Flüchtlinge in Deutschland
Die Aufnahme und Integration der zahlreichen Flüchtlinge seit dem vergangenen Jahr ist für Deutschland eine enorme Herausforderung. Das Land steht unter großem Druck, auf vielen Ebenen kurzfristige Lösungen zu schaffen und dabei gleichzeitig eine langfristige Vision für eine Integration der Menschen zu schaffen.
Eine große Anzahl von Migranten kommen an der mazedonischen Grenze an.

Wir möchten dazu beitragen, den Diskurs über Flüchtlinge und Migration zu versachlichen und dauerhafte Lösungen zu entwickeln. Auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen und empirischen Beobachtungen sensibilisieren wir für Verbesserungsbedarfe und entwickeln langfristig wirksame Handlungskonzepte sowie skalierbare Lösungen. Wir nehmen dabei alle Akteure sowie alle Ebenen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Handelns inklusive der Herkunftsländer in den Blick. Durch eine enge Vernetzung mit den relevanten Akteuren kommt unsere Unterstützung dort an, wo sie gebraucht wird. Unsere Arbeit deckt fünf Dimensionen ab, die die Herausforderungen und Erfahrungen von Flüchtlingen und Migranten sowie des Aufnahmelandes widerspiegeln:

Publikation



  • Aufbruch und Flucht
  • Integration vor Ort
  • Integration durch Bildung
  • Integration durch Arbeit
  • Zusammenhalt der Gesellschaft
Aufbruch und Flucht

Fluchtursachen, Migrationswege, Asylverfahren, europäische Lösungen

Fluchtursachen wie Krieg, politische Verfolgung und sozio-ökonomische Perspektivlosigkeit müssen global bekämpft und Lösungen ganzheitlich gedacht werden. Um Migration im Sinne aller Beteiligten zu gestalten, sind Maßnahmen zum Kompetenzaufbau in Herkunftsländern ebenso wichtig wie legale Einwanderungswege und eine faire Verteilung der Ankommenden. Die EU ist zentraler Akteur bei der Stabilisierung von Regionen und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Drittstaaten. Doch sie muss nationale Interessen der Mitgliedstaaten und europäische Solidarität verbinden. Kohärente Politikansätze und effiziente Verwaltungsprozesse sind ebenso gefordert wie internationale Kooperation zwischen Herkunfts- Transit- und Zielländern.

Integration vor Ort

Aufnahme und Engagement in den Kommunen

Integration ist eine Aufgabe, die vor Ort gelöst wird. Kommunen und zivilgesellschaftliche Initiativen spielen hier die entscheidende Rolle. Seit der Nachkriegszeit standen beide allerdings nicht mehr vor einer vergleichbaren Herausforderung, in kürzester Zeit so viele Menschen in Not aufzunehmen. Dominierten zunächst Fragen der Aufnahme die Diskussion, sind nun kooperative Konzepte gefragt, wie die Menschen, die bleiben werden, integriert werden können. Die Aspekte reichen von dezentraler Wohnunterbringung, individueller Sprachvermittlung,  der besonderen Unterstützung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Integration in Arbeit und Bildung sowie Bereitstellung zusätzlicher KITA-Plätze bis hin zur Gesundheitsversorgung.

Integration durch Bildung

Junge Menschen mit Fluchtgeschichte fördern und befähigen

Kinder und junge Menschen haben ein Recht auf Bildung - auch als Flüchtling. Zudem gelten Kita, Schule, Ausbildung und Hochschule als Schlüssel zum Spracherwerb und zur Integration. Die aktuelle Zuwanderung erfordert neben neuen Kapazitäten auch neue Kompetenzen in den Bildungseinrichtungen, denn junge Menschen mit Fluchtgeschichte bringen besondere Bedarfe in den Lernalltag. Um diese zu erkennen und zu berücksichtigen, benötigen pädagogische Fachkräfte und weiteres Personal angemessene Aus- und Weiterbildung sowie didaktisches Material und Rahmenbedingungen für die individuelle Förderung.

Integration durch Arbeit

Kompetenzen erkennen und Wege öffnen

Arbeit ist zentral für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Flüchtlingen fällt die Aufnahme einer Beschäftigung jedoch besonders schwer. Eine unklare Bleibeperspektive, mangelnde Sprachkenntnisse, kulturelle Unterschiede, Traumatisierung sowie rechtliche Hürden machen besondere Unterstützungsangebote notwendig. Ein abgestimmter Gesamtprozess muss eine Vielzahl von öffentlichen und privaten Akteuren einbeziehen. Die Beratung während des Asylverfahrens, eine frühestmögliche Sprachförderung, Berufsorientierung und Praktika bei Arbeitgebern sowie die Feststellung von beruflichen Kompetenzen und die Vermittlung in Arbeit und Ausbildung müssen sinnvoll ineinander greifen, um auch Flüchtlingen nachhaltige Erwerbsperspektiven zu eröffnen.

Zusammenhalt der Gesellschaft

Vielfalt, Toleranz und Werte leben

Die Flüchtlingssituation stellt die Frage nach grundlegenden gesellschaftlichen und menschlichen Werten, Vielfalt und Toleranz mit neuer Dringlichkeit. Und sie stellt eine doppelte Integrationsaufgabe: Es gilt einerseits, die zu integrieren, die nach Deutschland kommen und andererseits alle zusammen zu halten, die bereits im Lande leben. Die notwendige Integration von Flüchtlingen verändert dabei den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Einstellung gegenüber Fremden in der Mehrheitsgesellschaft. Für uns als Bertelsmann Stiftung geht es auch darum, das notwendige Wissen dafür zu generieren und für eine sachliche Diskussion zur Verfügung zu stellen.

Beiträge

Alle anzeigen
Eine brünette Frau und eine Frau im Kopftuch schauen auf ein Blatt Papier

Studie

Fast die Hälfte der Muslime engagiert sich in der Flüchtlingshilfe

Muslime koppeln sich ab und tragen nichts zu unserem Zusammenleben bei? Ganz im Gegenteil. Muslime in Deutschland engagieren sich stärker in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe als Christen oder Atheisten – das zeigt unsere Auftaktstudie des Religionsmonitors 2017. Weil sie in ihrem Alltag selbst oft mit zwei Kulturen leben, sind Muslime wichtige Brückenbauer in unsere Gesellschaft. weiterlesen

Podiumsdiskussion der Bertelsmann Stiftung auf der Münchner Sicherheitskonferenz. V.l.n.r.: William Swing, Generaldirektor der International Organization for Migration, Alaa Murabit, Gründerin der NGO „Stimme der libyschen Frauen“, Johannes Hahn, EU

Veranstaltung

Fluchtursachen müssen dringend angegangen werden

Warum fliehen immer mehr Menschen aus Afrika, Asien und Südosteuropa und was können wir tun, um die Fluchtursachen zu bekämpfen? Dazu stellten wir am 17. Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz ein neues Buch vor und diskutierten mit EU- und Nahost-Experten. weiterlesen

Dutzende Menschen, vermutlich Flüchtlinge, laufen in einer breiten Reihe auf einem grasbewachsenen Hügel entlang.

Publikation

Teufelskreis Flucht: Ursachen bekämpfen, praktisch helfen

Warum flüchten immer mehr Menschen? Wodurch können wir die Fluchtursachen bekämpfen? Und wie können wir Flüchtlingen in Europa helfen? Unser Sammelband mit internationalen Autoren liefert Antworten. weiterlesen

Publikationen

Alle anzeigen

Publikation

Challenging Chances

Wir schaffen das! #refugeeswelcome. Das Flüchtlingsthema ist allgegenwärtig. Dabei ist es kein abstraktes Phänomen, sondern begegnet uns inzwischen ... weiterlesen

Publikation

Das Asylsystem Schwedens

In seiner Untersuchung gibt Dr. Bernd Parusel einen Überblick über das schwedische Asylsystem. weiterlesen

Publikation

Vielfalt statt Abgrenzung

Im Jahr 2015 hat Deutschland mehr als eine Million flüchtende Menschen aufgenommen. Sie kamen vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, ... weiterlesen

Publikation

Factsheet Einwanderungsland Deutschland

Im Jahr 2015 sind über eine Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Was bedeutet das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? weiterlesen

Mediathek

Alle anzeigen

Video

Statement - Wir dürfen es nicht den Populisten überlassen

Unser Experte für gesellschaftlichen Zusammenhalt Kai Unzicker bezieht Stellung zu den Themen Flucht und Einwanderung. Er macht mit Blick auf unserer Neuerscheinung "Vielfalt statt Abgrenzung" deutlich, welche Gefahren in der aktuellen Debatte lauern. weiterlesen

Video

Flüchtlingskinder lernen Deutsch mit Musik

Unser Pilotprojekt "Musik, Sprache, Teilhabe" soll Kindern und Jugendlichen mit Fluchtgeschichte dabei helfen, leichter Deutsch zu lernen und so einen Beitrag zu ihrer schnellen Integration leisten. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Liz Mohn, Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und die niedersächsische Landesbeauftrage für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, stellten beim gemeinsamen Besuch der Erstaufnahmeeinrichtung Friedland vor, wie dieses Ziel erreicht werden kann. weiterlesen