Zwei Mädchen sitzen vor einem PC-Bildschirm und einem Tablet und schreiben in Hefte.
Achim Multhaupt

Mit Freunden kommunizieren, Bilder austauschen, sich übers Weltgeschehen informieren, etwas einkaufen, Musik hören oder einen Film schauen – das machen Deutschlands Schüler heute gerne online. Via Smartphone, Tablet und PC wachsen sie in einer digitalen Welt auf, soziale Netzwerke, Online-Plattformen und digitale Technologien sind für sie selbstverständlich. Bloß: In ihrer Schule sieht das oft anders aus. Jetzt wird im Bund ein "Digitalpakt" diskutiert und die Kultusminister verständigten sich auf eine gemeinsame Digitalisierungsstrategie. Unsere Studie zeigt, welche digitale Ausstattung Schulen brauchen, was das kostet und warum die Kommunen hier finanziell unterstützt werden müssen.

Diese digitale Infrastruktur brauchen unsere Schulen

Damit Schulen ihre Schüler fit fürs digitale Zeitalter machen können, brauchen sie nicht nur entsprechend ausgebildete Lehrer und passende pädagogische Konzepte, sondern auch eine angemessene Ausstattung. Das umfasst eine digitale Infrastruktur aus schnellem WLAN, technischen Support, Endgeräte für die Schüler, Präsentationstechnik für Klassenräume sowie digitale Unterrichtsmaterialien, mit denen die jungen Menschen individuell gefördert werden können – zum Beispiel Lernprogramme.

"Digitalisierung ist für junge Menschen längst Alltag. Auch Schule muss digitaler werden und die Kompetenzen vermitteln, die künftig für Teilhabe an der Gesellschaft und am Berufsleben notwendig sind."

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Insgesamt müssten jährlich rund 2,8 Milliarden Euro investiert werden

In unserem Auftrag berechnete das Institut für Informationsmanagement der Universität Bremen (ifib) modellhaft für Grundschulen und weiterführende Schulen, was es kostet, sie mit digitaler Infrastruktur auszustatten. Für eine Grundschule müssten im Schnitt jährlich 45.600 Euro ausgegeben werden. Bei einer weiterführenden Schule wären es pro Jahr 301.500 Euro. Das entspricht 261 Euro pro Schüler in der Grundschule und 402 Euro pro Schüler in der weiterführenden Schule. Bei der aktuellen Gesamtschülerzahl im Bund von etwa 7,9 Millionen ergeben sich jährliche Gesamtkosten von rund 2,8 Milliarden Euro; Investitionen in Infrastruktur und Endgeräte sind dabei über einen Zeitraum von fünf Jahren umgelegt. Die Ausgaben für die notwendige einmalige Breitbandanbindung der Schulen und für die Fortbildung der Lehrer sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Bund sollte Kommunen und Länder stärker und kontinuierlich unterstützen

Die Kommunen investieren bereits in die digitale Ausstattung ihrer Schulen. Schätzungen auf Basis der Ausgaben einzelner Kommunen deuten darauf hin, dass 20 bis 50 Prozent der jährlich benötigten 2,8 Milliarden schon von den Kommunen aufgebracht werden, teilweise ergänzt durch Landesmittel.

Doch Kommunen und Länder können die Kosten nicht alleine stemmen. Der Bund hat durch den Vorschlag des "Digitalpakts" bereits seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, zu unterstützen. Digitalisierung sei Normalität und Daueraufgabe, betont unser Vorstand Jörg Dräger. Einmalige Investitionen seien daher nicht ausreichend. Die Kommunen brauchten kontinuierliche Unterstützung für die digitale Infrastruktur in den Schulen. Zu klären sei außerdem, wie Eltern an den jährlichen Kosten für individuelle Endgeräte (800 Millionen Euro) fair und ihren finanziellen Möglichkeiten entsprechend geltender Rahmenbedingungen für die Lernmittelfreiheit beteiligt werden können.

"Die Digitalisierung der Schulen braucht jetzt einen Kraftakt. Bund, Länder und Kommunen müssen sich in der neuen Legislaturperiode zügig darauf verständigen, Schulen beim Lernen mit digitalen Medien dauerhaft und auskömmlich zu unterstützen."

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Die komplette Studie finden Sie hier:

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