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Michael Bergmann

Was tut ein Planungsverantwortlicher einer mittelgroßen Kreisstadt, der zum Beispiel entscheiden muss, in welchem Stadtteil zusätzliche Unterstützung angeboten werden soll? Konzentriert er die knappen Ressourcen auf die Stadtteile, die in der Lokalpresse den schlechtesten Ruf haben? Gibt er den Kitas Zuwendungen, deren Leitungspersonal besonders vehement Bedarf anmeldet? Genehmigt er zusätzliches Personal/Mittel in sozialen Einrichtungen, in denen engagierte Eltern mitwirken und Probleme auch öffentlich artikulieren? Oder vertraut er seinem Bauchgefühl und der langen Berufserfahrung?

Kinder werden von ihrem Umfeld geprägt – dem Elternhaus, den Nachbarkindern, den sozialen Einrichtungen, den Spiel- und Sportflächen in der Nähe. Wer also nicht mit der Gießkanne fördern will, sondern Geld nach konkretem Bedarf der Kinder zur Verfügung stellen, muss genau wissen, was in den einzelnen Vierteln und Straßenzügen vor sich geht. Wo leben besonders viele Kinder mit Migrationshintergrund? In welchen Blocks ist Armut verbreitet? Wie steht es um die Stabilität von Familienstrukturen? Auskunft geben können die Quoten Alleinerziehender oder Bezieher staatlicher Sozialleistungen.

Solches Wissen liegt aber – wenn überhaupt – in vielen kleinen und mittleren Gemeinden bisher nur für die Gesamtkommune vor. Diese Ebene umfasst jedoch mehrere Tausend Einwohner und etliche Schulen, Kitas, Spielplätze und weitere Angebote.

Die Bertelsmann Stiftung stellt allen deutschen Kommunen ein Monitoring-Instrument namens KECK („Kommunale Entwicklung – Chancen für Kinder“) zur Verfügung, mit dem sie systematisch kleinräumige Sozialdaten erheben, auswerten und sichtbar machen können.

Die Aussagekraft und das Potential von kleinräumigen Daten für die kommunale Planung lässt sich im KECK-Atlas erkunden. 16 Kommunen veröffentlichen derzeit im Portal ausgewählte Datensätze und stellen sie für die Öffentlichkeit beliebig kombinier- und vergleichbar auf Karten, Diagrammen und Tabellen dar.

Die unten gezeigten Bilder sind eine exemplarische und vereinfachte Auswahl aus diesen Karten.

Infografiken

So leben Deutschlands Kinder

KOMPIK („Kompetenzen und Interessen von Kindern“) ist die logische Fortschreibung des KECK-Atlas’. Das standardisierte Verfahren ermöglicht es Kommunen, die Lern- und Entwicklungsschritte von Kita-Kindern systematisch zu erfassen und anonymisiert auf Stadtteilebene auszuwerten. So können die Sozialdaten aus dem Lebensumfeld der Kinder direkt mit den Beobachtungen von Kita-Erzieherinnen in Bezug gesetzt werden. Das erlaubt zum einen, die Kinder individuell zu begleiten, zum anderen aber auch, mögliche Themen und Unterstützungsfelder in einem Quartier rechtzeitig zu erkennen.