 40.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Auf der anderen Seite sinkt die Beteiligung von Betrieben an Ausbildung und es gelingt vielen Jugendlichen nur mit Verzögerung oder gar nicht, einen Ausbildungsplatz zu finden. Nach wie vor besuchen etwa 250.000 Jugendliche pro Jahr eine der zahlreichen Maßnahmen des Übergangssystems, die auf eine Ausbildung vorbereiten sollen, in denen aber nur in Ausnahmefällen auf eine Ausbildung anrechenbare Qualifikationen erworben werden können.


Mit den Partnern der Initiative „Chance Ausbildung“ setzen wir uns dafür ein, jedem jungen Menschen ein Ausbildungsangebot zu machen und entwickeln dazu Lösungskonzepte. Dabei sollen sowohl die Interessen der Jugendlichen als auch die der Betriebe berücksichtigt werden.


Erstes Ziel ist es Wege zu finden, wie das vorhandene Ausbildungsangebot besser ausgeschöpft werden kann und weniger Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben. Ein verbessertes Matching zwischen Angebot und Nachfrage auf dem regionalen Ausbildungsmarkt könnte hier ebenso einen Beitrag leisten, wie die Förderung kombinierter Bildungsgänge an der Schnittstelle zwischen Maßnahmen des Übergangssystems und einer Vollausbildung.


Darüber hinaus gilt es, das betriebliche Ausbildungsangebot zu erhöhen. So könnten verbesserte Möglichkeiten der Ausbildung im Verbund auch für kleine Betriebe attraktiv sein, von denen sich derzeit viele aus der Ausbildung zurückziehen.


Zuletzt könnten öffentlich geförderte Ausbildungsplätze die Lücke zwischen betrieblichem Angebot und Nachfrage durch die Jugendlichen schließen. Öffentlich geförderte Ausbildung muss dabei zum einen anschlussfähig an die betriebliche Ausbildung sein und darf zum anderen keine betrieblichen Ausbildungsplätze verdrängen.


Die genauen Schwerpunkte der Arbeit der Initiative Chance Ausbildung im Themenfeld Ausbildungsangebot werden im Laufe des Jahres 2017 entwickelt und dann hier veröffentlicht. Die regionalen Unterschiede des Ausbildungsangebots sowie die Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen an Ausbildung sind auch Schwerpunktthemen des Ländermonitors berufliche Bildung, der im Herbst 2017 in seiner zweiten Ausgabe erscheinen wird. Die Ergebnisse der ersten Ausgabe des Ländermonitors finden Sie hier:

Ländermonitor berufliche Bildung 2015