Projekttyp:

Wettbewerbe

Themen:

Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Der mit 300.000 DM dotierte Carl Bertelsmann-Preis wurde im September 1991 an die Schweiz und das sächsische Unternehmen "Hoch-, Tief- und Montagebau GmbH, Plauen" verliehen. Mit der Auszeichung sollte auf wegweisende Ansätze in der Beschäftigungspolitik hingewiesen werden. Vor über 900 Gästen in der Gütersloher Stadthalle überreichte Reinhard Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, die Urkunden an den Schweizer Wirtschaftsminister, Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz, und an den Geschäftsführer des ostdeutschen Baubetriebes, Gerd-Rainer Grundmann.

Die Auszeichnung wird jährlich für herausragende Gedanken und Beiträge zur Ausgestaltung und Weiterentwicklung demokratisch verfasster Gesellschaften vergeben. Damit will die Stiftung auf Lösungsansätze für akute gesellschaftliche Problemstellungen hinweisen sowie der öffentlichen und politischen Diskussion neue Impulse geben. Zur Entscheidungsfindung hatte die Bertelsmann Stiftung gemeinsam mit Experten aus Wissenschaft und Politik eine Reihe von Grundsätzen und Thesen zur Beschäftigungspolitik erarbeitet. Auf dieser Grundlage wurden umfangreiche Recherchen im In- und Ausland durchgeführt.

In seiner Laudatio begründete der ehemalige Hamburger Bürgermeister Dr. Klaus von Dohnanyi die Entscheidung der Jury. Dem möglichen Einwand, die restriktive Ausländerpolitik sei für die positive Beschäftigungssituation mitverantwortlich, hielt Dohnanyi unter anderem entgegen, daß die Schweiz im europäischen Vergleich prozentual der größte Arbeitgeber für Ausländer sei. 26 Prozent der Arbeitsplätze in der Schweiz seien von Ausländern besetzt.

Das sächsische Bauunternehmen HTM Plauen habe beispielhaft und überzeugend gezeigt, dass eine Umstrukturierung der Wirtschaft in Ostdeutschland nach marktwirtschaftlichen und partnerschaftlichen Prinzipien erfolgreich sein und damit zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes beitragen könne. Durch die Eigeninitiative der Mitarbeiter sei es gelungen, den Betrieb vor der Entlassung des Großteils der Mitarbeiter zu bewahren.

In Verhandlungen mit der Treuhandanstalt und in Zusammenarbeit mit der Belegschaft sei ein Beteiligungsmodell erarbeitet worden, das die Banken dazu bewogen habe, in die Zukunft des Unternehmens zu investieren. Unter Beteiligung der Mitarbeiter, mit hohem persönlichen Engagement und unter Einsatz des privaten Vermögens der 13 Gesellschafter seien aus der mittleren Führungsebene kreative Unternehmer erwachsen. Das Ergebnis seien ein gutes Betriebsklima, mehr Motivation, ein Anstieg der Produktivität, volle Auftragsbücher und die Sicherung von über 300 Arbeitsplätzen.