Themen:

Bildungssystem, Einzelschule, Ganztagsschule, Hochbegabte Schüler, IGLU, Innovation, Kernkompetenz, Kommunales Kompetenzzentrum (Projekte), Kompetenzentwicklung, Kooperatives Lernen, Lebenslanges Lernen, Lernkompetenz, PISA, Qualität, Qualitätsentwicklung in der Bildung, Reform, Schule im Bildungssystem, Schulentwicklung, Schulmüdigkeit, Unterricht, Unterrichtsentwicklung

Vor diesem Hintergrund wurde der Carl Bertelsmann-Preis 1996 zum Thema „Innovative Schulsysteme im internationalen Vergleich" vergeben. Die mit 300.000 DM dotierte Auszeichnung erhielt das im kanadischen Ontario tätige Durham Board of Education, eine unkonventionelle und leistungsstarke Schulbehörde, die sich zu einer Zukunftswerkstatt mit umfassendem Dienstleistungscharakter für die Schulen ihrer Region entwickelt hat. Ferner erhielten sieben deutsche Schulen einen mit jeweils 10.000 DM ausgestatteten Sonderpreis, weil sie sich trotz der unflexiblen Rahmenbedingungen durch große Innovationsfreude auszeichnen.

Während die deutschen Schulen von mehreren Behörden abhängen, gibt die kanadische Provinz Ontario, die einem Bundesland entspricht, lediglich die Rahmenrichtlinien vor und delegiert alle schulrelevanten Funktionen an sogenannte Boards. Diese innovativen Schulbehörden übernehmen nicht nur Verwaltungs- und Finanzierungsaufgaben, sondern stellen das gesamte Personal ein, entwickeln die Lehrpläne unter Einbeziehung der Anforderungen aus der regionalen Wirtschaft und fördern die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern.

Ein zentrales Aufgabengebiet ist die Professionalisierung des Schulmanagements und der pädagogischen Arbeit durch permanente Fortbildungsmaßnahmen für Schulleiter und Lehrer. Diese Kurse werden selbstverständlich in der unterrichtsfreien Zeit oder an Wochenenden durchgeführt.

Das Durham Board of Education - zuständig für einen Bezirk mit 110 Schulen, an denen insgesamt 3 700 Lehrer etwa 62 000 Schüler unterrichten - muss sich in regelmäßigen Leistungsvergleichen den anderen 168 Boards der Provinz Ontario stellen. Auch die Schulen müssen sich in periodischen Abständen sogenannten Rankings unterziehen und damit den Stand ihrer Leistungsfähigkeit dokumentieren. Über die Ergebnisse legen sie der Öffentlichkeit regelmäßig Rechenschaft ab. Zu den Evaluationsverfahren gehören zudem regelmäßige Mitarbeiterbefragungen. Ganz selbstverständlich beurteilen auch die Schüler die Qualität des Unterrichts und des Schulprogramms.

Mit der Vergabe der Sonderpreise will die Bertelsmann Stiftung zeigen, dass trotz lähmender Überregulierung auch in vielen deutschen Schulen der Wille zur Reform lebendig ist. Das Prädikat „innovative Schule" erhielten die Grundschule Wegenkamp in Hamburg, die Regenbogen- Grundschule in Berlin, die Don Bosco-Förderschule im baden-württembergischen Leutkirch, die Lobdeburg-Schule in Jena, das Kreisgymnasium im sächsischen Freital sowie in Nordrhein-Westfalen die Gesamtschule in Hagen-Haspe und die Gewerblichen Schulen des Märkischen Kreises in Lüdenscheid.

Für den Sonderpreis hatten sich insgesamt 333 Schulen aus allen Regionen und Schulformen beworben. Den sieben Preisträger-Schulen ist gemeinsam, dass sie nicht nur den „Dienstweg" beschreiten, sondern mit der Lösung drängender Probleme begonnen haben, bevor Erlasse, Verordnungen und Gesetze sie dazu auffordern. Die Schulen verstehen sich als lernende Organisationen und zeichnen sich durch ein öffentlich bekanntes Schulprogramm, hochmotivierte Kollegien und kooperatives Führungsverhalten der Schulleitung aus. Sie beziehen darüber hinaus auch die Eltern systematisch in die schulische Arbeit ein, kooperieren eng mit außerschulischen Partnern wie örtlichen Unternehmen und haben vielfältige Evaluationsverfahren entwickelt, um die eigene Leistungsfähigkeit zu überprüfen und zu sichern.

Kriterien für die internationale Recherche:

  • Orientierung der Schule an der Lern- und Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen
  • Innovations- und Evolutionsfähigkeit des Schulsystems
  • Förderung der kreativen Fähigkeiten von Lehrerinnen und Lehrern
  • innovatives Führungssystem
  • kooperatives Miteinander von Schülern, Eltern und Institutionen
  • Zusammenarbeit zwischen Einzelschulen und externen Entscheidungsträgern
  • Überprüfung der Leistungsfähigkeit und Qualitätssicherung
  • staatliche Rahmenbedingungen für eine innovative Schulentwicklung