Ein Mann blickt durch das Rohr einer Haarmaschine in die Kamera.
Besim Mazhiqi

In den öffentlichen Debatten über den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustand unseres Landes dominieren oft die Schrillen und Lauten mit ihren extremen Ansichten. Einfache Antworten und vorschnelle Urteile jenseits aller Fakten haben Konjunktur. Doch auch zwischen amtlichen Statistiken und dem, was Menschen im Alltag erleben, klafft immer wieder eine Lücke. Fragen wir also danach, wie es Deutschland geht, dann ist das zwar einfach formuliert. Auf die simple Frage gibt es aber keine simplen Antworten. Denn jeder Bürger kann eine eigene Geschichte erzählen – mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Brüchen.

Wir haben daher mit dem Institut für Journalistik der TU Dortmund genau hingeschaut. Ausgehend von unserer Studie zur Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft besuchten Studenten des Instituts Menschen im Osten und Westen des Landes und setzten auf ein journalistisches Format, das zuletzt etwas aus der Mode gekommen war: die Sozialreportage. In Interviews und Vor-Ort-Recherchen entstanden acht Geschichten mitten aus dem Leben. Fotograf Besim Mazhiqi hielt die Eindrücke in Bildern fest. Das Ergebnis ist unser neues Buch "Deutschland in Nahaufnahmen".

Über die gefährlichste Straße Deutschlands, ein Leben am Tresen und drei Bildungsgenerationen

Die Reportagen zeigen, wie die Deutschen sozialen, wirtschaftlichen und globalen Wandel erleben, welche Chancen und Herausforderungen sich daraus für sie ergeben. Mona Ameziane traf drei Frauen aus Nordrhein-Westfalen: Großmutter, Tochter und Enkelin erlebten zusammen 70 Jahre deutsches Bildungssystem. Judith Koch war in der Leipziger Eisenbahnstraße unterwegs – einem Schmelztiegel der Nationen und angeblich die gefährlichste Straße Deutschlands. Und Jil Frangenberg begab sich an einen Ort, wo alle sozialen Schichten aufeinandertreffen: eine Kneipe in Radevormwald, einer Stadt im Bergischen Land zwischen Dortmund und Köln.

Von Städten, die boomen und kriseln, dem Alltag im Jobcenter und der Arbeit eines Selbstständigen

Ben Schröder, Laura Bethke und Anjoulih Pawelka widmeten sich den Themen Wirtschaft und Arbeitsmarkt. Schröder unterhielt sich mit Bürgern im thüringischen Sonneberg, wo die Wirtschaft boomt, und war in Leverkusen, das vielfach stagniert. Bethke fragte sich, wie es sein kann, dass es bei uns einen Beschäftigungsboom gibt, Unternehmen einen Mangel an Fachkräften beklagen, gleichzeitig aber Millionen von Menschen keine Arbeit finden. Auf der Suche nach Antworten machte sie Station in einem Hamburger Jobcenter. Pawelka schließlich konzentrierte sich auf eine Gruppe, die in der medialen Berichterstattung manchmal etwas untergeht: die Selbstständigen. Im Raum Heidelberg besuchte sie einen Friseurmeister in seinem Salon und eine Chirurgin in ihrer Praxis.

Wie umgehen mit der Globalisierung? Und was machen eigentlich "Social Entrepreneure"?

Claudia Wiggenbröker und Daniel Schmitz nahmen die Folgen der Globalisierung und das Phänomen der "Social Entrepreneure" unter die Lupe. Die Welt dreht sich immer schneller – für die einen kann’s nicht rasant genug gehen, die anderen fühlen sich verunsichert und abgehängt. Das erlebte Wiggenbröker, als sie in Berlin-Mitte und in der mittelfränkischen Kleinstadt Feuchtwagen auf vollkommen gegensätzliche Lebenswelten traf. Schmitz wiederum sprach im Rheinland und Ruhrgebiet mit "Sozialunternehmern" – so beispielsweise mit Bürgern, die Ideen für Regionen entwickeln, aus denen immer mehr Menschen abwandern und wo sich der Staat zunehmend zurückzieht.

Neugierig geworden? Eine Kurzfassung der Reportagen und erste Bilder gibt's
auf unserer Webseite zum Buch; die kompletten Geschichten und alle Fotos im Buch.

Mitdiskutieren? Wir stellen unser Buch am 8. September um 11:00 Uhr auf dem "Campfire – Festival für Journalismus und Neue Medien" in Dortmund vor. Das Festival findet direkt auf dem Uni-Gelände an der Otto-Hahn-Straße 12 statt. Unsere Buchvorstellung gibt's im Zelt des Instituts für Journalistik. Festival-Veranstalter sind das Institut und das Recherchezentrum CORRECTIV.