Projekttyp:

Konferenzen, Leistungsvergleiche, Studien und Publikationen

Themen:

Unternehmenskultur

Den Carl Bertelsmann-Preis 1989 erhielten der US-amerikanische Büromöbelhersteller Herman Miller Inc. und der schwedische Konzern Volvo. Vor über 700 Repräsentanten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien wurden in der Gütersloher Stadthalle die Urkunden an die Vorstandsvorsitzen - den Richard H. Ruch und Dr. Pehr G. Gyllenhammar übergeben. In seiner Laudatio begründete Reinhard Mohn die Preisverleihung mit der von Volvo und Herman Miller seit vielen Jahren human und erfolgreich praktizierten partnerschaftlichen Unternehmenskultur. Mit  ihrer Auszeichnung soll die Idee der Partnerschaft im Unternehmen gefördert werden. Beide Unternehmen erfüllen alle wichtigen Voraussetzungen eines partnerschaftlichen
Unternehmens. Dazu gehören stets auf den Menschen ausgerichtete Unternehmensziele, verbunden mit partnerschaftlicher Kooperation, Mitverantwortung, der Chance zur Selbstverwirklichung, materieller Gerechtigkeit, Information und sozialer Sicherheit.

Entscheidendes Kennzeichen der  Unternehmenserfassung bei Herman Miller Inc., dem zweitgrößten  Büromöbelhersteller in den USA, ist der Gedanke der Partizipation: Jeder Mitarbeiter wird im Rahmen seiner Kompetenz und Zuständigkeit in sämtliche  Entscheidungsprozesse einbezogen, die seinen Arbeitsbereich betreffen. Ein weiterer Baustein der Unternehmensverfassung ist die materielle Beteiligung. 98 Prozent der
vollzeitbeschäftigten Mitarbeiter sind Aktionäre des Unternehmens.

Die  Firmenphilosophie Volvos, des größten schwedischen Unternehmens, besteht seit nahezu zwei Jahrzehnten in einer wegweisenden Verbindung von Produktivität,  humanen Arbeitsbedingungen, einem partnerschaftlichen Führungsstil und einer innovativen Anpassung der Fertigung an den strukturell technologischen Wandel. Seit den siebziger Jahren gilt Volvo als Vorreiter grundlegend neuartiger Formen der Arbeitsorganisation, die teilweise in enger Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften entwickelt wurden. Umfassende Qualifikationsmaßnahmen begleiten die Einführung dieser innovativen Arbeitsorganisation.

Die direkte Mitarbeiterbeteiligung umfasst die Arbeitsvorbereitung, das Arbeitsverfahren und die Arbeitskontrolle. Dieses gesamte soziotechnische System findet auch beim Bau der Betriebsstätten Berücksichtigung, die den Erfordernissen der partizipativen, dezentralen Arbeitsform entsprechen.

Der Preisverleihung im Jahr 1989 war ein zweitägiges Symposium zum Thema "Partnerschaft im Unternehmen: Zielsetzungen - Bausteine - Erfahrungen" vorausgegangen. In einem Kreis nationaler und internationaler Experten wurden partnerschaftliche Untemehmenskonzepte aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet. Stellungnahmen der Tarifparteien und die gesellschaftspolitischen Auswirkungen partnerschaftlicher Unternehmensmodelle waren ebenso Bestandteil der Diskussion wie Erfahrungen in Skandinavien und den USA. Einig waren sich die Teilnehmer in der Beurteilung, dass den Anforderungen des internationalen  Wettbewerbs mit partnerschaftlichen Unternehmensverfassungen wirkungsvoller zu begegnen sei als mit konventionellen Strukturen.