Zwei Mädchen stehen vor einer Schultafel in einem Klassenzimmer. Eins der Mädchen schreibt mit Kreide an die Tafel.
Veit Mette

In Deutschland bieten aktuell rund 60 Prozent der Schulen ganztägige Bildungsangebote. Hier sollen das Lernen besser mit Zeiten für Entspannung verbunden und die Schüler individuell gefördert werden – beispielsweise durch Hausaufgabenhilfe oder zusätzliche Sportangebote. In unserer repräsentativen Umfrage bewerten Eltern von Ganztagsschülern die Schulen ihrer Kinder häufiger positiv als Eltern von Halbtagsschülern. Zugleich zeigt die Umfrage: Eltern wollen mehr Ganztagsschulen – doch das Angebot reicht noch nicht aus.

Insgesamt sind Deutschlands Eltern sehr zufrieden mit den Lehrern ihrer Kinder: 84 Prozent loben die fachliche Kompetenz der Lehrer an Ganztags- und Halbtagsschulen. Eltern von Ganztagsschülern bewerten jedoch einzelne Aspekte des Schulalltags positiver als Eltern von Halbtagsschülern:

  • Rund zwei Drittel der Eltern von Kindern im Ganztag sehen die Angebote zur individuellen Förderung positiv. Bei Eltern von Halbtagsschülern sind es 54 Prozent.
  • 63 Prozent der Eltern von Ganztagsschülern sind der Ansicht, dass die Lehrer gut mit unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen der Kinder umgehen können. Über Halbtagsschulen sagen das nur rund die Hälfte der Eltern.
  • Dass ihr Kind in seinem eigenen Tempo lernen kann, sagen 66 Prozent der Eltern von Ganztagsschülern– gegenüber 55 Prozent der Eltern von Halbtagsschülern.  
  • Die technisch-räumliche Ausstattung bewerten 80 Prozent der Eltern von Ganztagsschülern positiv – im Vergleich zu 72 Prozent der Eltern von Kindern an Halbtagsschulen.
  • Sehr gut oder gut bewerten mehr als drei Viertel der Eltern von Ganztagsschülern den sozialen Zusammenhalt in der Klasse ihrer Kinder. Bei den Eltern von Halbtagsschülern sind es 71 Prozent.

"Ganztagsschulen sind der beste Rahmen für die individuelle Förderung der Schüler. Vorausgesetzt, die Qualität stimmt."

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung
Grafik "Anteil der Schüler in Ganztagsschulen". Ganztagsschulen auf dem Vormarsch: In allen Bundesländern werden mehr und mehr Schüler ganztägig betreut. Am stärksten durchgesetzt hat sich die Ganztagsschule bislang in Hamburg, Sachsen und Berlin.

Ganztag mit Teilnahmepflicht schneidet bei der individuellen Förderung am besten ab

In der Bundesrepublik gibt es zwei Formen von Ganztagsschulen: Beim offenen Ganztag nehmen einzelne Kinder freiwillig am Nachmittagsprogramm teil. Im gebundenen Ganztag lernen alle Schüler einer Klasse gemeinsam über den ganzen Tag. Diesen Ganztag mit Teilnahmepflicht bewerten Eltern in einigen Punkten besser als jenen ohne:

·         Die individuellen Förderangebote beurteilen 70 Prozent der Eltern von Kindern im gebundenen Ganztag positiv. Im offenen Ganztag sind es 63 Prozent.

·         Entsprechend sind im gebundenen Ganztag mehr Eltern mit der gezielten Förderung ihrer Kinder zufrieden als bei offenen Angeboten (58 gegenüber 51 Prozent).

Offene Ganztagsschulen punkten mit anderen Aspekten:

·         Im offenen Ganztag finden 60 Prozent der Eltern das Essensangebot gesund und ausgewogen – im Vergleich zu 53 Prozent der Eltern mit Kindern im gebundenen Ganztag.

·         Die Betreuungsangebote in den Schulferien schätzen 54 Prozent der Eltern von Schülern im offenen Ganztag. Im gebundenen Ganztag ist es nur knapp ein Drittel.

Eltern sehen allerdings auch Verbesserungsbedarf bei Ganztagsschulen: Auf der Wunschliste ganz oben stehen für die Hälfte weitere Angebote zur individuellen Förderung und mehr Schulpersonal. Außerdem wünschen sie sich einen intensiveren Austausch mit der Schule ihres Kindes.

Eltern wollen mehr Ganztagsschulen – doch das Angebot reicht noch nicht aus

Obwohl das Ganztagsangebot in Deutschland wächst, deckt es noch nicht den Bedarf: Im Schuljahr 2013/14 hatten rund 36 Prozent aller Schüler einen Ganztagsplatz. Im darauffolgenden Schuljahr waren es schon 38 Prozent. Zusätzlich würden 30 Prozent der befragten Eltern von Halbtagsschülern ihr Kind heute auf eine Ganztagsschule schicken, wenn sie nochmal entscheiden könnten. Zugleich sagen immer noch 32 Prozent der Eltern von Halbtagsschülern, in ihrer Nähe gebe es gar keine Ganztagsschule.

"Wir brauchen mehr Ganztagsplätze. Den Ausbau können wir mit einem Rechtsanspruch auf Ganztag vorantreiben."

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, sieht in der Qualität von Ganztagsschulen eine zentrale Herausforderung für die weitere Entwicklung der Schullandschaft. Insbesondere der Ausbau von gebundenen Ganztagsschulen müsse vorangetrieben werden. Im Schuljahr 2014/2015 konnten nur rund 18 Prozent der Schüler diese Form der Ganztagsschule, die am meisten individuelle Förderung ermöglicht, besuchen.

Die komplette Umfrage finden Sie hier.

Ähnliche Artikel


 

Studie (Korrigiert am: 22.06.2016)

Gleiche Lernchancen für alle im Ganztag? Fehlanzeige.

Wo in Deutschland Ganztag draufsteht, ist leider nicht immer Ganztag drin. ie individuelle Förderung der Schüler leidet darunter. weiterlesen

Studie

Sind Lehrer schon Teamspieler?

Deutsche Lehrer tun sich mit einigen Formen der Zusammenarbeit noch schwer. Diese Studie zeigt, wie sich die Teamarbeit bisher gestaltet. weiterlesen

Studie

Eltern geben jährlich rund 900 Millionen Euro für Nachhilfe aus

1,2 Millionen deutsche Schüler erhalten derzeit Nachhilfe. Ganztagsschulen bieten Möglichkeiten, privat finanzierte Förderung zu ersetzen. weiterlesen

Studie

Freie Grundschulwahl verschärft die soziale Trennung von Schülern

Die freie Grundschulwahl der Eltern in Nordrhein-Westfalen verschärft die bereits vorhandende soziale und ethnische Trennung an diesen Lernorten weiter. weiterlesen