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Die sich wandelnde Beschäftigungswelt bringt neue Beschäftigungsformen und unstete, heterogene Erwerbsverläufe mit sich. Gleichzeitig sind unsere sozialen Sicherungssysteme auf diese neuen Beschäftigungsformen und regelmäßigen Beschäftigungswechsel – etwa von abhängiger Beschäftigung in die Selbstständigkeit – nicht ausgerichtet.

So hat die einkommensabsichernde Schutzfunktion der Arbeitslosenversicherung im Falle der Arbeitslosigkeit für bestimmte Gruppen – etwa atypisch Beschäftigte, Geringverdiener und Selbstständige – abgenommen. Viele kurzfristig und prekär Beschäftigte fallen bei Arbeitslosigkeit heute direkt in die Grundsicherung. Dieser Trend dürfte in Zukunft mit dem Entstehen neuer Beschäftigungsformen weiter zunehmen.

Dabei wirkt eine zielgenaue individuelle soziale Absicherung grundsätzliche positiv auf wirtschaftliches Wachstum. Denn soziale Absicherung vergrößert den Erwartungs- und Planungshorizont des Einzelnen. Sind bestimmte Übergänge am Arbeitsmarkt – etwa von der abhängigen Beschäftigung in die Selbstständigkeit oder auch Wechsel zwischen Jobs mit unterschiedlichen Tätigkeitsprofilen – gut abgesichert, dann erhöht dies die individuelle Flexibilität und Risikobereitschaft, solche Schritte auch tatsächlich zu unternehmen. Dies wiederum fördert die wirtschaftliche Dynamik.

Sozialstaat an Beschäftigungswandel anpassen

Es ergibt sich daher die Notwendigkeit, den Sozialstaat an die neuen Bedingungen einer zunehmend globalisierten und digitalisierten Arbeitswelt, in Anbetracht einer fortschreitenden gesellschaftlichen Alterung, anzupassen.

So könnte die Weiterentwicklung der derzeitigen Arbeitslosenversicherung hin zu einer präventiven und investiven „Beschäftigungsversicherung“ soziale Sicherung und die sich wandelnde Beschäftigungswelt besser aufeinander abstimmen. Dabei würden Übergänge im Erwerbsverlauf durch gezielte Phasen der Weiterbildung proaktiv unterstützt. Die flexiblere Gestaltung von Phasen der Pflege oder Zeiten für Kindererziehung sind hier ebenfalls mitzudenken.

Daran anschließend steht zur Debatte, ob ein persönliches Erwerbstätigenkonto als Finanzierung in Übergangszeiten dienen kann. Ein solches Konto könnte im Erwerbsverlauf aufgebaut werden und dann für Qualifizierungsphasen, private Auszeiten zur Pflege oder familiären Betreuung, Gründungsphasen bei Übergang in die Selbstständigkeit, oder den flexiblen Übergang in den Ruhestand genutzt werden.

Mit Blick auf neue Beschäftigungsformen und unstete Erwerbsbiographien ist es weiterhin notwendig, die klassische Schutzfunktion der bisherigen Arbeitslosenversicherung zu stärken, um einen möglichst schnellen Wiedereinstig in Beschäftigung zu ermöglichen.

Im Rahmen unserer Projektaktivitäten wollen wir daher durch Studien und Fachworkshops Orientierungswissen und empirische Evidenzen generieren, auf deren Basis sich politische Handlungsempfehlungen für entsprechende Reformen formulieren lassen. Dabei spielt für uns auch die europäische Vergleichsebene eine wichtige Rolle.

Leitfragen

  • Wie lassen sich soziale Sicherung und die sich wandelnde, flexible Beschäftigungswelt besser aufeinander abstimmen?
  • Wie stellen wir die Schutzfunktion unserer Sicherungssysteme angesichts des Beschäftigungswandels wieder her?
  • Würden eine Beschäftigtenversicherung und ein persönliches Erwerbstätigenkonto eine nachhaltige Verbesserung erreichen?

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