Eine Frau und ein Mann sitzen an und auf einem Schreibtisch in einem Büro, blicken auf einen PC-Bildschirm und diskutieren.
Jan Voth

Neue digitale Daten verbessern die Lebensqualität der Bürger und lassen Kommunalverwaltungen effizienter arbeiten. Das zeigt unsere neue Studie anhand von Beispielen aus dem In- und Ausland und gibt Handlungsempfehlungen für Politik und Verwaltung.

Die Untersuchung ist die zweite in einer Reihe von Veröffentlichungen zu "Smart Country", dem Thema unseres Reinhard Mohn Preises 2017.

Neue digitale Daten sind von offenen Daten (Open Data) zu unterscheiden. Zwar sind beide Datenformen frei im Internet zugänglich. Während es sich bei Open Data aber in der Regel um statische Daten in maschinenlesbarer Form handelt, werden neue digitale Daten in Echtzeit erhoben, transportiert, verarbeitet und ausgewertet. So kann beispielsweise ein Bahn- oder Busfahrplan mithilfe von Open Data im Internet zur Verfügung gestellt werden. Im Gegensatz zu diesem statischen Plan verändert sich ein mit neuen digitalen Daten gefütterter Fahrplan aber permanent und in Echtzeit: Der Plan, über eine App abrufbar, zeigt jede Verspätung sofort an.

Wie entstehen neue digitale Daten?

Neue digitale Daten werden von Bürgern, Unternehmen und der Politik erhoben und mithilfe von Smartphones oder anderen digitalen Endgeräten Dritten in Echtzeit zur Verfügung gestellt. Sie können aber auch in Ideenwettbewerben, Open-Innovation-Prozessen oder online durchgeführten Bürgerbeteiligungsprozessen entstehen.

So werden Echtzeitdaten sinnvoll genutzt

Ein klassisches Beispiel, bei dem ein Unternehmen neue digitale Daten erfasst und weitergibt, ist eine Fahrplan-App von Verkehrsbetrieben. Das schwedische Portal "Bredbandskollen" wiederum zeigt, wie Bürger neue digitale Daten erheben und weitergeben. Das Portal analysiert die Qualität von Breitbandverbindungen: Bürger melden die von ihnen gemessenen Bandbreiten. So haben ihre Mitmenschen einen Überblick über die Verbindungen und die zuständige Behörde sieht, wo Anpassungsbedarf besteht.

Ein weiteres Beispiel, wie der Austausch von neuen digitalen Daten zwischen Bürgern und Stadtverwaltung funktionieren kann, ist die "Digitale Agenda Wien". Hier nutzen die Behörden Daten, die ihnen Einwohner schicken, für Smart-City-Projekte. Politik und Zivilgesellschaft arbeiten Hand in Hand, teilen Ideen und Wissen.

Mit "Smart City Dashboards" können Behörden Echtzeitdaten präsentieren

Deutsche Kommunen nutzen erst seit kurzem verstärkt neue digitale Daten – etwa wenn über eine App aktuelle Wartezeiten eines Bürgerservice in Echtzeit eingesehen werden können. Für Behörden bietet es sich an, Echtzeitdaten in einem "Smart City Dashboard" aufzubereiten. So können die Einwohner und die lokale Wirtschaft transparent über den Zustand einer Kommune, ihre Dienstleistungen und die Nutzung der städtischen Infrastruktur informiert werden. Das Tool schafft eine Kommunikation auf Augenhöhe.

Mit der nordrhein-westfälischen Stadt Moers haben wir ein beispielhaftes Smart City Dashboard entwickelt. Es handelt sich um einen Prototypen, der sich beliebig erweitern lässt – je nachdem, welche Daten verfügbar sind (die Zahlen stammen von 2015).

Politik muss Voraussetzungen für neue digitale Daten schaffen

Wollen Kommunalverwaltungen neue digitale Daten künftig vermehrt erfassen und nutzen, braucht es Veränderungen in rechtlicher, organisatorischer, finanzieller und infrastruktureller Hinsicht. Hier ist die Politik gefordert:

- Übergang zur Gigabitgesellschaft vollziehen: Das bisher gesteckte Ziel, Deutschland bis Ende 2018 flächendeckend mit Internetverbindungen von mindestens 50 Mbit/s zu versorgen, sollte durch ein Glasfaserausbaugesetz deutlich übertroffen werden. So könnte die Bundesrepublik bis 2025 zur Gigabitgesellschaft werden.

- Flächendeckendes freies WLAN-Netz insbesondere im öffentlichen Raum, wie in Rathäusern, Bibliotheken, Schulen oder Jugendfreizeitstätten, und damit Zugang zu Echtzeitdaten für alle.

- Den neuen Mobilfunkstandard 5G für Anwendungen mit neuen digitalen Daten nutzen: Hier sind die Städte gefordert, zusammen mit den Mobilfunkanbietern Ideen zu entwickeln.

- Personelle und fachliche Voraussetzungen in den Kommunalverwaltungen schaffen, um neue digitale Daten systematisch erschließen zu können: So könnte zum Beispiel ein Chief Digital Officer alle digitalen Arbeitsbereiche koordinieren und dabei fachlich von Datenanalytikern unterstützt werden.

- Gründung eines kommunalen Kompetenzzentrums "Big Data/Neue digitale Daten" durch einen Verbund von Kommunen in Kooperation mit den Bundesländern: Das Zentrum könnte bei der komplexen Erhebung und Nutzung neuer digitaler Daten unterstützen.

- Zentrale Verwaltungsprozesse überprüfen: Genügen sie den Anforderungen der Digitalisierung? Im Fokus sollte vor allem die automatische Erfassung und Auswertung der neuen digitalen Daten stehen.

- Pilotprojekte zu "Smart City Dashboards": Um die Tools verbreiten zu können, braucht es kommunale und regionale Förderprojekte.

Die komplette Studie finden Sie hier.

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