Diskussion der Kids-Jury mit Stefanie Neufeld in der Mitte, lachend
© Jan Voth

Stefanie Neufeld, 17 Jahre alt, geht auf die Friedensschule in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Sie war Mitglied der achtköpfigen Schülerjury, die den diesjährigen "Alle Kids sind VIPs"-Sieger auswählen durfte. Dies ist ein Wettbewerb der Bertelsmann Stiftung, der Projekte auszeichnet, die das Zusammenleben und -lernen von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft voranbringt.

Die Friedensschule fördert seit 1986 Schüler mit Migrationshintergrund und wurde 2011 selbst für ihr Buch "Angekommen/angenommen" ausgezeichnet. Darin erzählen Schülerinnen und Schüler über ihren Weg nach Deutschland und über ihr Leben hier.

Stefanie, Sie mussten aus elf Finalisten die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs „Alle Kids sind VIPs“ küren. Wie schwierig war die Entscheidung für die Jury?

Die war sogar sehr schwierig! Die Schulen hatten sich ja alle viel Mühe gegeben! Aber wir hatten auch Kriterien, nach denen wir vorgehen mussten. Beispielsweise, ob ein Projekt nachhaltig ist, oder welche Breitenwirksamkeit es hat. Sie waren alle toll, und es gab auch kleinere Diskussionen unter uns Juroren, aber im Prinzip waren wir uns recht schnell einig, welche fünf zu den Siegern gekürt werden.

"Es war schon anstrengend"

Wie lief die Jurysitzung ab?

Wir hatten schon vorab zu jedem Projekt Beschreibungen zugesandt bekommen, sodass wir uns schon mal einlesen konnten. Am Tag der Jurysitzung bekamen wir dann noch PowerPoint-Präsentationen gezeigt, und die Projekte wurden genauer beschrieben. Danach teilten wir uns in zwei Gruppen und wählten unsere Favoriten.

Wie stark haben die Köpfe geraucht?

Es war schon anstrengend, aber wir konnten das immer wieder mit spielerischen Elementen und Auflockerungsübungen abwechseln. Außerdem gab’s supertolles Essen!

Ihre Schule beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Integration. Gibt es trotzdem noch Probleme im Alltag?

Es gibt leider immer wieder rassistisch motivierte Auseinandersetzungen; meistens richten sich die Aggressionen gegen muslimische Schüler. 

Worum geht es in diesen Konflikten?

Meistens beginnt es mit Klischees und Vorurteilen. Schüler, die aus Afghanistan oder dem Iran kommen, sind dann gleich "Terroristen", wer Russe ist, "Trinkt ja nur Wodka" und solche Sachen. Bei den Jungs endet das schnell in einer Schlägerei. 

Gestärktes Gemeinschaftsgefühl

Was hat der Sieg bei „Alle Kids sind VIPs“ an Ihrer Schule bewirkt?

Das war einfach eine große Ehre. Diese Auszeichnung hat ganz sicher das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, weil auch die Schüler, die an dem Projekt nicht direkt mitgearbeitet haben, im Internet dafür abstimmen und so zum Gewinn beitragen konnten. 

"Vielleicht merken immer mehr Menschen durch solche Wettbewerbe, wie stark Rassismus und Chancenungleichheit in unserer Gesellschaft vertreten sind."

Stefanie Neufeld

Was hat Ihnen am besten an dem Projekt "Angekommen/Angenommen" gefallen, mit dem Ihre Schule 2011 gewonnen hat? 

Die Schüler, die für das Buch interviewt wurden, hatten sehr spannende Geschichten zu erzählen. Und auch wenn ich viele von ihnen nicht persönlich kennengelernt habe, weil das Projekt schon sehr lange läuft, habe ich trotzdem Gefühle für sie entwickelt. Man sieht anhand dieser Geschichten erst, wie schwachsinnig es ist, etwas gegen Ausländer zu haben.

Kampf gegen Rechts

Gibt es an der Friedensschule denn mittlerweile ein neues Projekt?

Oh, bei uns ist immer was los! Wir hatten vor allem bei den letzten Kommunalwahlen große Probleme mit rechtspopulistischen Parteien. Die plakatierten die Straße zwischen unseren beiden Schulgebäuden mit zweideutigen Sprüchen voll. Vor allem die kleineren Kinder aus den fünften und sechsten Klasse hatten deshalb wirklich Angst und weinten. Zwei Schüler wurden sogar von Anhängern dieser Parteien bedroht! Wir haben daraufhin sofort unsere eigenen Plakate gemacht und vor der Schule aufgehängt.

Was finden Sie an dem Wettbewerb „Alle Kids sind VIPs“ am wichtigsten?

Es geht nicht darum, der Beste zu sein, sondern darauf aufmerksam zu machen, dass viele Migranten in Deutschland keine Chance auf Asyl bekommen und ausgegrenzt werden. Das klingt klischeehaft, aber vielleicht merken immer mehr Menschen durch solche Wettbewerbe, wie stark Rassismus und Chancenungleichheit in unserer Gesellschaft vertreten sind, und immer mehr Menschen stehen auf, um etwas dagegen zu tun. Dadurch wird die Welt ein bisschen besser.

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