Gruppenbild mit Eli Nechama, Liz Mohn und anderen Teilnehmern der Veranstaltung "Ein Zuhause in der Fremde"
Jan Voth

Wie gelingt Integration von Flüchtlingskindern? Die Antwort: durch Menschlichkeit, Toleranz und den Mut, neue Wege zu gehen. Das zeigen die Geschichten und das Engagement der Schüler der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv. Können wir uns in Deutschland daran ein Beispiel nehmen? Schließlich steht auch die Bundesrepublik vor der Aufgabe, viele Flüchtlinge zu integrieren. Am Montag diskutierten unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende Liz Mohn und der Schulleiter, Eli Nechama, diese Frage in der UNESCO-Schule in Essen – einer Partnerschule der Bialik-Rogozin-Schule.

Die Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv steht allen Kindern offen – unabhängig vom Flüchtlingsstatus, der Herkunft oder der Religion. 1.300 Schüler aus 51 Ländern lernen jeden Tag gemeinsam – konfrontiert mit einem unklaren Aufenthaltsstatus und täglicher Diskriminierung in der israelischen Gesellschaft. Dennoch legen an dieser Schule über 96 Prozent der Schüler das Abitur ab, sie nehmen an internationalen Wettbewerben erfolgreich teil und blicken selbstbewusst in die Zukunft.

Was unterscheidet diese Schule von anderen?

„Bialik-Rogozin ist mehr als eine Schule, es ist ein Zuhause“, erzählt Salam Mamush, Schülerin in Tel Aviv. Das Konzept der Schule gilt weltweit als Best-Practice-Beispiel für gelungene Integration. Liz Mohn hat die Schule bereits mehrmals besucht und sich vom Integrationserfolg selbst überzeugt: 

"Jedes Kind verdient es, unabhängig von seiner Herkunft die bestmöglichen Chancen in unserer Gesellschaft zu erhalten."

Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung

Aber auch um den Zusammenhalt in unserer vielfältigen und vielfach gespaltenen Gesellschaft zu sichern, müssten wir von der Welt lernen, und bei den Kindern ansetzen, betont Liz Mohn. 

Zwölf Thesen zeigen, wie die Schule Integration umsetzt

„Sei ein Mensch. Ein Mensch zu sein ist wichtiger als Mathematik“, ist das Leitprinzip von Schulleiter Eli Nechama – es ist gleichzeitig der Grundstein für die erfolgreiche Integration von Flüchtlingskindern an seiner Schule. Daraus lassen sich weitere Thesen ableiten.

Schule soll ein Zuhause sein: Neben den klassischen Unterrichtsfächern sollen hier Musik, Kultur und Sport  in den Mittelpunkt rücken und bei der Integration helfen. Der Schüler steht als Individuum im Mittelpunkt mit seinen eigenen Fähigkeiten und Talenten, die gefördert werden sollen.

Damit die Flüchtlingskinder akzeptiert werden, sollen sie die Standards der neuen Heimat verstehen und respektieren – dafür müssen ihnen die Lehrer klare Regeln und die Grundwerte des Ankunftslandes vermitteln. Um auch emotional in der neuen Heimat anzukommen, hilft es, kulturelle Feiertage einzuhalten. Gleichzeitig sollen die Neuankömmlinge ihre eigenen kulturellen Wurzeln der Herkunftsländer den Einheimischen näher bringen – so entsteht Toleranz auf beiden Seiten. Schließlich spielt Sprache eine zentrale Rolle: Wenn die Lehrer Grundkenntnisse der Sprachen ihrer Schüler erlernen, verschwinden die Barrieren zwischen den Kulturen.

Verantwortung liegt nicht nur auf Seiten der Schule

Neben den Schülern und Lehrern sind weitere Akteure entscheidend: So sollte die Schule ehrenamtliche Helfer und vor allem auch die Eltern stärker in ihre Arbeit einbeziehen. Nur mit deren Hilfe können alle Parteien die vielfältigen Angebote und Anforderungen der Schulen gewährleisten. All das hilft aber nichts, wenn die Öffentlichkeit nichts davon erfährt. Deshalb ist es notwendig, mit den Leistungen der Kinder selbstbewusst aufzutreten und Ihnen Stolz auf ihr „Zuhause in der Fremde“ zu vermitteln.

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