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Sebastian Pfütze

Die Zukunft eines Landes mitgestalten und soziale Werte vorleben – das hat für mittelständische und familiengeführte Unternehmen in Deutschland eine lange Tradition. Früher wurden hierzulande Vereine oder karitative Projekte vor allem mit Geld- und Sachspenden und aus rein ethischen Motiven unterstützt. Mittlerweile hat sich jedoch in vielen Betrieben längst herumgesprochen, dass eine gezielte Investition in gesellschaftliche Belange immer auch ein Investment in die Rahmenbedingungen des eigenen Erfolgs ist.

Das Motto: Gutes sichtbar machen

Bereits 2007 rief die Bertelsmann Stiftung eine Initiative ins Leben, um die Bedeutung und Vielfalt regionalen Engagements von Unternehmen aufzuzeigen. Diese Arbeit wird seit 2012 vom Verein „Unternehmen für die Region e. V.“, gegründet von der Bertelsmann Stiftung und renommierten Unternehmen, fortgeführt. Die Beteiligten haben es sich zur Aufgabe gemacht, gesellschaftliches Engagement sichtbar zu machen, etwa durch das Projekt „Mein gutes Beispiel“. Dieser Wettbewerb zeichnet herausragende Beispiele kleinerer und mittlerer Unternehmen aus, die sich in ihren Regionen für die Themen Bildung und Ausbildung, soziale Benachteiligung oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark machen.

Durch einen solchen unternehmerischen Einsatz entsteht eine klassische Win-win-Situation: Gerade im Bildungs- und Sozialbereich kann privatwirtschaftliches Handeln die staatlichen Angebote effektiv ergänzen. Zugleich stärken die Unternehmen auch die Regionen, in denen sie tätig sind. So eröffnen sie jungen Menschen eine Zukunftsperspektive, helfen Eltern, Beruf und Familie zu vereinbaren oder verschaffen Menschen mit Migrationshintergrund Zugänge zum Arbeitsmarkt.

Gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen bedeutet, unternehmerisch zu handeln und sich gleichzeitig für die Mitmenschen und die Region einzusetzen.

Liz Mohn, Stellvertretende Vorsitzende des Vorstands der Bertelsmann Stiftung

Auch die Unternehmen profitieren auf vielfältige Weise von ihrem Engagement. „Eine sozial stabile Region bindet Menschen und somit auch Fachkräfte, die wiederum die Firmen dringend benötigen. Und ein Arbeitgeber, der heutzutage über den eigenen Tellerrand hinaus schaut, wird von immer mehr möglichen Mitarbeitern als attraktiv angesehen“, bestätigt Birgit Riess von der Bertelsmann Stiftung. Überdies könne sich ein engagiertes Unternehmen als verantwortungsbewusstes Gesellschaftsmitglied profilieren und etwas für seine Reputation tun. Schließlich sei es immer mehr Verbrauchern wichtig, dass die Produkte, die sie kaufen, oder die Dienstleistungen, die sie in Anspruch nehmen, ökologisch und ethisch unbedenklich sind.

Melden Sie sich jetzt an für Ihr gutes Beispiel 2015!

Auf der Landkarte des Engagements

2014 haben bundesweit 149 Unternehmen an der bereits vierten Auflage des Wettbewerbs teilgenommen. Sieben von ihnen schafften es bis ins Finale. Insgesamt sind es nun schon über 1.500 nachahmenswerte Projekte, die alle auf der „Landkarte des Engagements“ unter www.Mein-gutes-Beispiel.de aufgeführt sind. „Bei der Auswahl der Preisträger 2014 achtete die Jury vor allem auf die Langfristigkeit des Projekts, unternehmerische Kompetenz, Kreativität, regionale Nähe, Zusammenarbeit mit Partnern sowie auf die Übertragbarkeit der Idee auf andere Regionen“, erläutert Dirk Stocksmeier, Vorsitzender von „Unternehmen für die Region e.V.“. „Die drei diesjährigen Gewinner zeichnen sich durch besonders preiswürdige Ideen aus“, ergänzt er.

BioMARKT Roland Geist GmbH: barrierefreies Arbeiten

Zu den Ausgezeichneten 2014 zählt die BioMARKT Roland Geist GmbH, die in der baden-württembergischen Stadt Öhringen Arbeitsplätze für Mehrfachbehinderte realisiert und das Projekt „Wohnen und Arbeiten für Menschen mit Behinderung in Öhringen“ etabliert hat. Zunächst als Praktikantinnen eingestellt, sind mittlerweile drei Mitarbeiterinnen mit leichter geistiger oder schwerer körperlicher Behinderung fest angestellt. Die Backwarentheke und auch der Kassenbereich im Markt sind dabei so konstruiert worden, dass alle drei Mitarbeiterinnen die Kunden direkt bedienen können – sogar im Rollstuhl.Durch dieses Projekt ermöglichen Roland Geist und seine Frau Brigitte den behinderten Mitarbeiterinnen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

inallermunde kommunikation: der Leutkircher Bürgerbahnhof

Weil der Kommune das Geld für die Sanierung fehlte, entwickelte Christian Skrodzki, Mitinhaber der Werbeagentur inallermunde kommunikation, 2005 ein Rettungs- und Nutzungskonzept für den denkmalgeschützten Bahnhof in Leutkirch. Im Rahmen einer Bürgergenossenschaft investierten rund 700 Bürger 1,1 Millionen Euro und über 4.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit in das historische Bahnhofsgebäude. 2012 wurde die Sanierung erfolgreich abgeschlossen. Mittlerweile haben sich eine Gastronomie mit Hausbrauerei, verschiedene Design- und Medienfirmen sowie das Informationszentrum Nachhaltige Stadt dort angesiedelt.

Klinikum Dahme-Spreewald GmbH: Im Einsatz für die Jüngsten

Das Projekt „Netzwerk Gesunde Kinder“ der Klinikum Dahme-Spreewald GmbH vermittelt jungen Familien eine ehrenamtliche Unterstützung für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder. Die Patinnen und Paten nehmen zunächst an einer speziellen Weiterbildung teil, bevor sie die neuen Familien von der Schwangerschaft bis zum Ende des 3. Lebensjahres des Kindes – und oft sogar darüber hinaus – begleiten. Durch dieses Netzwerk konnten seit 2007 schon mehr als 300 Babys betreut werden. Die 80 bis 100 aktiven Paten unterstützen jährlich zwischen 130 bis 150 Kinder und deren Eltern.

Auch die weiteren Finalisten 2014 haben Vorbildliches in ihrer und für ihre Region geleistet.

Mit dem Projekt „schlau & fit – Verantwortung für die Region“ fördert der Telekommunikationsanbieter DOKOM21 Einrichtungen und Institutionen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit im Großraum Dortmund. Dazu gehört die Übernahme einer Patenschaft für eine gesamte Jahrgangsstufe einer Hauptschule aus einem Brennpunktgebiet von der 5. bis zur 10. Klasse. Das Unternehmen hilft den Jugendlichen mit zahlreichen Aktionen und Sachleistungen unter anderem bei der Berufsvorbereitung und Praktikumssuche.

Die Flughafen Stuttgart GmbH hat in Kooperation mit der Studenteninitiative „enactus“ und der Stuttgarter Organisation Trott-war e. V. die Initiative „Spende dein Pfand“ auf dem Stuttgarter Flughafengelände ins Leben gerufen. Mit diesem Pfandflaschensammelprojekt werden nicht nur sozial benachteiligte Menschen wieder in den Arbeitsmarkt integriert, sondern auch die Umwelt geschont und eine soziale Organisation unterstützt.

Im Jahr 2012 eröffnete das Modeunternehmen GERRY WEBER International AG eine hauseigene Kindertagesstätte in Halle/Westfalen mit bis zu 95 Plätzen, in der neben Erzieherinnen auch eine ausschließlich Englisch sprechende Mitarbeiterin sowie Kunst-, Bewegungs- und Musiktherapeutinnen arbeiten. Die Kita gilt als Vorzeigeprojekt zur Förderung von Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg fördert mit der eigens gegründeten United Kids Foundations Projekte für Kinder und Jugendliche in der Region. Das Unternehmen stellt den Kontakt zwischen regionalen Initiativen und lokalen Institutionen her, sodass bereits eine Vielzahl an Veranstaltungen für Kinder, oft unter prominenter Schirmherrschaft, stattfinden konnte.

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