Raffaela Lintl und Rihab Chaieb im Gespräch
Jan Voth

Auch in der Musikwelt verlaufen Karrierewege nicht nur schnurgerade. Die kanadische Mezzo-Sopranistin Rihab Chaieb sammelte ihre ersten Bühnenerfahrungen zwar schon in der Schulzeit - aber in einer Heavy Metal Band. „Ich konnte gar nicht so gut singen“, erinnert sie sich. Deshalb nahm sie Musikunterricht für Klassik-Stimmen. Das war eine richtungsweisende Entscheidung Nach dem Gesangstudium an der McGill-University in Montreal sammelte Rihab Chaieb erste große Bühnenerfahrung an der Canadian Opera Company in Toronto. Obwohl sie dort schon mehr als 20 Rollen sang, sieht sich die junge Künstlerin erst am Anfang ihrer Laufbahn. Wesentlichen Anschub für eine lange Karriere erhofft sie sich dabei von der Teilnahme am Meisterkurs 2014.

Auf den ersten Blick scheinen Heavy Metal und Oper überhaupt nicht zu vereinbaren zu sein - was hat Ihnen den Antrieb für diesen offensichtlich großen Sprung ins klassische Fach gegeben?
Beide Musikstile haben ihre Gemeinsamkeit in der Herausforderung, vor dem Publikum auf der Bühne zu stehen und es mit der eigenen Stimme zu überzeugen. Dafür muss man unglaublich viel lernen, immer wieder am eigenen Können arbeiten, um wirklich das Beste geben zu können. Die Oper ist dabei natürlich eine besonders faszinierende Welt und eine besondere Aufgabe. Jede Aufführung ist anders, jedes Mal steht man vor einer neuen, einer anderen Herausforderung. Und jedes Mal geht es allein um eins: die Verbindung zu dem einen Menschen im Publikum zu finden und ihn zu berühren, für den der Abend das schönste und wundervollste Ereignis seines Tages sein wird. Wir auf der Bühne haben die Möglichkeit, die Menschen in eine andere Welt mit neuen, einzigartigen Empfindungen zu entführen - und wenn es nur für die Dauer einer einzigen Arie ist. Und das ist es, was das Leben als Musikkünstler so besonders macht.

Tragende Säule meiner Karriere

Sie haben ja schon einige Stationen auf Ihrem Karriereweg erreicht. Kann Ihnen die Bertelsmann Stiftung überhaupt noch für Ihren weiteren Weg helfen?
Natürlich kann sie das, und sie hat das auch schon sehr gut getan. Nach meiner Teilnahme am Wettbewerb Neue Stimmen 2013 haben mich einige sehr interessierte Agenten angesprochen; auch auf die Videos auf You tube über meine Teilnahme am Halbfinale habe ich wundervolle Reaktionen bekommen. Vor allem aber meine Begegnung mit dem Leiter der Vorauswahlen für die Neuen Stimmen, Brian Dickie, habe ich viel zu verdanken. Brian hat mich mit ganz vielen einflussreichen Menschen bekannt gemacht und ist damit eine der tragenden Säulen meiner Karriere geworden.

Wie sind Sie vor diesem Hintergrund auf die Idee gekommen, sich um den Meisterkurs zu bewerben und was versprechen Sie sich von der Teilnahme?
Zunächst einmal verspreche ich mir davon viel Spaß, Freude und eine interessante Erfahrung. Ich werde eine Menge Leute wiedersehen, die ich schon bei den Neuen Stimmen kennengelernt habe. Uns verbindet viel, auch wenn wir uns nur kurz gesehen haben. Über Monate konnten wir den Kontakt nur über Facebook halten, deswegen ist es umwerfend, dass wir uns nun wieder treffen. Aber das ist natürlich nicht alles. Ich will während des Meisterkurses arbeiten, arbeiten und arbeiten. Und ich freue mich wahnsinnig auf das Abschlusskonzert. Ach ja, warum ich mich beworben habe? Wenn Sie die Chance bekommen können, von Experten wie dem Tanz- und Stimmtrainer John Norris zu lernen, müssen Sie sich einfach bewerben.

An einem großartigen Phänomen teilhaben

Was ist an dem Meisterkurs-Programm so interessant? Sind es die Dozenten wie John Morris?
 Es ist das Angebot in seiner Gesamtheit. Auch wenn es ein Meisterkurs ist, sind wir doch alle noch junge Sänger. Und auf einmal bekommen wir die Möglichkeit, an einem großartigen Phänomen wie den Neuen Stimmen teilzuhaben, das auch noch jede Menge Aufmerksamkeit in den Medien und in der Opernwelt nach sich zieht. Die meisten von uns sind ja bereits in den Startlöchern für ihre Karriere. Aber wir brauchen eben noch eine kleine Hilfe, einen kleinen Anschub, um tatsächlich zu starten.

Und diesen Anschub wird Ihnen das Meisterkurs-Programm geben?
Ohne jeden Zweifel! Die Zusammenarbeit mit den Meister-Dozenten wird meine Fähigkeiten stärken. Wir brauchen Menschen, die an die Zukunft der Oper glauben und an die Generation junger Sänger glauben, der ich angehöre. Genau diese Menschen treffe ich in der Bertelsmann Stiftung; und es ist einfach wunderbar, dass sie mich unterstützen. Also, der Meisterkurs kann gar nichts anderes sein als ein weiterer, kräftiger Anschub für meine Karriere.

Die ersten Schritte auf ihrem Karriereweg hat Raffaela Lintl schon unternommen, bevor sie 2014 ihr Gesangstudium an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar abschloss. Unter anderem stand die Sopranistin als Fiordiligi in Cosi fan tutte auf der Bühne, sang die Rolle der Micaela aus Bizets Carmen und gab gerade ihr Debüt als erste Dame in Mozarts Zauberflöte. 2013 war sie die einzige deutsche Teilnehmerin in der Endrunde des Gesangwettbewerbes Neue Stimmen. Nach den vielen guten Erfahrungen, die sie im Wettbewerb sammeln konnte, hat sich die junge Sängerin um einen Platz im Meisterkurs 2014 beworben - und die Jury mit ihrem Auftritt überzeugt.

Was ist für Sie so faszinierend an der Musik, dass Sie den ja nicht gerade leichten Weg zu einer Karriere auf der Bühne eingeschlagen haben?
Es ist die Musik selbst, die mich motiviert, diesen Weg zu gehen. Musik verbindet Menschen. Und Musik kann so vieles: sie kann Menschen berühren, erfreuen, unterhalten, faszinieren, trösten, heilen und bestimmt noch ganz viel mehr. Musik ist vielseitig, sie kann fröhlich, traurig, aufmunternd und beruhigend, laut und leise, langsam und schnell sein. Musik ist einfach etwas wunderbares, das ein ganzes Leben ausfüllen kann.

Welche Bedeutung hat die Bertelsmann Stiftung für Ihren Karriereweg?
Zunächst einmal ist es eine großartige Anerkennung, dass ich in die Endrunde des Gesangwettbewerbes Neue Stimmen gekommen bin. Dieser Wettbewerb ist weltweit bekannt und genießt international ein hohes Ansehen. Über die Anerkennung hinaus haben sich mir durch die Teilnahme an dem Wettbewerb Möglichkeiten eröffnet, die ich in dieser Form gar nicht oder nur mit sehr viel Aufwand bekommen hätte. Zum Beispiel habe ich anschließend Einladungen zum Vorsingen bekommen, die ich ohne die „Neuen Stimmen“ wahrscheinlich so einfach nicht erhalten hätte. Grundsätzlich kann ich zudem sagen, dass sich die Stiftung allein schon durch die Begleitung und Betreuung vor und nach dem Wettbewerb stark auf meinem Karriereweg unterstützt.

„Von erfahrenen und großartigen Künstlern etwas lernen“

Was versprechen Sie sich von der Teilnahme am Meisterkurs 2014?
Beim Wettbewerb 2013 habe ich schon einen guten Eindruck bekommen, welche Möglichkeiten die Stiftung jungen Künstlern bietet. Seinerzeit konnte ich beim Lied-Kurs mit Angelika Kirschlager zuhören und eine Stunde mit John Norris arbeiten. Genau wie das Feedback der Jury haben mir diese Begegnungen gezeigt, wie wichtig der Austausch mit anderen Künstlern und ihr Wissen für meine eigene Entwicklung ist. Von dem Meisterkurs verspreche ich, dass ich von erfahrenen und großartigen Musikern und Künstlern etwas lernen kann. Ich freue mich darauf, dass sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit mir teilen. Das Interessante an dem Meisterkurs ist es, dass über die musikalischen und künstlerischen Aspekte hinaus viele weitere Themen anspricht. So freue ich mich auf den Austausch mit dem renommierten Agenten und erwarte mir wichtige Hinweise aus der Beratung in Sachen Karrieremanagement. Und letztlich wird das Abschlusskonzert im Foyer der Bertelsmann Stiftung bestimmt ein ganz besonderer Auftritt und ein besonderes Erlebnis für mich.

Fit für die Opernlaufbahn

10. Meisterkurs NEUE STIMMEN 2014

Im Meisterkurs der NEUEN STIMMEN kommen junge Talente aus aller Welt für eine Woche zusammen und werden von erfahrenen Experten auf den Opernbetrieb vorbereitet. weiterlesen