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Samstag morgen, 8.30 Uhr. Das derzeitige Lieblingslied von Mika Hennings ertönt. Einen Augenblick lang braucht die 36-jährige Softwareingenieurin zur Orientierung, dann ruft sie kurz: „Noch zehn Minuten!“ Aus dem Off mahnt Mikas persönlicher Computer: „Geht heute leider nicht. Du hast um 10.00 Uhr eine Besprechung!“

Im Jahr 2025 wird die Arbeitswelt sehr viel flexibler sein als in der Gegenwart. Das klassische Wochenende wird es so nicht mehr geben, Jobs werden erledigt, wenn sie anfallen. Oft gehen die Menschen auch nicht mehr zur Arbeit, sondern die Arbeit kommt zu den Menschen: Viele Tätigkeiten können zu Hause erledigt werden. Projektbezogen nutzen immer mehr Berufstätige zudem sogenannte Coworking Spaces, kurzzeitig anmietbare Büroräume inklusive aller nötigen Arbeitsmittel. Für Mika geht es heute aber ins Büro.

Digitale Welt: Nichts geht ohne Internet und soziale Medien

Auf dem Weg zur Arbeit informiert sich Mika mit ihrem drahtlosen Kommunikationsgerät über das aktuelle Weltgeschehen und Neuigkeiten aus ihrem Freundeskreis. Per Liveschaltung gratuliert sie einer Freundin aus Südamerika zum Geburtstag und klärt einige Details der anstehenden Besprechung mit einem Kollegen. Schließlich pflegt sie noch kurz ihr digitales Äußeres.

Neben unserem analogen Auftreten – Kleidung, Verhalten und Fähigkeiten – spielt unser Erscheinungsbild im Netz, unser Profil in sozialen Netzwerken, zukünftig eine sehr große berufliche wie private Rolle. Denn das Internet durchdringt alle Lebensbereiche und wird für die Menschen, Unternehmen und Gesellschaft unverzichtbar sein. Es verspricht die vollständige Transparenz von Wissen, Erfahrungen und Meinungen.

Alle unsere Daten werden in der Cloud sein, das heißt, sie liegen auf ausgelagerten Rechnern und sind für uns jederzeit und weltweit zugänglich. Über die omnipräsenten sozialen Medien können wir zudem mit jedem Menschen auf der Erde in Echtzeit kommunizieren – und effektive Kommunikation ist die Basis, um in einer internationalen und immer komplexer werdenden Arbeitswelt erfolgreich zu bestehen.

SmartRooms und Konzentration auf das Wesentliche

Am Empfang im Büro weist eine freundliche dreidimensionale Projektion Mika auf einen freien Arbeitsplatz hin. Dort angekommen, passen sich Stuhl, Tisch und Licht sofort an ihr Profil an, sodass sie ohne Ablenkung an die letzten Vorbereitungen für die Besprechung gehen kann. Die Konferenz auf der digitalen Leinwand beginnt pünktlich um 10.00 Uhr, schließlich ist es bei ihren Gesprächspartnern in Tokio bereits früher Abend.

Technische Errungenschaften werden das Arbeiten der Zukunft einfacher und angenehmer machen. Sogenannte SmartRooms stellen sich sensorgesteuert auf die persönliche Arbeitssituation und Stimmung des jeweiligen Mitarbeiters ein und passen Mobiliar, aber auch Beleuchtung, Akustik oder Temperatur individuell an. Große Touch-Screens und Hologrammtechniken ermöglichen neue Arbeitsweisen und Präsentationen. Routinearbeiten wie Recherche oder Archivieren erledigen die Computer von alleine, sodass wir uns auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren können. Texte und auch Gesprochenes werden automatisch dokumentiert und bei Bedarf sofort in andere Sprachen übersetzt.

Status-Symbol der Zukunft: die Work-Life-Balance

Nach der Konferenz ist für Mika heute Feierabend. Vom Büro aus geht sie direkt ins Nachbarschaftszentrum, wo sie sich für sozial benachteiligte Kinder engagiert. Nachmittags holt sie ihre kleine Tochter aus der betriebseigenen Kindertagesstätte ab, die ihr Mann dort heute Morgen hingebracht hatte. Gemeinsam besuchen sie nun Mikas Mutter. Sie ist nach einem Unfall auf familiäre Unterstützung angewiesen.

Die Globalisierung sorgt für einen zunehmenden internationalen Wettbewerb. Der Leistungsdruck für jeden Mitarbeiter ist hoch. Eine steigende Anzahl Unternehmen vergütet gute Arbeit deswegen nicht nur mit Geld. Sie kümmern sich vielmehr intensiv um die mentale und körperliche Fitness sowie die Leistungsfähigkeit ihrer Angestellten und machen entsprechende Angebote, zum Beispiel in der Gesundheitsvorsorge oder bei der Weiterbildung. Denn mit der Lebensqualität der Mitarbeiter steigt auch deren Arbeitskraft.

Durch Heimarbeit und die flexible Aufteilung der Arbeitszeiten steht uns in der Zukunft, trotz steigender Anforderungen im Job, aber auch mehr Zeit zur Verfügung. Das ermöglicht uns, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, etwa unsere Kinder zu betreuen, Angehörige zu pflegen oder uns ehrenamtlich zu betätigen. Immer mehr Menschen achten darauf, dass ihnen ihr Berufsleben nicht über den Kopf wächst und dass ihnen genügend Zeit zum Leben bleibt: Eine sichtbar gelebte Work-Life-Balance gilt als Status-Symbol. Und auch die Unternehmen profitieren: Sie erhöhen so die Chance, weltweit begehrte qualifizierte Mitarbeiter zu werben und zu binden.

Folge des demografischen Wandels: mehr Vielfalt

Abends bei ihrer Mutter ist Mikas Familie wieder vereint. Als letzter trifft auch ihr Vater ein. Mika hatte ihm versprochen, sich nachmittags um die kranke Mutter zu kümmern. So hatte er die Zeit, ein paar Stunden in seiner alten Firma auszuhelfen, obwohl er schon seit mehreren Jahren in Rente ist.

Immer weniger Firmen können und wollen es sich zukünftig leisten, auf das Know-how ihrer verdienten Mitarbeiter zu verzichten. Senioren werden bis weit über das offizielle Rentenalter hinaus in Büro- und Wissensarbeitsprozesse der Unternehmen eingebunden sein. Der demografische Wandel hinterlässt in den nächsten Jahren zudem weitere Spuren. In den Unternehmen entsteht eine nicht gekannte Vielfalt in der Belegschaft: Jüngere wie ältere Frauen und Männer aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Lebensanschauungen arbeiten zusammen und profitieren wechselseitig von ihren persönlichen Erfahrungen und ihrem Wissen.

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