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Kweku aus Ghana kocht Thüringer Klöße. Er steht in der Erfurter Küche von Claudia Wilsdorf und Christoph Democh und formt Teigkugeln aus den geriebenen und gepressten Kartoffeln, die er kurz zuvor mit Claudia Wilsdorf gemeinsam geschält hat. Das Erfurter Paar und der Student aus Ghana haben einander gesucht und gefunden. „Und Petra Eweleit von der Fachhochschule Erfurt hat dabei tatkräftig mitgeholfen.“

Sie ist die Leiterin des Projektes „Fremde werden Freunde“, das seit 2002 Patenschaften zwischen ausländischen Studenten und Erfurter Bürgern vermittelt. Im Sommersemester 2014 sind 53 neue "Patenkinder" aus 20 Ländern dazugekommen, mittlerweile gibt es insgesamt 280 Patenschaften für Studenten aus 65 Ländern. "Die ausländischen Studierenden, die wir zuerst als Fremde bezeichnen, werden tatsächlich Freunde", sagt Petra Eweleit. "Der Name könnte nicht besser passen."

"Fremde werden Freunde" ist ein gemeinsames Projekt von Universität, Fachhochschule und Stadtverwaltung Erfurt sowie des Thüringer Instituts für Akademische Weiterbildung. Es soll ausländischen Studenten wie Kweku nicht nur ihre Studienzeit in Erfurt erleichtern, sondern ihnen auch die Möglichkeit geben, möglichst viel von ihrem Gastland kennenzulernen. Davon profitieren allerdings nicht nur die Studenten.

Der Kontakt zu Kweku sei "eine totale Bereicherung für uns", sagt Claudia Wilsdorf. "Man lernt eine ganz andere Kultur kennen." Und das, ohne Erfurt zu verlassen.

In jedem Semester werden die Neuzugänge mit einem eigenen Begrüßungsabend willkommen geheißen. Im Wintersemester lädt dafür das Erfurter Rathaus in seinen Festsaal. Das vergangene Sommersemester wurde wie immer in der Engelsburg eröffnet. Die neuen Studenten stellten sich bei dieser Veranstaltung in ihrer Muttersprache vor, und die Erfurter mussten erraten, woher sie kommen. Erst danach enthüllten die Gäste ihre Namensschilder, damit sich die einander zugeteilten Paten und Patenkinder finden konnten.

Das Projekt im Video (englisch)

 

"Luyao ist ein Teil unseres Lebens geworden", sagt Hilde Echtermeyer. "Sie gehört einfach dazu." Gemeinsam mit ihrem Mann Hans hat sie die Patenschaft für die Studentin aus China übernommen. Auch sie genießen es, einander ihre jeweiligen Kulturen näherzubringen. Beispielsweise, indem die Echtermeyers Luyao mit nach Eisenach nehmen, um mit ihr gemeinsam das Bachhaus zu besuchen. "Wir haben viel mehr darüber erfahren, wie man in einer chinesischen Familie sein Leben gestaltet", sagt Hans Echtermeyer. "Das hat Luyao uns mitgebracht."

Mehr Kulturen bedeutet: mehr Feste

Seit 2006 kommt der gegenseitige Kulturaustausch auch den Erfurter Wirtschaftstreibenden zugute. Für die Firmen sind vor allem die sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen der Gäste von Vorteil. Die Studenten wiederum brauchen für manche Studienfächer Praktikumsplätze. Das Thüringer Institut für Akademische Weiterbildung veranstaltet regelmäßig Seminare, in denen sich die Teilnehmer nicht nur über Firmen in der Umgebung informieren können , sondern auch praxisbezogene Fertigkeiten lernen, wie das Verfassen von Bewerbungsschreiben.

"Luyao ist ein Teil unseres Lebens geworden."

Hilde Echtermeyer

Damit allerdings das Vorurteil entkräftet wird, in Deutschland werde immer nur gearbeitet, entkräftet wird, ergreifen die Organisatoren von "Fremde werden Freunde" jede Gelegenheit, um ein interkulturelles Fest zu organisieren. Da viele Studierende aus China kommen, feierte man gemeinsam mit dem Konfuzius-Institut sowie mit Mitgliedern des Ostasiatisch-Deutschen Kreativ Vereins das chinesische Neujahrsfest, traditionellerweise das größe Familienfest. 

Im Gegenzug lernten die ausländischen Studenten selbstverständlich auch eine der wichtigsten hiesigen Traditionen kennen: den Weihnachtsmarkt.

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