Eine dunkelhäutige Unternehmerin steht mit selbstbewusst vor der Brust verschränkten Armen vor einer Wand, die mit Wörtern wie "Koordinieren" und "Zusammenarbeiten" in bunten Farben bemalt ist.
Benjamin Dierks, Berlin

Deutschland ist kein Gründerland. Im internationalen Vergleich gehen hierzulande wenige neue Unternehmen an den Start. Die fehlenden Gründer sind die fehlenden Unternehmer von morgen – eine Hypothek für Innovationsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung.

Es sind vor allem Menschen mit Migrationshintergrund, die sich diesem Trend entgegenstemmen. Schon heute beteiligen sie sich überproportional am Gründungsgeschehen. Sie beleben die Gründerszene mit Start-ups und den Mittelstand mit neuen Geschäftsideen. Und das ist gut für die deutsche Wirtschaft: Denn viele dieser jungen Unternehmen sind auf Wachstumskurs.

Migrantenunternehmen sind Jobmotor für Deutschland

So schaffen Migrantenunternehmer immer mehr Jobs in Deutschland. Zwischen 2005 und 2014 ist die Zahl der Arbeitsplätze, die Migrantenunternehmer geschaffen haben, von 947.000 auf 1,3 Millionen geklettert, wie eine jüngst von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie zeigt.

Unternehmer mit Migrationshintergrund leisten aber auch einen Beitrag zu gelingender Integration. Migrantenunternehmen beschäftigen in überdurchschnittlichem Maß sozial Benachteiligte. Und wer als Zuwanderer ein Unternehmen erfolgreich aufbaut und führt, vergrößert die eigene Chance auf soziale Mobilität und wird zum Vorbild für ein erfolgreiches Ankommen in der neuen Heimat.

Offene Potenziale

Trotzdem wird dieses Potenzial nicht voll ausgeschöpft. Denn gerade gründungswillige Migranten stehen vor Hürden und werden mit diesen oft allein gelassen: Sprache, Behördengänge, Regularien, Finanzierung, …

Ein Scheitern wird so wahrscheinlicher. Entscheidend für den langfristigen Erfolg sind Beratungsangebote, die über diese Hürden helfen und professionell den Weg in die berufliche Selbstständigkeit begleiten. Von diesen Angeboten gibt es heute in Deutschland zu wenige. Den in der Gründungsberatung aktiven Institutionen fehlt vielfach das Wissen über erfolgreiche Ansätze und deren Anwendung.

Hier setzt die Publikation "Neue Gründer hat das Land!" an. Denn es gibt intelligente und hochprofessionelle Berater in Deutschland. Sie zeigen mit ihrer Arbeit, wie es gelingt, auf die spezifischen Bedürfnisse von Migranten einzugehen und die Gründer effektiv zu beraten.

Gute Beispiele zeigen, wie es geht

Sieben Reportagen und Interviews zeigen, wie Beratung funktionieren kann. Jede der vorgestellten Einrichtungen setzt einen spezifischen Schwerpunkt.

In Frankfurt am Main haben wir zwei Angebote für Start-up-Gründer besucht: Das Projekt "Chancen-Nutzer" im Social Impact Lab begleitet junge Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Weg zu einem erfolgreichen Unternehmen, gibt aber auch Sozialunternehmern den Raum, ihre Idee zu realisieren. Das Bundesprojekt "MIGRANTINNEN gründen" in Frankfurt am Main richtet sich an Frauen mit Migrationshintergrund.

Die Erfahrung der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Migranten aus Hamburg zeigt, wie die Zusammenarbeit zwischen einer Migrantenselbstorganisation und der Handelskammer zum Nutzen der Existenzgründer gestaltet werden kann. Und auch außerhalb der großen Wirtschaftszentren macht es Sinn, Menschen auf dem Weg in erfolgreiche Selbstständigkeit zu begleiten, wie Beispiele aus Brandenburg und dem Saarland zeigen.

Beeindruckende Vielfalt

Die Publikation zeigt insgesamt, welche Faktoren zusammenkommen müssen, um Gründungsberatung für Migranten erfolgreich zu gestalten. Die Reportagen stellen aber auch erfolgreiche Migrantenunternehmer vor. Die Vielfalt der Wege in die Selbstständigkeit und die Vielfalt der Geschäftsideen – vom Importeur für den Großmarkt über den Entwickler von Apps bis hin zur spezialisierten Modelagentur – sind beeindruckend.

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