Ein Schüler sitzt an einem Tisch in einem Klassenzimmer, lächelt in die Kamera und macht "den Daumen hoch". Vor ihm steht ein aufgeschlagenes Buch auf dem Tisch. Im Hintergrund sitzen fünf weitere Schüler an einem Tisch und lesen. Über den Tisch gebeut steht eine Lehrerin.
Ulfert Engelkes

Der Jakob Muth-Preis für inklusive Schule geht in diesem Jahr an den Schulcampus Rostock-Evershagen und damit zum ersten Mal an eine Bildungseinrichtung in Mecklenburg-Vorpommern, an die Geschwister-Prenski-Schule im schleswig-holsteinischen Lübeck und die Antonius von Padua Schule im hessischen Fulda. Außerdem wird die niedersächsische Stadt Oldenburg mit der AG "Inklusion an Oldenburger Schulen" ausgezeichnet. Der Jakob Muth-Preis wird am 21. Juni in Rostock verliehen.

Der Jakob Muth-Preis ist eine Initiative der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, der Deutschen UNESCO-Kommission und der Bertelsmann Stiftung. Die ausgezeichneten Bildungseinrichtungen zeigen, dass in Deutschland viele Schulen und Schulverbünde trotz teilweise schwieriger Rahmenbedingungen bereits auf hohem Niveau erfolgreich inklusiv arbeiten.

In Deutschland ist Inklusion eine der größten schulpolitischen Aufgaben. Die Bundesrepublik verpflichtete sich 2009 mit Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention, allen Kindern den Besuch einer Regelschule zu ermöglichen. Die Bundesländer setzen den gemeinsamen Unterricht allerdings sehr unterschiedlich um.

"Mit der Verleihung des Jakob Muth-Preises zeichnen wir seit Jahren Schulen aus, die zeigen, dass inklusives Lernen an allen Schulformen gelingen kann."

Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

Die Preisträger im Überblick

Der Schulcampus Rostock-Evershagen überzeugte die Jury mit seinem umfassenden Inklusionsverständnis. Unabhängig vom diagnostizierten Förderbedarf werden alle der rund 1.000 Kinder und Jugendlichen miteingebunden und durch ein gut funktionierendes Netzwerk im Alltag und in schwierigen Lebenssituationen vorbildlich unterstützt.

In der Geschwister-Prenski-Schule in Lübeck begünstigt das Angebot des gebundenen Ganztags, wo alle Schüler den Tag bis zum Nachmittag gemeinsam verbringen, das gemeinsame Lernen von jungen Menschen mit und ohne Förderbedarf. Ein besonderer Fokus der Einrichtung mit ihren knapp 800 Schülern liegt auf der offenen und konstruktiven Lernatmosphäre.

An der Antonius von Padua Schule in Fulda lernten bis zum Schuljahr 2013 ausschließlich Kinder und Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Mit dem Schuljahr 2014 wurde aus der Grundstufe der Förderschule eine inklusive Grundschule. Unter dem Motto "Die Schülerschule – gemeinsam sind wir Klasse" lernen die Kinder klassenübergreifend von- und miteinander und können sich individuell entwickeln. Neben gut durchdachter Didaktik trägt auch die offene Architektur mit wenigen Türen und verschiedenen Arbeitsorten dazu bei, dass das gemeinsame Lernen gelingt.

Inklusionsarbeit in ganz besonderem Sinne leistet die 2012 gegründete Arbeitsgemeinschaft "Inklusion an Oldenburger Schulen". Die AG hat mittlerweile über 60 Mitglieder aus Selbsthilfegruppen, Schulen, Stadtelternrat, Stadtschülerrat, Landesschulbehörde, freien Trägern, Politik und Stadtverwaltung. Ihre Sitzungen sind für alle Bürger offen und es sollen stets stadtweite Lösungen für Herausforderungen der (inklusiven) Schulen gefunden werden. So wurden etwa der Übergang zwischen Kita und Grundschule geregelt, ein System für budgetierte Schulbegleitung eingeführt und stadtweit einheitliche Regelungen für den Schülertransport gefunden.

Erfahren Sie mehr über die bisherigen Preisträger der Jahre 2009 bis 2016: In unsrer YouTube-Playliste gibts kurze Videoportraits aller Gewinnerschulen.