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mauritius images / Westend61 / Ramon Espelt

Unser aktuelles Alterssicherungssystem ist nicht ausreichend auf die Alterung unserer Gesellschaft, den Wandel der Arbeitswelt und die veränderte Situation an den Kapitalmärkten vorbereitet. Kernfragen sind daher, wie die finanzielle Tragfähigkeit eines zukunftsfähigen Alterssicherungssystems gewährleistet und gleichzeitig Altersarmut künftig wirksamer begegnet werden kann.

Langfristprojektionen zeigen, dass ab 2025 ein erneuter rascher Anstieg des Beitragssatzes droht. Gleichzeitig wird das Rentenniveau absinken. Diese Entwicklung ist gleich in mehrerlei Hinsicht problematisch. Steigende Beitragssätze können den Faktor Arbeit weiter belasten und damit Beschäftigung unattraktiver machen. Ein Absinken des Rentenniveaus sowie die zunehmende Verbreitung unsteter Erwerbsbiographien und geringer Einkommen können zudem dazu führen, dass es zukünftig vermehrt Rentner geben wird, deren Alterseinkommen nicht mehr ausreichen, um den gewohnten Lebensstandard zu sichern.

So zeigt unsere jüngste Studie zur zukünftigen Entwicklung der Alterseinkommen, dass trotz weiterer positiver Beschäftigungsentwicklung jeder fünfte Neurentner im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein könnte, wenn in den kommenden Jahren hier keine geeigneten Maßnahmen ergriffen werden. Besonders stark betroffen vom Anstieg der Altersarmut werden zukünftig Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiographien, Geringqualifizierte, Solo-Selbstständige, Langzeitarbeitslose, chronisch Kranke und alleinstehende Frauen sein.

Schließlich stellt diese Entwicklung die Akzeptanz des Alterssicherungssystems gerade innerhalb der jüngeren Generationen in Frage, die zwar immer höhere Beiträge leisten, aber in Zukunft nur vergleichsweise geringe Rentenansprüche erwarten.

Beschäftigungswandel erfordert Reform der Alterssicherung

Damit das Altersarmutsrisiko reduziert, Beschäftigungsanreize gefördert, Übergänge vom Erwerbsleben in die Rente verbessert und das Alterssicherungssystem auf einer tragfähigen generationengerechten Finanzierungsbasis steht, braucht es langfristig ausgerichtete Reformen.

Eine Stärkung der zweiten und dritten Säule in der Alterssicherung – der betrieblichen und privaten Vorsorge – kann ein wichtiger Baustein sein, das sinkende Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung zu kompensieren. Ebenso gilt es zu diskutieren, inwieweit die Versichertenbasis der gesetzlichen Rentenversicherung erweitert und wie die spezifischen Sicherungsanforderungen von Risikogruppen eine verbesserte Berücksichtigung im aktuellen Alterssicherungssystem finden können.

Damit sich die Zeit im Erwerbsleben nicht von der langfristig steigenden Lebenserwartung abkoppelt, wird zu diskutieren sein, wie das durchschnittliche Renteneintrittsalter weiter steigen kann. Die sogenannte „Rente mit 67“ war ein erster Schritt in diese Richtung. Allerdings muss gleichzeitig die Beschäftigungsfähigkeit älterer Arbeitnehmer aufrechterhalten werden, damit diese länger am Arbeitsmarkt teilhaben können. Auch eine weitere Flexibilisierung des Renteneintrittsalters kann helfen, die Bedürfnisse einer zukünftig heterogen alternden Bevölkerung noch besser zu berücksichtigen.

Schließlich ist die Wissenslücke in Sachen persönliche Altersvorsorge hierzulande besonders groß. Aktuelle Studien zeigen, dass lediglich eine Minderheit der Bundesbürger einen genauen Überblick über die insgesamt zu erwartenden Alterseinkünfte hat.

 Als Ideengeber und moderierender Akteur möchten wir einen Beitrag zur Reform des Alterssicherungssystems leisten. Durch wissenschaftliche Studien werden Entwicklungen und Handlungsoptionen im gesamten Alterssicherungssystem aufgezeigt und vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit bewertet. Mit gezielten internationalen Vergleichsstudien identifizieren wir mögliche Reformoptionen für das deutsche Alterssicherungssystem. Im Rahmen von Workshops und Konferenzen wollen wir, kooperierend mit weiteren Partnern, die politische und gesellschaftliche Debatte begleiten.

Leitfragen

  • Wie entwickeln sich die Alterseinkommen in den kommenden Jahrzehnten?
  • Wie kann ein beschäftigungsfreundliches und generationengerechtes Alterssicherungssystem der Zukunft aussehen, das Altersarmut verhindert?
  • Wie können die Beschäftigungschancen und –fähigkeiten älterer Menschen weiter ausgebaut werden?
  • Wie lässt sich das Wissen der Bürger über die eigenen Altersvorsorgeansprüche weiter erhöhen?

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