Schüler mit ihrem Lehrer bei Gartenarbeiten in der Schule.
© Veit Mette

Die Idee entstand 2008 auf einer Veranstaltung der Initiative „Unternehmen für die Region“. Die Teilnehmer aus dem Mittelstand waren sich schnell einig, dass sich familienfreundliche Firmen im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte entscheidende Vorteile sichern.  Um nicht auf das Potenzial gut ausgebildeter Mütter und Väter verzichten zu müssen, haben sich damals mehrere Heilbronner Unternehmen mit dem Arbeiter- und Samariterbund zusammengetan und mit Unterstützung der Stadt Heilbronn ein Konzept entworfen, das jungen Eltern mehr Flexibilität und zeitlichen Spielraum verschafft. Mit Erfolg: Seit 2012 steht die Kita Kinderbunt Heilbronn e. V. berufstätigen Eltern von 7 bis 19 Uhr zur Verfügung. Das hochwertige Betreuungsangebot kann bei Bedarf sogar samstags in Anspruch genommen werden.

Partner für mehr Verantwortung

Diese gelungene Zusammenarbeit zwischen mittelständischen Unternehmen und einer gemeinnützigen Organisation ist ganz nach dem Geschmack der Bertelsmann Stiftung, die das Zustandekommen solcher Kooperationen initiiert. Um das vielfältige regionale Engagement von Unternehmen zu vernetzen, hat die Stiftung zwischen 2008 und 2014 insgesamt 15 Regionen in Deutschland zu Verantwortungspartnern entwickelt, Interessierte beraten, Akteure zusammengebracht und die Umsetzung regionaler Projekte begleitet.

Hinter dieser Initiative steht die Überzeugung, dass Gesellschaft und Unternehmen in komplexen Wechselbeziehungen zueinander – und auch in gegenseitiger Abhängigkeit – stehen. „Einerseits beeinflussen Unternehmen mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit – mit ihren Produkten, Dienstleistungen und Arbeitsplätzen – auf vielfältige Weise das Leben in unserer Gesellschaft“, erklärt Birgit Riess, Direktorin der Bertelsmann Stiftung. „Daher tragen sie auch Verantwortung für ihr Tun – nicht nur für die ökonomischen, sondern auch für die sozialen und ökologischen Folgen ihres Handelns.“

Umgekehrt seien die Firmen aber auch auf ein intaktes Umfeld angewiesen, ergänzt Birgit Riess. Gesellschaftliche Herausforderungen wie der demographische Wandel, Ressourcenknappheit oder Integration wirkten sich unmittelbar auch auf die Unternehmen und ihre Rahmenbedingungen aus. Die Folgen, wie der zunehmende Fachkräftemangel, könnten zudem von niemand alleine bewältigt werden, sondern seien nur im Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher Kräfte möglich.

Motor Mittelstand

Dass sich in Deutschland die mittelständischen Unternehmen für soziale und gesellschaftliche Belange einsetzen, ist eine gute und lange Tradition. Früher geschah dies jedoch nicht unbedingt zielgerichtet. „Mittlerweile aber managen immer mehr Mittelständler Verantwortung professionell, indem sie ihr Engagement mit ihren Kernkompetenzen verbinden“, erläutert Birgit Riess. Hierzu zähle umwelt­ und sozialverträgliches Wirtschaften ebenso wie die Gestaltung des gesellschaftlichen Umfelds: gute Arbeitsbedingungen, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, Kunden und Lieferanten, aber auch Investitionen in das Gemeinwesen.

Und wer, fragt die Direktorin der Bertelsmann Stiftung, sei hierzulande besser geeignet, als der starke deutsche Mittelstand, wenn es darum geht, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben, Familien die Balance mit der Arbeitswelt zu ermöglichen, Menschen mit Migrationshintergrund Zugänge zum Arbeitsmarkt zu eröffnen oder durch innovative Verfahren zu einer ressourceneffizienteren Produktion beizutragen?

„Sich für die Lösung gesellschaftlicher Probleme einzusetzen, bietet einen klaren Vorteil für die Unternehmen Sie haben daher ein wirtschaftliches Interesse, Verantwortung zu übernehmen.“

Birgit Riess, Direktorin der Bertelsmann Stiftung

In den eigenen Erfolg investieren

Am Beispiel der Kita Kunterbunt wird deutlich, wie dies funktioniert. Erstens wurden in Heilbronn dringend benötigte Kinderbetreuungsplätze geschaffen, was auch zur Erhöhung der Lebensqualität in der Region beigetragen hat. Zweitens konnten sich die Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels die Arbeitskraft gut ausgebildeter junger Eltern erschließen. Drittens haben sich die Beteiligten durch ihr Engagement und durch die Zusammenarbeit mit einer gemeinnützigen Organisation in der Öffentlichkeit positiv dargestellt und ihre Attraktivität als Arbeitgeber gesteigert.

Mit ihrer Arbeit will die Bertelsmann Stiftung gerade den mittelständischen Firmen diesen mehrfachen Nutzen eines systematischen gesellschaftlichen Einsatzes vermitteln. „Wir wollen einerseits helfen, die Potenziale mittelständischen Engagements sowohl für die Gesellschaft als auch für das Unternehmen selbst voll auszuschöpfen. Andererseits wollen wir Geleistetes besser sichtbar machen und verhindern, dass die Wirkung solchen Handelns verpufft“, sagt Birgit Riess.

Letzteres ist auch ein Anliegen des gemeinnützigen und von der Bertelsmann Stiftung unterstützten Vereins „Unternehmen für die Region“. Zu diesem Zweck richtet das bundesweite Netzwerk für engagierte mittelständische und familiengeführte Firmen den Wettbewerb Mein-gutes-Beispiel.de aus, der herausragenden unternehmerischen Einsatz in den Regionen auszeichnet. Denn nachahmenswertes Engagement findet sich überall in Deutschland – zum Beispiel beim westfälischen Tür- und Torhersteller Teckentrup.

Vielfalt als Chance

Mit eigenen Fußballturnieren und landestypischen Festen bringt Geschäftsführer Kai Teckentrup seine Mitarbeiter regelmäßig zusammen: „Unsere Firma soll zum alltäglichen Ort der Integration werden, an dem man nicht neben­, sondern miteinander arbeitet und Vorurteile abbaut.“ Bei Teckentrup werden Geschlecht, Alter, Herkunft oder Weltanschauung der Mitarbeiter als Chance angesehen, auch um die Folgen des demographischen Wandels aufzufangen.

Schließlich ist der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in vollem Gange und wird weiter zunehmen. „Deswegen müssen wir verstärkt auf die vorhandenen Mitarbeiterpotenziale eingehen – und das sind hier vor Ort vor allem Menschen mit Migrationshintergrund“, berichtet Kai Teckentrup und ergänzt: „Mit unserem Engagement heute sichern wir uns die Arbeitskräfte für morgen.“

Bereits heute hat rund ein Viertel seiner knapp 1.000 Mitarbeiter ausländische Wurzeln. Das Vielfaltsmanagement, das das Unternehmen seit 2008 gezielt betreibt, zahle sich zudem auch auf anderen Ebenen aus, sagt Kai Teckentrup. Durch den Einsatz multinationaler Teams habe sich die Produktivität erhöht und der Krankenstand reduziert. Zudem tue die kulturelle Offenheit der Attraktivität als Arbeitgeber gut. „Und“, fragt er abschließend, „wenn wir sie nicht vermitteln und vorleben, wie wollen wir denn sonst Werte wie Fairness und Toleranz in unserer Gesellschaft verankern?“

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