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© Bernd Jonkmanns

Herr Große Starmann, was ist der Wegweiser Kommune?

Carsten Große Starmann: Der Wegweiser Kommune ist ein im Internet frei zugängliches und kostenfreies Informationsportal für Kommunen und alle, die in diesen leben oder mit ihnen zu tun haben. Wir wollen politischen Entscheidungsträgern und strategischen Planern, aber auch engagierten Bürgerinnen und Bürgern sowie interessierten Journalisten einen Blick auf die Entwicklung von Städten, Gemeinden und Landkreisen in den Bereichen Demographischer Wandel, Finanzen, Bildung, Soziale Lage und Integration ermöglichen.

Wie funktioniert das konkret?

Carsten Große Starmann: Für die über dreitausend Kommunen in Deutschland, die mehr als 5.000 Einwohner haben, halten wir unterschiedlichste Daten bereit, etwa zur Kinderarmut, zum Bildungsstand, zur Wirtschaftskraft oder zum Arbeitsmarkt. Zudem sammeln wir demographische Daten und berechnen für jede einzelne Kommune eine Bevölkerungsprognose, zurzeit bis zum Jahr 2030. Darüber hinaus bieten wir Handlungsempfehlungen zu verschiedenen Herausforderungen an, beispielsweise, wie sich die Probleme einer alternden Bevölkerung in einer Gemeinde lösen lassen. Schließlich finden Interessierte bei uns auch gute Beispiele, wie andere Kommunen bestimmte Aufgaben bereits erfolgreich gemeistert haben.

Daten sind die Grundlage jeder Analyse und der Ausgangspunkt für alle strategischen Überlegungen.

Carsten Große Starmann, Bertelsmann Stiftung

Warum sind solche Datensammlungen für die Planung in Kommunen wichtig?

Carsten Große Starmann: Unsere Daten und Prognosen dienen als eine Art Frühwarnsystem. Verantwortliche können zukünftige Tendenzen und potenzielle Gefährdungen schneller erkennen und somit auch effektiver Gegenmaßnahmen ergreifen. Überhaupt sind Daten die Grundlage jeder Analyse und der Ausgangspunkt für alle strategischen Überlegungen. Sie machen komplexe Vorgänge verständlich. Zudem sorgen sie gerade im politischen Zusammenhang immer auch für eine Versachlichung von Diskussionen mit den Bürgerinnen und Bürgern. Denn es ist ein großer Unterschied, ob man eine Entwicklung nur annimmt.

Wie wichtig ist der Austausch der Kommunen über solche Daten?

Carsten Große Starmann: Der Wissenstransfer spielt eine wesentliche Rolle. Obwohl wir selbst den Austausch unter den Kommunen nicht aktiv organisieren, wissen wir durchaus um das große Informationsbedürfnis. Verantwortliche in einer Gemeinde, die sich ihre eigenen Daten anschauen, haben meist auch ein großes Interesse daran zu erfahren, wie andere Kommunen aus derselben Region oder vergleichbarer Größe sich entwickeln. Der Informationsfluss ist aber besonders dann wichtig, wenn es um die konkrete Lösung von Problemen geht. Auf unserer Plattform finden sich viele Denkanregungen, um kommunale Herausforderungen anzugehen.

Lassen sich aus den gesammelten Daten deutschlandweit gültige Trends für die Zukunft ablesen?

Carsten Große Starmann: Im Bereich der Demographie haben wir in Deutschland eine Entwicklung, die man mit den Schlagworten „weniger – älter – bunter“ umschreiben kann. Allerdings gibt es regional starke Unterschiede. In Gegenden mit einer schwierigen wirtschaftlichen Perspektive beispielsweise sehen wir die Bevölkerung häufig überdurchschnittlich schrumpfen – da vornehmlich Jüngere abwandern –  und auch altern. Regionen mit einem aktiven Arbeitsmarkt und guten Bildungsangeboten verbuchen hingegen auch heute noch Zulauf – aus anderen Teilen Deutschlands, aber auch aus dem Ausland. Gleichzeitig verstärkt die Demographie gesellschaftliche Trends, wie die zunehmende Altersarmut oder die Digitalisierung.

Mit Hilfe unserer Daten können die Kommunen die regionale Unterschiedlichkeit analysieren und versuchen vorwegzunehmen, was sie in der Zukunft zu erwarten haben. Die gegenläufigen Tendenzen innerhalb unserer Gesellschaft zeigen aber auch, dass es das Patentrezepte für ein bestimmtes Problem nicht geben kann.

Wie kann ein Bürgermeister reagieren, der mit den Zahlen für seine Kommune konfrontiert wird?

Carsten Große Starmann: Unsere Daten bieten einen guten Ausgangspunkt für eine Ist-Analyse der entsprechenden Kommune und zugleich eine Chance, den Blick in die Zukunft zu wagen. Ich rate den Entscheidungsträgern und Verantwortlichen immer, mutig zu sein und z. B. auf der Grundlage von Daten auch schwierige und unpopuläre Themen aufzugreifen. Nach meiner Erfahrung lohnt es sich, gemeinsam mit Experten und vor allem mit den Bürgerinnen und Bürgern ganz konkret darüber nachzudenken, welche Herausforderungen auf sie zukommen und die Frage zu beantworten: Wie wollen wir in unserer Stadt oder in unserem Dorf in Zukunft leben?

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