Blick in den Saal während der Fachkonferenz, die Teilnehmer hören einer Rede zu.
Kai Uwe Oesterhelweg

Weltweit befinden sich 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Ein Sechstel sucht Schutz in Deutschland. Hinsichtlich der Integration von Geflüchteten sind Kommunen die entscheidenden Akteure, die eine nachhaltige Integration der Geflüchteten gewährleisten können. "Kommunen sind mehr als nur Selbstverwaltung und Daseinsfürsorge", stellte die Programmdirektorin Dr. Kirsten Witte zu Beginn der vom Programm "Lebenswerte Kommune" der Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund ausgerichteten Fachkonferenz heraus. Sie sind die wichtigsten Akteure für Integrationsprozesse, denn sie sind Orte, an denen Integration passiert. Dabei sind ein vernetztes Vorgehen und die Bündelung der Ressourcen auf den Ebenen Arbeit, Ausbildung, Wohnen, Bildung und bürgergesellschaftliches Engagement unabdingbar für Erfolg.

Programmdirektorin Kirsten Witte steht bei ihrem Vortrag am Rednerpult. Kirsten Witte, Direktorin des Programms "Lebenswerte Kommune" der Bertelsmann Stiftung. (Foto: Kai Uwe Oesterhelweg)

Die Bundesagentur für Arbeit ist in diesem Prozess ein wichtiger Akteur der kommunalen Integration. Derzeit befinden sich laut Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender Arbeitsmarkt bei der Bundesagentur für Arbeit, 145.000 arbeitslose Flüchtlinge im SGB II und stehen damit dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Er hebt hervor, dass Arbeit und Sprache die wichtigsten Elemente für die gesellschaftliche Teilhabe für Menschen in einer Gesellschaft sind. Vor allem der Arbeitsalltag sei einer der wichtigsten Faktoren für die gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten. Die Bundesagentur für Arbeit sieht vor, bis 2020 10.000 Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen und Arbeit und Qualifizierung so zu verbinden, dass Arbeit unter anderem ein Katalysator für Sprachenlernen werden kann. Das größte Problem sieht Scheele bei den häufig fehlenden Zertifikaten, die unabdingbar für einen Arbeitsmarkteinstieg sind. Um diesem Problem Rechnung zu tragen, wird in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung, an einem Kompetenzfeststellungsverfahren gearbeitet.

Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender für Arbeitsmarkt bei der Bundesagentur für Arbeit, steht am Rednerpult. Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender Arbeitsmarkt bei der Bundesagentur für Arbeit. (Foto: Kai Uwe Oesterhelweg)

Hinsichtlich der Planungssicherheit von Kommunen bei der Unterbringungs- und Wohnsituation plädiert Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, für eine gerechte Verteilung der Geflüchteten. Dabei sei eine intelligent gesteuerte Wohnsitzauflage in Kombination mit Strukturförder- und Infrastrukturmaßnahmen aus seiner Sichtsinnvoll

Wie erfolgreiche Integration gelingen kann und Geflüchtete sogar zur Chance vor allem für strukturschwache Regionen und Kommunen werden können, führt der Oberbürgermeister der Stadt Goslar, Dr. Oliver Junk aus. Um dem Einwohnerverlust von ca. 200 Menschen pro Jahr entgegenzusteuern, fordert er das Land auf, der Stadt mehr Flüchtlinge zuzuweisen als es der Königssteiner Schlüssel vorsieht - mit Erfolg. Nur 66 Flüchtlinge sind aus Goslar verzogen (37 davon zurück in ihr Heimatland, nur 2 Personen sind in eine Großstadt abgewandert). Mit den Worten: „Zuwanderung kann ein Gewinn sein. Es ist an uns, den Rahmen zu gestalten!“ schließt er die Diskussion. Im Anschluss wurde den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben, sich über weitere Handlungsoptionen und Praxisbeispiele in den interaktiven Fachforen zu den Themen Schule/Kita/Bildung, Integration im ländlichen Raum, Arbeit/Ausbildung, Ehrenamt, und Bauen/Unterkünfte auszutauschen.

 

Beim Fachforum zum Thema Bauen/Unterkünfte hören die Teilnehmer einem Vortrag zu. Das Fachforum zum Thema Bauen/Unterkünfte. (Foto: Kai Uwe Oesterhelweg)

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